Bildrechte: Tobias Lehmann

Die Fête bot Bühnen und Spielorte für Musikerinnen und Musiker fast aller Generation. Am Steintor trat unter anderem die junge Band Massentrend auf.

Ein Symbol von Gemeinschaft

Tausende bei der Fête de la Musique in Hannover

22. Juni 2015, Von: Tobias Lehmann, Foto(s): Tobias Lehmann

39 Spielorte, mehr als 3000 Musiker. Die Zahlen sind beeindruckend. Doch was die Fête de la Musique wie jedes Jahr erneut so großartig machte, waren Tausende von Besuchern, die in der Innenstadt von Hannover ein Zeichen von brüllendem Leben setzten. Hannover war für mehrere Stunden ein Hort gewaltiger Energie, die in friedlichen Tanz kanalisiert wurde, und zeigte ein tolles Symbol von Gemeinschaft.

Das hätte sich der gute Friedrich Schiller vor gut 200 Jahren auch nicht träumen lassen. Über seinem Denkmal in der Innenstadt hängt eine Art Schärpe, die mit Vinylplatten besetzt ist. Denn heute geht es nicht um das große Drama, sondern um eine Welt voller Musik. Tausende schlendern zur Fête de la Musique durch die Stadt und lassen sich dabei von den Klängen tragen. Die meisten Geschäfte haben dieses Jahr allerdings geschlossen, was den pulsierenden Vibe der Veranstaltung ein wenig dämpft. Aber das riesige Straßenfest funktioniert auch so immer noch hervorragend.
Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Tobias Lehmann
Da gibt es zum Beispiel am Hauptbahnhof Chorgesang. Dort wird unter den Augen der Ernst-August-Statue unter anderem „The Unknown Stuntman“ von Lee Majors angestimmt. Auch in der eher beschaulichen Atmosphäre der Galerie Luise sorgen verschiedene Chöre für das musikalische Flair. Hymnisch gerockt wird unter anderem am Kröpcke mit der Band Lichtjahr. Auf der Goseriede herrscht hingegen entrückte Stimmung beim Cirque Électrique, der Elektro-Fête „innerhalb der Fête“. Bunt gekleidete und fröhliche Menschen vermitteln den Eindruck einer friedlichen Welt. Denn: Es gibt kaum etwas, das einen harmloseren Eindruck vermittelt, als verzückte Tänzer.

Was das Konzept der Fête de la Musique so großartig macht, ist auch, dass in diesem Sinne keine Stars auftreten. Es gibt keinen Headliner, der in der Abendstunde alle Besucher an einen Ort versammelt. Die Veranstaltung ist eher ein Ort zahlreicher musikalischer Begegnungen, unter anderem aus den Bereichen Pop, Rock, Elektro, Jazz und Klassik. Die Besucher lassen sich treiben, bleiben hier und da mal stehen und ziehen dann weiter. Gleichberechtigte Musik auf zahlreichen Bühnen. Dazu sind auch zahlreiche Straßenmusiker vor Ort, die nicht zum offiziellen Teil der Veranstaltung gehören, aber auch zur Vielfalt beitragen. Sogar ein kleiner Chor stellt sich einfach mal auf und trägt ein paar Lieder bei.

Am Ende geht man mit einem glücklichen und friedlichen Eindruck nach Hause, der auch nach Innen hallt. Im besten Fall wird er sogar mehrere Tage halten und den Alltag entspannter genießen lassen. Das hätte möglicherweise sogar dem großen Dramatiker Schiller gefallen.

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