Bildrechte: Travis Shinn

Morrissey überzeugte vergangenen Abend auf ganzer Linie im Capitol in Hannover.

„We are here – alive!“

Morrissey überzeugt im ausverkauften Capitol

06. November 2014, Von: Hanna Rühaak, Foto(s): Travis Shinn

Morrissey-Fans in Hannover konnten vergangenen Abend aufatmen: Am Wochenende musste der Brite zwei Shows absagen, da einige Crew-Mitglieder an der Grippe erkrankten. Das Konzert in Hannover sollte dennoch stattfinden, aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen. Morrissey hielt allerdings Wort und beglückte ein ausverkauftes Capitol unter anderem mit Songs seines neues Albums „World Peace Is None Of Your Business“.

Morrissey machte es seinen Fans im Vorfeld nicht unbedingt leicht: Vergangenen Sommer sagte er seine US-Tour ab, vor Kurzem gab er bekannt, an Krebs erkrankt zu sein und vergangenes Wochenende musste er zwei Shows seiner aktuellen Europatour absagen. Auch Hannover musste um die Show bangen, doch diese fand dann wie geplant statt – und Morrissey begeisterte ein ausverkauftes Capitol.

Bereits weit vor 20.00 Uhr stand eine Schlange weit über die Brücke am Capitol am Schwarzen Bären in Hannover an, um Einlass zur Morrissey-Show gewährt zu bekommen. Das Publikum am heutigen Abend ist sehr gemischt, allerdings zeigt sich die ältere Generation zum größten Teil weit weniger entspannt, als die jüngeren Besucher: Sie beharren stur auf ihren ergatterten Platz, weichen nicht einmal einen Zentimeter, um andere aus dem Publikum aus dem Pulk heraus und schon gar nicht rein zu lassen.

Gute gelaunt trotz Grippe

Würde man es nicht besser wissen, könnte man sich auf einem Justin Bieber-Konzert befinden – obwohl es selbstverständlich vermessen ist, Morrissey auch nur ansatzweise mit dem Teenie-Star zu vergleichen. Trotzdem zeigt sich das Publikum zwar weit weniger hysterisch, dafür aber ebenso intolerant und stur in der Absicht, ihrem Idol so nah wie möglich zu sein. Und das zeigen nicht nur die Präsente, die dem 55-Jährigen aus dem Publikum entgegen gestreckt werden.

Anstelle eines Supports hat sich der Brite – der als Frontmann der legendären Band The Smiths bekannt wurde – etwas außergewöhnliches einfallen lassen: Statt einer Band wurden Ausschnitte von Performances und Filmen gezeigt, die dem Künstler etwas bedeuten und ihn in seiner Karriere beeinflusst haben. Als schließlich eine schreiende Frau auf die große Leinwand projiziert wird, fällt unter großen Applaus der Vorhang.

Nachdem Morrissey sich mit seinen fünf Bandmitgliedern voreinander verbeugt, tut er selbiges auch vor seinem Publikum und legt gleich mit dem Opener los. Mit einem „Guten Abend“ begrüßt er seine Fans nach dem ersten Song, um gleich in den zweiten Titel des Abends überzugehen.

Auch von der Grippe gebeutelt - und zwischen den Songs hustend und niesend - zeigt sich Morrissey am heutigen Abend als großartiger Live-Künstler und sehr starker Sänger, trifft jeden Ton und weiß auch in Höhen zu überzeugen. Lediglich ein Lächeln scheint er sich nur schwer abzuringen – dennoch wirkt der Brite gut gelaunt.

The black plague

„It´s true, we all had the black plague, but we are here – alive!“, spielt er auf die vorherigen Shows an, die er krankheitsbedingt absagen musste. Doch Morrissey ist heute Abend in Hannover – und das zum ersten Mal.

Obwohl sich Morrissey normalerweise zurück hält, was den direkten Kontakt mit Menschen angeht, zeigt er sich heute von einer ganz anderen Seite: Ein Crowdsurfer bekommt sogar einen Händedruck, und dem Jubel nach zu urteilen, wäre jeder einzelne im Publikum gerne an seiner Stelle gewesen.

Generell zeigt sich Morrissey Publikumsnah: Er lässt eine Frau ins Mikro sprechen, die ihm nicht nur eine Liebeserklärung im Namen all seiner Fans macht, sondern ihm auch noch Genesungswünsche ausspricht – wohl nicht nur für die kursierende Grippe, sondern auch für seine kürzlich bekanntgegebene Krebserkrankung. „Why does it always ends with „get well soon“? But thank you!“ kommentiert Morrissey seinen Fan.

Zum krönenden Abschluss muss Morrissey natürlich nicht nur für eine Zugabe zurück auf die Bühne, sondern reißt sich auch gleich sein verschwitztes Hemd vom Leib, das er ins Publikum wirft.

Das Touren sei in ihm verwurzelt, sagte Morrissey, als er bekannt gab, dass er an Krebs erkrankt sei. Und genau das macht er hoffentlich ebenso hervorragend weiter wie am heutigen Abend im Capitol in Hannover.

INFO-BOX

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