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Bildrechte: Lars Peters

Ein Klassiker und gleichzeitig ein großer Name in der deutschen Heavy-Metal-Szene: Accept traten in einem ansehnlich gefüllten Capitol in Hannover auf.

Ein aufrechter Gruß aus Solingen

Die Heavy-Metal-Band Accept war zu Gast im Capitol

18. Mai 2015, Von: Andreas Haug, Foto(s): Lars Peters

Im Volksmund wird „ein Gruß aus Solingen“ häufig mit einer Messerattacke gleichgesetzt. Im Fall der 1971 in der Stadt im Bergischen Land gegründeten Heavy-Metal-Band Accept war der Gruß am gestrigen Sonntagabend im ansehnlich gefüllten Capitol in Hannover rein musikalischer Natur. Das Quintett bot eine Show zwischen Tradition und Moderne, wenig Pathos, keine durchgestylten Rockstar-Posen, sondern vielmehr Heavy-Metal aus der Abteilung „Aufrichtig und Ehrlich“.

Im Vorfeld konnte man diesem Konzert durchaus mit einer gewissen Skepsis begegnen. Was wird diese in den Achtzigern neben den Scorpions in Deutschland und international hochgeachtete Band nach überdurchschnittlich vielen Besetzungswechseln, mehrmaligen Auflösungen und Wiedervereinigungen auf der Bühne in Hannover reißen können?

Würde es aufgrund dieses Umstandes ein kurzes Live-Intermezzo geben? Immerhin waren zwei Vorgruppen aufgeboten und da hätte man damit rechnen können, dass Accept, ähnlich wie jüngere Kollegen aus Hard-und Metalcore, möglicherweise nur eine gute Stunde als Headliner auf der Bühne stehen würden.

Doch dem ist nicht so. Accept präsentieren sich anno 2015 als eine Band, die traditionellen Heavy Metal der späten Siebziger und Achtziger aufgefrischt und mit Schmackes ihrem zufrieden bis begeisternd wirkendem Publikum bei knackigem und transparentem Sound serviert und das mehr als 100 Minuten lang. Beeindruckend ist für Club-Verhältnisse der Bühnenaufbau und die Lichtshow, die das Flair einer größeren Hallenproduktion geschmackvoll und durchdacht in das Capitol bringen.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (4 Bilder) -Foto(s): Lars Peters
Einige artverwandte Bands, deren Historie vor mehr als 30, 40 Jahren begann knöpfen in Sachen Performance ihre mittlerweile teils viel zu eng geratenen Hosen weit auf und mimen die großen Rockstars. Accept dagegen liefern, von wenigen, kurzen Anmoderationen abgesehen, einfach eine gekonnte Metal-Show ab, musikalisch abwechslungsreich, gut gemischt zwischen rauer Härte, Tempo und sehr vielen eingängigen, hochmeldodischen Parts. Kompositorisch sind Accept in ihrer Stilrichtung ziemlich ausgefuchst unterwegs, einige Refrains und Solo-Teile kommen gar hymnenhaft daher, bevor man dann wieder richtig losbrettert.

Der gut aufgelegte Lead-Gitarrist Wolf Hoffmann, neben Bassist Peter Baltes seit 1976 aktuell dienstältestes Mitglied der Band, entlockt seiner Flying-V-Gitarre viele schicke Soli und auch die neuen Mitstreiter, Uwe Lulis an der Gitarre und Schlagzeuger Christopher Williams, musizieren locker und getaktet wie ein gut eingestelltes Uhrwerk.

Anti-Typ eines Metal-Poser-Rockstar-Frontmannes

Sänger Mark Tornillo ist so etwas wie der Anti-Typ eines Metal-Poser-Rockstar-Frontmannes. Er drückt und presst seine Töne kehlig ins Mikro, was zunächst weniger locker denn eher nach großer Anstrengung aussieht, mit fortschreitender Dauer des ausführlichen Sets, das gen Ende ein wenig Längen hat, singt sich Tornillo mehr und mehr frei. Überhaupt ist der Mann am Mikro so etwas wie eine bodenständige Type. Mit seiner Kappe, seinem weißen Bart und der oberarmfreien-Weste wirkt er eher wie ein Trucker, der an diesem Tag seinen tonnenschweren LKW einige Hundert Meilen durch die USA oder Australien gesteuert hat, sich nach einer Fahrt bei brütender Hitze in einer rustikalen Raststätte ein ordentliches Essen nebst Getränken verabreicht hat um dann nach kurzer Ruhepause am Abend eine Bühne zu betreten um sich schließlich mit Gleichgesinnten den Staub und die Anstrengungen des Tages aus der Seele und den Poren zu shouten.

Im Publikum sieht man viele mit in Ehren heruntergekommenen Metal-Kutten und Band-T-Shirts aus dem weiten Umfeld von Rock und Metal: Unter anderem Motörhead, Anthrax, Wacken, Judas Priest und natürlich auch Accept. Nicht nur Klassiker werden gefeiert, auch Songs aus dem aktuellen Album „Blind Rage“ wie unter anderem „Dying Breed“ oder „Dark Side Of My Heart“ werden vom Publikum gefeiert.

Accept um ihre körperlich fit und ausgeschlafen wirkenden Musiker hat sich heute im Capitol in Hannover aufrecht und sympathisch gegeben und mehr als nur eine ordentliche Leistung geboten. Älter und reifer muss nicht alt und angestaubt heißen.

INFO-BOX

Links
externer Link www.acceptworldwide.com
externer Link www.hannover-concerts.de

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