Bildrechte: Jeff Kahra

20 Jahre Wisecräcker: Zum Jubiläum traten die hannoverschen Ska-Punker am Samstag vor Tausenden auf dem Fährmannsfest auf und legten sich auf der Bühne mächtig ins Zeug.

Regen, Reggae, Ska und Punk

Wechselhafter Samstag auf dem Fährmannsfest

07. August 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Tag Zwei auf dem Fährmannsfest. Ein wechselhafter Tag, sowohl vom Wetter, als auch vom Unterhaltungsangebot. Am Nachmittag und frühen Abend wurde am gestrigen Samstag Linden-Nord und die Calenberger Neustadt von teilweise heftigen Regenschauen heimgesucht. Zwischenzeitlich wechselte die Sonne mit dunklen Wolken ab, bis gegen Abend die Rahmenbedingungen für eine musikalische Party bei der Rock, Reggae, Ska und Punk dominierten, stimmten. Die Hannoveraner Wiscräcker feierten bei ihrem Open-Air-Heimspiel ihr 20-jähriges Bandjubiläum vor einigen Tausend Besuchern.

Der Tag startet rockig,rau und rotzig. Knifte aus Hannover geben auf dem Fährmannsfest ihre Live-Premiere im Spannungsfeld zwischen modernem Rock´n´Roll und tanzbarem Indie-Punk. Schon früh findet sich eine ordentliche Zahl an Besuchern ein, die lauten Beifall spenden. Wohl zurecht, denn das Trio um Michel Stemmer, Ole und Lennard Hauk spielt ein frisches, knackiges Kurzkonzert. Es beginnt zunächst leicht zu regnen, im Anschluss dann länger zu schütten.

Zunächst suboptimale Bedingungen für Audiocircus, die dem Regen aber trotzen und es dauert nur wenige Songs, bis sich die Sonne zeigt und sich die Besucher wieder unmittelbar vor die Bühne trauen. Die Band überzeugt mit ihrem individuellen Mix aus härterem Pop-Rock mit leichtem R´n´B Einschlag. Das neue Programm lockt immer mehr Menschen auf die Wiese. Man wirkt sehr zufrieden: „Seit Bandgründung war es der Wunsch und das Ziel, einmal auf dem Fährmannsfest zu spielen und nun hat das nach langer Zeit geklappt“, freut sich Sänger Kenny sichtlich. Im Publikum erblickt man zahlreiche freudig dreinblickende Gesichter. Das passt hier.

Mutig und konsequent

Schnipo Schranke sorgt für weiter erhöhtes Besucherinteresse. Der minimalistisch gestrickte Indie-Pop des Trios bildet in der Konstellation Schlagzeug, Piano und Synthie nebst schrägem Gesang einen speziellen Kontrapunkt zu den üblichen musikalischen Darbietungen. Alles andere als Konsens-Entertainment, doch für solche Ecken und Kanten, an denen sich einige stoßen und andere erfreuen, ist das Fährmannsfest bekannt. Mutig, aber gewissermaßen auch konsequent.

Inzwischen sind wieder dunkle Wolken aufgezogen und der allgemeine Wohlfühlfaktor befindet sich im eher mittleren Bereich. Auf der anderen Seite der Ihme, auf der Faustwiese, stimmen auf der Kulturbühne die Fährmannsfest-Stammgäste Die Eisbrecher „So lonely“ von The Police an und legen kurz darauf mit „Ich mach mein Ding“ von Udo Lindenberg nach. Es beginnt zu tröpfeln bis anhaltender Nieselregen einsetzt.

Die Lebensgeister sind zurück

Beim Verfasser dieser Zeilen meldet sich der Hunger und schon kurz darauf gerät das mit Chili beflockte Linsencurry für 3,50 Euro zu einem ungeahnten Höhepunkt des späten Nachmittags. Im Biergarten Gretchen liest Hollow Skai vor mit Regenjacken geschützten Interessierten aus seinem Buch „Memoiren eines Rockstar-Mörders“, Ex-Ton-Steine-Scherben-Gitarrist Marius del Maestre spielt Rockklassiker aus frühen Zeiten. Die Scheinwerfer der kleinen Bühne blenden die Zuhörerschaft und lassen die Vortragenden nur schemenhaft erkennen.

