Bildrechte: Miriam Rosin

Exzellente Musik ohne Entertainment: Lloyd Cole spielte ein seltenes Konzert in Hannover im Pavillon.

Sonnenstrahl im ruhigen Herbst

Lloyd Cole spielte rare Solo-Show im Pavillon Hannover

10. November 2014, Von: Andreas Haug, Foto(s): Miriam Rosin

Lloyd Cole, Pop-Folk-Sänger von Weltformat, macht sich in den letzten Jahren vergleichsweise rar in Deutschland. Am gestrigen Sonntagabend spielte der Brite, der einst in den Achtzigern mit seiner Band The Commotions größere Erfolge feierte, eine bemerkenswerte Solo-Akustik-Show im hannoverschen Pavillon. Obwohl eher ein Geheimtipp unter Kennern und Liebhabern, war das Publikumsinteresse an dem Konzert so groß, dass die Veranstaltung kurzfristig in den großen Saal des frisch renovierten Hauses hochverlegt wurde.

Mit Singer-/Songwriter-Acts kann man, übertrieben und fast boshaftig ausgedrückt, in den letzten Jahren die Straße pflastern. Irgendwo findet sich immer irgendein junger, älterer Musiker oder eine ebensolche Musikerin, die mit einer Gitarre, mehr oder weniger berührende oder unterhaltsame Lieder vorträgt. Entweder verschwindet ein solcher Künstler in der Versenkung oder wird im Radio rauf und runtergespielt und feiert große Erfolge. Meist im Pop, nicht selten mit deutschen Texten.

Lloyd Cole, gebürtiger Brite, Jahrgang 1961, zählt zu den Sängern, Gitarristen und Songschreibern, die Musik abseits der Trends spielen, hier und da ein Stück weit anspruchsvoller, filigraner und auch mal kantiger daherkommen als die große Masse. Hier geht es nicht um folkigen Pop von der Stange, sondern um eher dezent angestimmte, einerseits komplexe, aber letztlich doch angenehm eingängige Songs.

Mehr Publikum, besserer Klang – Konzert kurzfristig hochverlegt

Eigentlich war das Solo-Konzert von Lloyd Cole im Pavillon im Kleinen Saal geplant, dieser wäre aber bereits im Vorverkauf ausverkauft gewesen und so entschieden sich die Veranstalter das Konzert in den großen Saal hochzuverlegen, so dass auch noch kurzentschlossene Konzertgänger eine Chance hatten, an der Abendkasse ein Ticket zu ergattern, außerdem wollte man Künstler und Publikum, die wesentlich umfangreichere technische Ausstattung und den damit verbundenen hochwertigen Klang des Großen Saals im komplett renovierten Kulturzentrum in der Oststadt bieten, wie ein Mitarbeiter des Pavillons vor Konzertbeginn erklärt.

Eine gute Idee, wie sich herausstellt. Die Aufenthalts-und Konzertqualität am heutigen Sonntagabend ist exzellent, ein Künstler der Spitzenklasse, wie sie in diesem Genre äußerst selten, wenn überhaupt, in Hannover auftreten, sorgen für ein schönes, entspanntes Live-Erlebnis. Zwei Stunden, unterbrochen von einer 15-minütigen Pause, spielt Lloyd Cole Songs aus seinem breitgefächerten Repertoire. Songs wie „Music Is A Foreign Language“ oder „Late Night, Early Town“ sind genauso dabei wie “Period Piece” von seinem aktuellen Album “Standards”.

Wenige Worte, trockener Humor

Seine Songs sind zuweilen in bester Storyteller-Manier gehalten, in Sachen Ansagen auf der Bühne gibt sich Lloyd Cole dagegen vornehm zurückhaltend. Nach jedem Song nimmt er einen Schluck Wasser und bedankt sich mit einem knappen „Thank You“. Kein Lächeln huscht ihm über das Gesicht, dennoch gewinnt man hier in Hannover den Eindruck, dass Cole gut drauf ist, ihm ein klein wenig der Schalk im Nacken sitzt.

Wenn er sich, und wenn es beim Stimmen seiner Gitarre ist, dem sehr diszipliniert und konzentriert lauschendem Publikum widmet, dann sind es eher kurze, knappe und sehr trockene Einwürfe mit speziellem Humor. Sein ältester Sohn lebe im New Yorker Stadtteil Brooklyn und er wolle Rockstar werden, das sei „terrific“, was übersetzt sowohl „grandios“ oder „wunderbar“ als auch „fürchterlich“ oder „unheimlich“ heißen kann. Der Jüngere sei ein guter Junge, sagt Cole. Er wäre jetzt der Opener hier im Pavillon, erklärt er zu Beginn der Show, dann mache er eine kurze Pause und danach sei er der Headliner. (Selbst-)Ironisch, zweideutig, mehrdeutig: der Musiker oben auf der großen Bühne des Pavillons erntet so manchen Schmunzler und leises Lachen.

Ansonsten gibt es kein wirkliches Entertainment. Das Publikum sitzt und hört zu, der Musiker spielt und singt. So unspektakulär sich dieser Satz lesen mag, so gefühlvoll und auch intensiv sind die zumeist großartig intonierten Songs zu beinahe virtuosem Gitarrenspiel. Ob Lloyd Cole seine Akustik-Gitarren zupft oder feinfühlig rhythmisch anschlägt und seine Lieder mit teilweise kaum erahnten Akkordwechseln vorträgt.

Die Musik versprüht eine Atmosphäre zwischen feiner Melancholie, vordergründiger Leichtigkeit und vorsichtiger Fröhlichkeit. Der Künstler erklärt, dass schon einmal der Name Simon & Garfunkel im Zusammenhang mit seiner Musik gefallen sei. Ob die Assoziation berechtigt oder an den Haaren herbeigezogen ist, liegt im Ohr des Hörers.

Lloyd Cole heute Abend in Hannover zuzuhören, sich auf seine Songs einzulassen, kommt einem satten Sonnenstrahl in einem ruhigen Herbst gleich, wie er seit Wochen hier in der Stadt herrscht. Milde Temperaturen und wenig Wind. Das fühlt sich gut an.

INFO-BOX

Links
externer Link www.lloydcole.com
externer Link www.facebook.com/Lloyd.Cole.1961
externer Link www.fkpscorpio.com
externer Link www.pavillon-hannover.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Lisa EimermacherEuphorie und Gänsehaut
Leoniden feiern im ausverkauften MusikZentrum

08.12.2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

 


, Foto(s): Phoebe Rebecca FoxAlles zerlegen
Die aufstrebende Band SWMRS und ihre Pläne

06.12.2018, Von: Lisa Eimermacher/Redaktion, Foto(s): Phoebe Rebecca Fox

 


, Foto(s): Gain/Sony Music PressefreigabeIm Namen des apokalyptischen DJs
Smash Into Pieces spielen morgen im Mephisto

05.12.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Gain/Sony Music Pressefreigabe

 


, Foto(s): Lisa Eimermacher“Für den Moment”
Clueso spielt im ausverkauften Capitol

30.11.2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

 


, Foto(s): Pressefreigabe/Hannover ConcertsHannover und sein Lieblingssänger
Phil Collins 2019 mit zwölfter Show im Stadion

28.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Pressefreigabe/Hannover Concerts

 




Zur Startseite