Bildrechte: Daniel Junker

Bluesig, rockig, psychedelisch: Brant Bjork & The Low Desert Punk Band schickten gut 300 Besucher im MusikZentrum auf eine musikalische Reise.

Wie auf einer Insel

Brant Bjork & The Low Desert Punk Band spielten im MZ

28. Juli 2015, Von: Andreas Haug, Foto(s): Daniel Junker

Einmal alles auf retro, einmal die Zeitmaschine rund 45 Jahre in die Vergangenheit schicken, in die Zeit, als schwere, psychedelische Rockmusik en vogue war. Kräftig, rollend, schleppend, packend und entrückend. Am gestrigen Montagabend spielten Brant Bjork & The Low Desert Punk Band vor gut 300 Besuchern im MusikZentrum in Hannover ein Konzert, das eigentlich gar keines war. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Was auf der Bühne und in der Halle vor sich ging, war vielmehr ein Trip. 80 Minuten lang. Oder kurz, wie man es will.

Brant Bjork, der ehemalige Schlagzeuger der Band Kyuss hat seine drei musikalischen Mitstreiter der Low Desert Punk Band um sich geschart, um hier im MusikZentrum ein dickes Brett zu bohren. Zunächst langsam, bedächtig, aber nachdrücklich.

Man wähnt sich hier irgendwann in einer Zeit zwischen 1968 und 1971, es geht um Rock, psychedlischen, schwer groovenden Rock, Eckig, kantig, kratzend und beißend..Überwiegend laid-back gespielt, teilweise bewusst etwas lässig-schlampig, Das ist handgemacht, das ist nicht durch und durch konzeptioniert, sondern macht den Eindruck, als wenn sich Brant Bjork, der im MusikZentrum zur Gitarre greift und hier und da auch singt, mit seiner Band einer Jam-Session hingibt, die einer Reise gleicht, deren Ziel ungewiss ist. Einer Reise von der man aber glaubt zu wissen, dass man wohlbehalten wieder zurückkehrt

Nebulös anmutender Zustand der Entspannung

Zunächst ist da aber dieser bluesig-schmutzige, sehr dicke und staubtrockene Sound, der in den Tiefen von Bass und Schlagzeug den einen oder anderen Zuhörer an die Wand zu drücken scheint. Da sind sparsame, aber intensive Gitarrensoli und Riffs, die die größtenteils sehr begeisterten Anwesenden in einen nebulös anmutenden Zustand der Entspannung zu schicken scheinen, um sie nach einer gewissen Zeit wieder zu kneifen und wachzurütteln.
Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Daniel Junker
Brant Bjork ist als Frontmann optisch der Hippie: Stirnband, lange Zotteln, Vollbart. Die Band dreht sich zunächst mit dem Rücken zum Publikum, man stimmt und checkt die Sounds und gleitet dann fast zufällig in einen schweren Groove. Es wummert, es dröhnt, ähnlich, wie das ganz früher bei Auftritten von Rockbands war, als auch der Schlagzeuger noch kein Podest oder eine extra Lightshow benötigte.

Volkstümlich ausgedrückt kann man das hier als uralt-intensive Rockmusik empfinden, zu denen früher die Joints kreisten oder Pillen geschmissen wurden. Das hier ist in seiner Machart alles sehr alt, zuweilen auch klischeebeladen. Riffs, Songstrukturen und Sounds wie diese, hat man in ähnlicher Form schon vor Jahrzehnten von unzähligen Bands in dieser Form gehört. So gesehen, ist die musikalische Darbietung wenig originell und in den schwächeren Momenten phasenweise langatmig.

Gut gemacht ist sie dennoch. Brant Bjork & The Low Desert Punk Band pirschen sich sachte an das hannoversche Publikum heran und ehe man es sich versieht, weben einen die Musiker in eine Art Psychedelic-Rock-Kokon ein. Ähnlich, wie eine Spinne, die ihre Beute in einem kaum erkennbaren Netz hat und zum Verzehr zu einem späteren Zeitpunkt vorbereitet.

Stimulanz und Euphorie

Während sich die Musiker über rund 80 Minuten tiefenentspannt durch ihr Set grooven und jammen, wirkt der Großteil der rund 300 Besucher sehr zufrieden. Manche scheint die Musik so zu berühren, dass sie –der Körpersprache nach – in einen Zustand der Stimulanz und Euphorie geraten. Der Applaus und der Jubel sind in Songpausen sehr deutlich vernehmbar. Im MusikZentrum ist heute Abend anscheinend ein Rockpublikum vor der Bühne, das mit den vielen anderen Konzertveranstaltungen in Hannover in diesen Tagen und Wochen kaum bis wenig anzufangen weiß.

Wer veranstaltet auch schon mitten im Hochsommer, dazu noch an einem Montag in Hannover ein Psychedelic-/Desert-Rock-Konzert mit einem Frontmann aus der Kategorie Kyuss in einem Club? Klare Antwort: Niemand sonst, außer den im MusikZentrum anwesenden Organisatoren rund um die hannoversche Agentur Living Concerts.

Für den Bauch und die Phantasie

Damit wird die sehr gut gefüllte Halle heute Abend zu einer Art musikalischen und musikkulturellen Insel. Ein unschuldiger, friedlicher Ort, wo alles ein wenig anders und nicht perfekt getaktet oder gar inszeniert ist. Nicht so, wie bei den meisten Gigs anderer, die dann Show s heißen.

Es geht zurück zu den Ursprüngen und das Publikum lässt sich augenscheinlich gern entführen und entrücken. Led Zeppelin, Black Sabbath, Grateful Dead, Jimi Hendrix und andere hatten vor mehr als 45 Jahren stilistisch tendenziell in ähnlicher Richtung vorgelegt.

Brant Bjork vermittelt sich in Hannover als musikstilistischer Denkmalpfleger der mit seinem Gesamtauftritt sowohl ältere als auch viele jüngere Besucher in seinen Bann zieht. Weniger was für den Kopf, eher für den Bauch und die Phantasie.

INFO-BOX

Links
externer Link www.brantbjork.com
externer Link www.livingconcerts.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): rock-am-ring.de/mlk.com

Rock am Ring 2017 zurück zum Nürburgring

Für Mendig gekaufte Karten bleiben gültig

06.12.2016, Von: Redaktion, Foto(s): rock-am-ring.de/mlk.com

 


, Foto(s): Robert Smith

Erfolgskonzept

The Neal Morse Band spielt vier Shows in Deutschland

02.12.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Robert Smith

 


, Foto(s): Vera Lüdeck

Kontakte und konstruktive Kritik

Eindrücke von der Bandfactory 2016

22.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Vera Lüdeck

 


, Foto(s): Jeff Kahra

Rock lebt!

Wolfmother mit Härte und Gefühl in Hannover

19.11.2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

 


, Foto(s): Stefan Knaak

Ein ereignisreiches Jahr

The Noisy Blacks mit „Waiting For The End" Live-Video

19.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Stefan Knaak

 




Zur Startseite