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Volles Haus: Wingenfelder präsentierten neue und alte Songs, Geschichten und Anekdoten im Capitol.

Humor, Frische und Tiefgang

Wingenfelder zum Tourabschluss im Capitol

12. März 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Miriam Rosin

Rund um das Tourabschlusskonzert von Wingenfelder am Freitagabend im fast voll besetzten Capitol in Hannover dominierten die beinahe schon als Sensation hoch befeuerten Meldungen über die Fury-In-The-Slaughterhouse-Konzerte 2017. Kai und Thorsten Wingenfelder gelten als zentrale Figuren der 2008 aufgelösten Band. Nach der Wingenfelder-Show in Hannover fällt es jedoch schwer, sich beide Musiker nochmals im Zusammenhang mit der altehrenwerten Erfolgsband vorszustellen. Zu packend, frisch, modern, schlüssig und überzeugend war über weite Strecken das 135-minütige Wingenfelder-Konzert im Club am Schwarzen Bären.

Es ist ein fast perfekter Abend für eine Band um zwei mit vielen Wassern und Erfahrungen des Musikgeschäfts und Lebens gewaschenen Brüder, die sich schon mal gern als die Unperfekten darstellen.

Ob nun 1300 oder 1400, ein paar mehr oder weniger Besucher im Capitol, es ist für Wingenfelder schon eine mehr als ansprechende Kulisse zum Abschluss ihrer „Retro“-Tour. „Retro“, das ist der Titel des neuen Albums der Band und „Cowboy“ ist ein Song, der als Single nebst Video-Veröffentlichung herauskam. Ein eingängiger Folk-Song mit mächtigem Groove und Ohrwurmrefrain, einem Typen gewidmet, so Sänger Kai Wingenfelder, den er „Scheiße fand“. Nach 25 Jahren Kompositionen über Menschen die er liebe, nun mal ein Song in die andere Richtung, erklärt Kai sinngemäß.

Gespielt werden Songs die viel Tiefe haben, dann aber dennoch auf „Stimmung“ und „Unterhaltung“ ausgerichtet sind. Es ist dann letztlich doch auch ein Pop-Konzert. Wingenfelder packen überaus gefühlvoll arrangierte Songs aus. wecken Erinnerungen an längst vergangene Zeiten und schüren Party-und Live-Konzertstimmung gleichermaßen.

Kein Wort über die neuesten Fury-Aktivitäten, Wingenfelder sind als Band derzeit augenscheinlich so sicher, vital und kreativ auf dem steinigen Weg des Pop und Rock´n´Roll unterwegs, dass es schwer fällt, sich nochmals ernsthaft über das Thema Fury In The Slaughterhoue mit Kai und Thorsten Wingenfelder, die heutige Stellung oder gar Perspektiven Gedanken zu machen.

“Hannover, Hauptstadt der Teletubbies“

Menschen, Künstlerpersönlichkeiten und Musiker haben sich weiterentwickelt, das sieht und hört man hier heute Abend im Capitol.

Bei hervorragendem Sound spielen Wingenfelder in Sechser-Besetzung rund 135 Minuten, Songs wie „Dinge, die wir nie verstehen“ oder „Winterkind“, Songs mit viel Gefühl oder gar Gänsehaut-Potenzial. Dezent eingestreut und sehr individuell wie treffend arrangiert, sorgen auch Fury-Evergreens wie „Dead And Gone“, „Won´t Forget These Days“ oder „Time To Wonder“ für Stimmungs-Farbtupfer.

Die Brüder wechseln sich im Lead-Gesang ab, haben Geschichten auf Lager, denen man intensiv folgt, und: Die beiden haben augenscheinlich Humor. Als die Band „Dead And Gone“ spielt, sich das Publikum auf das rhythmisch möglichst exakte Rudern der Arme vorn konzentriert, entfährt Kai ein lockerer, Hart-Aber-Herzlich Spruch. „Hannover, die Hauptsadt der Teletubbies“.

Thorsten Wingenfelder berichtet unter anderem von Träumen im Anschluss an nächtlichen TV-Konsum im Tour-Hotel . Er habe nachts “Bachelor“ geschaut, junge, hübsche Kandidatinnen wahrgenommen, als er aber merkte, dass in seinem Traum ein große Limousine mit beschriebenen Damen an ihm vorbeirauschte ohne anzuhalten, stellt er die Frage in den Saal, ob das vielleicht eine Art Midlife-Crisis gewesen sein könnte. Im laufenden Monat wird Thorsten 50, offenbar wieder mal ein Anlass, launig zu reflektieren.

Humorig, aber nicht albern

Es bleibt locker, humorig, wird aber nie albern oder übertrieben- kumpelhaft. Wingenfelder haben augenscheinlich einen Weg gefunden, sich als glaubwürdige Künstlertypen einerseits, aber bodenständige Musiker mit Background, Haltung und etwas, was man früher street-credibility nannte, zu präsentieren und sich beim Publikum in die Herzen zu spielen.

INFO-BOX

Links
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