Bildrechte: Torsten Gadegast

Reichlich opulent: Dream Theater führten ihr aktuelles Konzeptalbum "The Astonishing" für rund 2000 Besucher im Kuppelsaal in Hannover auf.

Pomp-Metal für das Jahr 2285

Dream Theater führten Konzeptalbum im Kuppelsaal auf

05. März 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS

Es war kein gewöhnliches Rock-oder Metal-Konzert, das die US-amerikanische Progressive-Metal-Band Dream Theater am gestrigen Freitag vor rund 2000 Besuchern im altehrwürdigen Kuppelsaal in Hannover spielte. Es war eine Mischung aus Rock-Oper mit Musical-Einschlag und audio-visuellem Fantasy-Spektakel. Dream Theater führten ihr komplettes Konzeptalbum „The Astonishing“ auf. Live waren das knapp 140 Minuten, unterbrochen von einer Pause. Emotional Ergreifendes, professionell wie abgeklärt serviert. Pompös, hochmelodiös, zeitweise nah am Kitsch und manchmal mittendrin.

Am heutigen Freitagabend ist in Sachen Dream Theater und Hannover alles anders als sonst. Als Spielstätte hatte man den frisch renovierten Kuppelsaal ausgewählt, Deutschlands größten Konzertsaal klassischer Ausrichtung. Die US-Progressive-Metaller spielen kein gewöhnliches „Tour-zum-Album-Konzert“ mit ein paar neuen Songs, Klassikern und Hits zur Fan-Bedienung, sondern führen ihr aktuelles Konzeptalbum „The Astonishing“ komplett und in voller Länge auf. Nicht mehr, nicht weniger.

Gut beraten sind diejenigen, die sich im Vorfeld genauer informiert hatten, wie die Band ihr Programm heute gestalten wollte. Es ging ausschließlich um „The Astonishing“, kein Best-Of-Set und keine besonders herausgestellte Präsentation der traditionell vorhandenen virtuosen Fähigkeiten der Musiker. Nein, es gibt noch nicht einmal ein Schlagzeugsolo.
Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS
Die fiktive Geschichte von „The Astonishing“ spielt im Jahr 2285, das Szenario ist düster, die Menschen und die Gesellschaft im Nordosten Amerikas sind mindestens kulturell am Boden. Die Reste, die man entfernt als Unterhaltung oder gar Musik erkennen könnte, sind das, was kugelartige Geräuschmaschinen, die durch die Lüfte fliegen und eigentlich der visuellen Überwachung dienen absondern, wie unter anderem eigenartige Brumm-Geräusche .

Zwei Akte

Es herrscht ein Kaiser namens Nafaryus mit seinem Gefolge. Offenbar kein Sympathieträger. In Ravenskill, einem entfernten Dorf auf einer endlos langgestreckten Insel lebt ein gewisser Gabriel, der die natürliche Begabung besitzt, Musik zu machen und zu singen und letztlich wohl der Retter des Ganzen sein soll. Derjenige, der mit seiner Stimme das menschliche Bewusstsein wieder zum Leben erwecken soll, Menschen mit Musik berühren, und ihnen mit Musik Kraft und Macht verleihen soll.

Das ist die ganz grobe Ausgangssituation im Jahr 2285, der Dream Theater über weite Strecken mit pompöser, hochmelodiöser, zuweilen gar hymnischer Musik begegnen. 34 Stücke, Interludes mitgerechnet, umfasst „The Astonishing“ und die gibt es in zwei Akten. Fast 90 Minuten im ersten Akt bis zur Pause, im Anschluss nochmal fast 50 Minuten im zweiten.

Professionelle Dienstleister für Live-Soundtrack

Die Video-Animationen im Hintergrund beeindrucken zunächst ebenso, wie das trickreich und stimmungsvoll in Szene gesetzte Licht. Im Verlauf des Konzerts, spätestens im zweiten Teil werden die Besucher von den optischen Reizen so gefangen genommen und zeitweise überflutet, dass die Musiker eher wie professionelle Dienstleister wirken, die einen Live-Soundtrack zu den Bildern liefern.

In der Tat wirken Dream Theater heute recht statisch, James LaBrie, John Petrucci, John Myung, Jordan Rudness und Mike Mangini liefern ziemlich abgeklärt wirkend gekonnt und professionell ab. Hier ist alles durchgeplant und getaktet. Es geht an diesem Abend weniger um die Band, um die Personen, es geht um die wuchtige Inszenierung des Albums „The Astonishing“.

Der Kuppelsaal verleiht diesem Rock und Metal-Fantasy-Theater ein eindrucksvolles Ambiente. Es ist das erste Rockkonzert seit der Renovierung. Akustisch alles andere als leicht zu handhaben, geht das hier auch für Rock-Bedingungen insgesamt mehr als in Ordnung. Klangliche Abstriche muss man heute mindestens in oberen Rängen machen. Da wird es ein ums andere Mal mit dem Gesang und der Textverständlichkeit schwierig.

Zuckersüße Melodien

Dream Theater geizen nicht mit Balladen und zuckersüßen Melodien und auch mal groß aufgeblasenen Hymnen, überhaupt wagen sie musikalisch keine Neuerungen oder gar Experimente, sondern bewegen sich in gewohnten Strukturen und Harmonieabläufen.

Ertönt nach Ende des fast 90-minütigen ersten Aktes von „The Astonishing“ gegen kurz vor 21.30 Uhr sehr lauter Applaus und Jubel, ist es exakt eine Stunde später bei Song Nummer 32 -„Our New World“ -soweit: Viele Besucher erheben sich nun von den Plätzen, die Spannung löst sich, die Arme werden geschwungen und es wird auch ein wenig getanzt. Sänger James LaBrie hatte das zuvor mit einer Geste am Bühnenrand freigegeben.

Zwei Songs und gut zehn Minuten später ist Schluss, Verbeugung, Applaus, Abspann.

Die Besucher hier im Kuppelsaal sind wahrscheinlich auch mental recht schnell zurück im Jahr 2016 und draußen, vor den Türen, ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen und im Alltag: Die örtlichen öffentlichen Verkehrsbetriebe bieten lediglich Stadtbahn-Einzelwagen für die Rückfahrt vom Kuppelsaal an: „Linie 11, Haltenhoffstraße“ – man quetscht sich hier sehr eng zusammen.

Dieser fast letzte Teil des Abends erinnert dann doch noch an das Drumherum von Rock-und Metal-Konzerten, wie sie sonst sind.

INFO-BOX

Links
externer Link www.dreamtheater.net
externer Link www.dreamtheater.net/theastonishing
externer Link www.hannover-concerts.de

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