Gehört und Gesehen

26.04.2012Hertzschlag Hertzschlag
Hart aber hertzlich
Eigenproduktion (2012, CD)

Neue und bereits vertraute Songs der Burgdorfer Band Hertzschlag sind hier auf diesem sechs Tracks umfassenden Mini-Album vereint. Sechs Tracks aber fünf Songs. Wie das? Einfache Antwort: Der Sado-Maso-Fantasien und -Praktiken thematisierende Song „Lust“ wird gleich in zwei Versionen angeboten. Die Version 2, die „Hart aber hertzlich“ abrundet, ist mit dem Zusatz „ab 18“ gekennzeichnet. Huch, was kommt denn da auf den Hörer zu? Ebenso einfache Antwort: Ohrenscheinlich lustvolles weibliches Stöhnen und zeitweise gepresste Seufzer wie „ist das geil“.

Hertzschlag scheint wohl nicht die geeignete Band zu sein, die sich für einen Auftritt auf einem Kindergeburtstag empfehlen möchte. Der Song „Lust“ ist aber auch der einzige, der ein wenig frühere Tabu-Zonen auslotet. Ansonsten musizieren sich Hertzschlag sehr gekonnt durch ihr Material, mischen Neue Deutsche Härte mit Metal, Rock und Crossover. Das Ergebnis klingt durchaus eigenständig und abwechslungsreich. Schwere Grooves, doppelt-bis dreifach bretthartes Gitarrenriffing, dezente und geschickt eingestreutes Keyboardspiel-und Elektronik-Effekte prägen den Sound der Band.

In die Eigenproduktion hat die Band um Sänger Daniel Riedel, Schlagzeuger Stephan Lange, Gitarrist Markus Bucholz-Kramer, Bassist Egbert Rosner und Keyboarder Tino Töppler hörbar viel Mühe investiert. Bei drei Songs kam sogar der 21-köpfige Chor „Mixed Voices“ zum Einsatz.

„Mal eben eine Platte gemacht“, haben Hertzschlag also nicht. Das gesamte Konzept ,von der Audio-Produktion über das Artwork bis zu den Präsentationsunterlagen ist gut durchdacht, schlüssig und stimmig.

Die Spieldauer der einzelnen Songs variiert von etwas über drei Minuten bis deutlich über sechs Minuten. Weniger ist oft mehr, lautet eine alte Binsenweisheit, die man auch Hertzschlag nochmal ins Gedächtnis rufen möchte.

Der mit 3:08 Minuten kürzeste Song „Farbenlehre“ erschließt sich dem Rezensenten als der kompakteste Track der Platte und auch als der beste. Bei den anderen Songs besteht doch latent die Gefahr, dass das Ganze nach etwas mehr als zwei, drei Minuten etwas zäh und langatmig wird. Live mögen fünf-oder sechsminütige Songs gut gehen, auf dieser CD wird’s schonmal schwierig, aber das mag Geschmackssache sein.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.band-hertzschlag.de
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum