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Rap der in Punk mündete: Antilopen Gang gaben am Sonntag einen fulminanten Abschluss des diesjährigen Fährmannsfests.

Sonntagstanz Tatü-Tata

18.000 feierten drei Tage Fährmannfest

08. August 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Am gestrigen Sonntag setzte sich in Hannover der Sommer durch und das sehr deutlich. Strahlend blauer Himmel am Nachmittag und Temperaturen um die 25 Grad erwiesen sich als ideale Bedingungen für Akteure und Besucher am letzten der drei Fährmannsfest-Tage in der Calenberger Neustadt und in Linden Nord. Musikalisch standen die Zeichen am letzten Tag im Schwerpunkt auf Reggae, Dancehall, Rap, HipHop und Pop. Die Rapper der Antilopen Gang setzten zum Abschluss dennoch sehr deutliche politische Punk-Aktzente älterer Schule.

Eingefleischte Fans von harter, handgemachter Rockmusik , Metal oder Punk müssen sich am heutigen Sonntag auf dem Fährmannfest flexibel zeigen. Egg Bites Chicken aus Hannover und Zürich ist die einzige Band auf der Musikbühne, die die Rockfahne hochhält. Das tut die Band dann auch mit Nachdruck und spielt eine sehr ordentliche Show.

Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits 17.00 Uhr, die Sonne strahlt aus blauem Himmel, dann und wann macht sich ein leichter Wind bemerkbar und das Gelände ist sehr gut gefüllt. Schon vor 15.00 Uhr hatten sich viele zum Fährmannsfest aufgemacht, der Eintritt ist heute überall kostenlos und mit der jungen Reggae/Dancehall-Band Phaenotypen aus Worpswede hatte es einen ziemlich lebendig-groovigen Einstieg gegeben.
Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Auf dem Deich herrschte erhöhte Aufmerksamkeit, vor der Bühne feierten die ersten. Tanzend. Noam Bar, mit kompletter Band angereist, sorgte mit ihrem Jazz-Soul-Blues-Programm für exzellente, entspannte Unterhaltung. Die Musik, die Atmosphäre und das Natur-Ambiente in Kombination mit dem herrlichen Sommerwetter gehen auch weiterhin eine nahezu perfekte Verbindung ein.

Bands wie Beatbar, DBaser, Coca Candy oder das Lumpenpack freuen sich derweil auf der Kulturbühne über reichlich Publikum, das zum Teil hier die Zeit für einen Bummel über das Kinderfest genießt.

“Alles gut, alles okay“

Zum leichten fröhlichen Sommertanz lädt am frühen Abend die Musik der Band Soundbar ein. „Alles gut, alles okay“ heißt es in einem ihrer Songs. Einige schwelgen in den eingängigen Pop-Melodien und den überaus tanzbaren Grooves der Band. Man könnte meinen, dies hier ist in der Gesamtkonstellation fast schon zu nett.

Liedfett sind dann wieder alternativer unterwegs. Mit ihrem Mix aus Akustik-Punk, HipHop und Liedermaching wird das Publikum nun kräftig in Bewegung gebracht, bis dann der Headliner, die Antilopen Gang, zum Abschluss eine Rap/HipHop-Show liefert, die auf den letzten Metern im Punk mündet. Bei der Antilopen Gang gibt es so viele gesellschaftskritische und politische Botschaften, wie bei kaum einer anderen Band an den beiden anderen Tagen zuvor.

Hüpfen und Springen sind hier angesagt, zu abschließenden Songs wie „Fick die Uni“ oder „Bullenschweine“ bilden sich Moshpits und die berühmte Schneise im Publikum, die bei Konzerten mancher Bands eine „Wall Of Death“ oder „Wall Of Love“ ankündigt. Bei der Antilopen Gang realisieren die Fährmannsfest-Besucher vor der Bühne eine „Wall Of Irgendwas“. Wildes Toben und ungezügelter Spaß sind nun Programm. „Tatü-Tata, Tatü-Tata“, schallt es von der Bühne und aus dem Publikum.

Der strahlend blaue Himmel ist starker Bewölkung gewichen, es bleibt aber warm und trocken. 18.000 Besucher insgesamt sollen es nach Veranstalterangaben an allen drei Tagen gewesen sein, die beim Fährmannsfest zugegen waren. „Oder sogar auch noch ein paar mehr“, wie eine Pressevertreterin des Veranstalters andeutet.

Auch weiterhin kein Mainstream

Als die Antilopen Gang gegen kurz vor 22 Uhr die Bühne verlässt, präsentieren die Moderatoren Stefan Henningsen und Jean Coppong den alten Jürgen-Marcus-Schlager „Ein Festival der Liebe“. Zu sympathisch schaurig-schräger Performance (beide sind überdies mit Kopfschutz ausgetattet) hagelt es Becher gen Bühne, Getränkebecher, deren Pfand Einnahmen für Viva Con Aqua bedeuten.

Festzuhalten bleibt, dass das 33.Fährmannsfest Angebote und Musik für vielerlei Geschmäcker bereit hielt, aber letztlich nicht alle Szenen und Interessengruppen der alternativen Musik vollends erreichen konnte, was auch wohl kaum möglich erscheint. Am künstlerisch alternativen Konzept wolle man festhalten, Mainstream werde auch in Zukunft nicht stattfinden, erklärte der neue Vorsitzende des veranstaltenden Fährmannsfest e.V. Germar Hoffmeister am Rande des Festivals bei einem Mediengespräch.

Der Charakter eines friedlichen, familiären Miteinanders im Rahmen eines großen Stadtteil-und Stadtfestes solle beibehalten werden, so Hoffmeister weiter.

Das 34. Fährmannsfest wird Anfang August 2017 stattfinden.

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