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Bodenständig und sympathisch: Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß beim Tourauftaktkonzert am Dienstagabend in der TUI Arena in Hannover.

Erdung und Übertreibung

Silbermond spielten in Hannover in der TUI Arena

11. Mai 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS

Silbermond spielten am gestrigen Dienstagabend in einer locker, aber ordentlich gefüllten TUI Arena in Hannover ihr Auftaktkonzert ihrer „Leichtes Gepäck“-Tour. Im stimmungsvollen Rahmen einer massiv spektakulären Video-und Lichtinszenierung gab die Band ein mehr als zweistündiges Konzert. Melancholisch-intensive, feinfühlig komponierte Pop-Songs ihres neuen Albums wechselten mit Hits und Gassenhauern aus der mehr als zehnjährigen Karriere der immer noch bodenständig und geerdet wirkenden Band aus Bautzen ab.

Es ist ein Abend der Kontraste, vielleicht auch einiger Widersprüche in der TUI Arena in Hannover. Silbermond spielen hier ihr diesjähriges Tourauftaktkonzert, um auch live ihr fünftes Album „Leichtes Gepäck“ vorzustellen.

Vor rund zwölf Jahren trat die Band um Sängerin Stefanie Kloß, Gitarrist Thomas Stolle, Bassist Johannes Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak noch im Vorprogramm von Jeanette Biedermann in der heutigen Swiss Life Hall auf. Mit Hits wie „Durch die Nacht“ und „Symphonie“ aus ihrem Debütalbum wurden Silbermond schnell eine Band, die zunächst selbst größere Clubs und später Hallen füllte. In Hannover waren das vor gut zehn Jahren das Capitol, dann folgte die Swiss Life Hall, inzwischen bewegt man sich in der bis zu 12.000 Besucher fassenden TUI Arena.

Ohne Allüren

Die 12.000 sind bei weitem heute Abend nicht gekommen, aber das dennoch respektabel anwesende Publikum genießt die mehr als zweistündige Show, feiert und unterstützt durch rhythmisches Mitklatschen dort, wo es angebracht erscheint.

Silbermond präsentieren sich immer noch als Band ohne Show-und Starallüren, man tritt überwiegend in Jeans und schwarzem T-Shirt auf, stellt Musik, Melodie und Texte in den Vordergrund. Es geht um große Gefühle, Liebe, Sehnsucht, Trennung und Hoffnung. Das große Gefühlskino, oftmals als tendenziell kitschig und als einfacher Radio-Pop charakterisiert. Letztlich ist das hier heute Abend aber Popmusik, die die Menschen berührt und teilweise mitreißt. Menschen vieler Generationen, Männer wie Frauen, Jungs wie Mädchen.

Volksnah vs. „Wunder der Veranstaltungstechnik“

Silbermond geben sich, wie gewohnt, volksnah: Zu Songs wie „Wann reißt der Himmel auf“ holen sie Fans auf den langgestreckten Catwalk vor der Bühne, zu „Krieger des Lichts“ wird über die Arena verteilt auf Standtoms unterstützt, diverse, zum Teil bewegliche LED-Screens liefern spektakuläre Projektionen, Real-Bild-und Videoeinspieler. Das Ganz aus der Abteilung : „Wunder der Veranstaltungstechnik.“ Bands wie Pink Floyd, Genesis oder Queen hätten vor gut 30, 40 Jahren wohl gern solche Möglichkeiten gehabt.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS
Einerseits in der Schneller-Höher-Weiter-Welt der Arenen- Konzerte eine konsequente Weiterentwicklung für Silbermond, andererseits auch ein, die Band und ihre Musik zum Teil erdrückender Technikaufriss, der hier stellenweise übertrieben wirkt.

Einige Songs aus „Leichtes Gepäck“ setzen Akzente und widersprechen den Leuten, die Silbermond bislang als seichte Radio-Pop-Truppe katalogisiert hatten.

Zum entspannten „Heut hab ich Zeit“ spielt Gitarrist Thomas Stolle gekonnt ein Solo, das vom Ansatz entfernte Erinnerungen an einen David Gilmour wach werden lässt. Silbermond erreichen die Hannoveraner heute über weite Strecken, manchmal stockt aber auch der Motor. Beim stimmungs-und kraftvoll auf die Bühne gebrachten „Indigo“ wirft sich Stefanie Kloß zum Crowdsurfen in die Menge im Innenraum, während der überwiegende Teil der Menschen auf den Tribünen die Performance zu diesem Song fast regungslos sitzend verfolgt. Im Anschluss gibt es netten Applaus, mehr aber auch nicht.

Silbermond-Evergreens wie „Symphonie“ oder „Durch die Nacht“ folgen gen Ende der Show, das Hannoveraner Publikum wirkt zufrieden ob dieses souveränen und stimmungsvollen Pop-Konzerts.

Straßenmusik von Shoshin auf dem Nachhauseweg

Ein musikalischer Höhepunkt lauert aber noch in der Abreise-Situation. Draußen, kurz vor der großen Treppe, die die Besucher von der TUI Arena über die Expo-Plaza bis zur Haltestelle der Stadtbahn führt. Die britische Indie-Wave-Pop-Rock-Band Shoshin spielt einen technisch einfach gehaltenen und rudimentär aufgezogenen Straßenmusik-Gig. Autobatterie für den Strom, kleines Schlagzeug, kleine Gesangsanlage, ein einziger Lichtstrahler, bis die Band später ganz im Dunkeln steht.

Die Ankündigung, dass die Band im Juni auf dem Hurricane-und Southside-Festival spielen wird, nehmen rund 20-30 Menschen, die ihren Nachhauseweg unterbrechen, überrascht zur Kenntnis. Ein prickelnder Gig und ein künstlerisch großartiger und spontan wirkender Abschluss auf dem Nachhauseweg. Damit konnte man nun wirklich nicht rechnen.

Der Artikel wurde aktualisiert - 11.05.2016

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