Eine vegetarische Pizza von Günnes auf dem Faustgelände, frisch und heiß aus dem Ofen nachgelegt, bringt die Lebensgeister zurück.

Konfetti und Durchdrehen

Auf der Musikbühne legen Mono & Nikitaman los und sorgen mit ihrem Reggae & Dancehall für pure Begeisterung. 2012 bereits als Sonntags-Headliner auf dem Fährmannsfest, wird die Band enthusiastisch Willkommen geheißen. „Wir sind wieder zurück in Hannover und das fühlt sich richtig gut an.“ So voll wie zu diesem Zeitpunkt war das Gelände um kurz nach 18.30 Uhr selten zuvor. Arme werden in die Höhe gerissen, Konfetti in der ersten Reihe verstreut. Das hier ist purer Spaß, Party und Groove. Eine Art musikalische Rakete die in den Himmel über Linden und der Calenberger Neustadt steigt. Die Stimmung im Publikum: Kollektives, positives Durchdrehen.

Die Sonne dominiert und das Wetter bleibt auch für den Rest des Abends stabil. Wisecräcker übernehmen von Mono & Nikitaman ein picke-packe volles Gelände und ein bestens gestimmtes Publikum. Ein nahezu perfekter Rahmen für das 20-Jahre-Wisecräcker-Jubiläums-Heimspiel, der unumstößlichen Hannover-Ska-Punk-Größe. Wisecräcker ziehen ihre Register und liefern grundsolide ab. Neben vielen Klassikern der umtriebigen Band gibt es besondere Akzente wie den Europe-Hit „The Final Countdown“ auf Wisecräcker-Ska getrimmt.

Jubiläums-Gig von Wisecräcker mit speziellem Gast

Vor der Bühne feiern und tanzen die Fans. Nicht ganz so laut und ausgelassen wie bei Mono & Nikitaman aber weiterhin vital und gut gelaunt. Auch jüngere Semester sind auszumachen, die sich hier freuen und bei Gründung der Band sicher noch in den Kinderschuhen steckten. Auf dem ganzen Gelände herrscht zum Wisecräcker-Gig allgemeine Mitwipp-und Kopfnick-Atmosphäre. Eine absolut verlässliche Band, die für einen Song Hammerhai-Sänger Sölti als speziellen Gast auf die Bühne bittet. Eine runde Sache.

Während Käptn Blauschimmel und die Süsswassermatroßen auf der Kulturbühne mit ihrem Seemanns-Punk den dortigen Headliner geben, runden Terrorgruppe auf der Musikbühne den zweiten Tag des Fährmannfestes mit derbem, ursprünglichem Punkrock der älteren Schule ab.

Der heutige Sonntag wird von Wetterdiensten als warmer Sommertag angekündigt. Auf dem Fährmannsfest wird kein Eintritt verlangt. Auf der Musikbühne sollen um 15.00 Uhr Phaenotypen mit Reggae und Dancehall eröffnen, auf der Kulturbühne fällt um 16.00 Uhr der Startschuss mit H-Art Times. Das Programm sieht heute Shows von Acts wie Antilopen Gang, Liedfett, Egg Bites Chicken, Noam Bar, Beatbar und Coca Candy vor.

Hollow Skai wird auch heute wieder aus seinem Buch lesen, das Kinderfest auf der Faustwiese ist ebenfalls wieder im Angebot.

Alle weiteren Infos und die geplanten Auftrittszeiten finden sich auf den Webseiten des Fährmannsfests (siehe Links unten).

Einen Abschlussbericht vom Fährmannsfest 2016, dann auch mit einer Fotostrecke, findet ihr in unserer Montagsausgabe von Rockszene.de, die in der Nacht von Sonntag auf Montag ins Netz geht.

INFO-BOX

Links
externer Link www.faehrmannsfest.de
externer Link www.facebook.com/faehrmannsfest

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