Menschen und Hintergründe

28.03.2009

In feuchten Bunker an „Discohits“ feilen...
Die Hannover-Newcomer Fibre im Gespräch
von Jan Hagerodt

- "Scheifle, schon wieder ¥ne Baustelle!" entfährt es mir zum wiederholten Male und tatsächlich ist die Strecke in den hannoverschen Stadtteil Misburg eigentlich eine reine Ansammlung von Verkehrshindernissen. 30-Zonen, rote Ampeln und eben die besagten Baustellen. Aber was führt mich eigentlich in diese Gegend? Nun, die Newcomer von Fibre haben mich zum Interview in ihren Proberaum, im Bunker in Misburg eingeladen und mich konnte auch die Warnung "Dort riecht es aber komisch" nicht davon abhalten der Einladung zu folgen. Dort angekommen ist es eigentlich gar nicht so unschön.

Ein Sonnenstrahl blitzt durch den kalten Märzhimmel und die Jungs stehen Gott sei Dank auch schon direkt vor dem Gebäude, so dass ich nur einmal vorbei fahre. Kurze Vorstellungsrunde und dann geht es auch schon in die Katakomben. Pascal (Gesang), Stefan (Gitarre), RenÈ (Bass) und Schlagzeuger Chris haben in der Tat nicht zuviel versprochen. Es riecht nach einer Mischung aus "Essen ist fertig" und altem Furz und erinnert mich ein bisschen an den Geruch in der Küche meiner Grofleltern. Es gibt aber immerhin ein Sofa und die Jungs haben extra Kaffee gekocht. Nachdem sich die Nasenflügel etwas beruhigt haben, kann es losgehen.

Rockszene.de:
Hey Jungs! Schön, dass wir uns heute hier treffen konnten. Was macht die Kunst?

Stefan:
Ja, alles gut soweit. Wir haben grade Semesterferien und sind fleiflig am Proben. Das macht natürlich mehr Spafl als zu studieren.

Rockszene.de:
Seid Ihr denn alles Studenten? Macht niemand eine Ausbildung oder geht malochen?

Stefan:
Nee, wir studieren alle. Pascal Soziologie in Göttingen, RenÈ Geographie in Kiel, ich so eine Art von Biotechnologie in HannoverÖ

Chris:
Öund ich Geschichte und Französisch auf Lehramt, letzteres allerdings nur sehr halbherzig.

Rockszene.de:
Dann habt Ihr wahrscheinlich viel Zeit für Musik.

Chris:
Dafür aber auch kein Geld für Equipment. Das ist ein Problem. Da wäre es besser, wenn man schon arbeiten würde.

Rockszene.de:
Euch gibt es jetzt knapp zwei Jahre. Was waren seit der Bandgründung Eure gröflten Erfolge, Eure schönsten Erinnerungen?

Pascal:
Das waren auf jeden Fall die Konzerte die wir bisher gespielt haben. Es gibt uns zwar offiziell schon seit 2007, wir hatten aber gleich zu Beginn eine längere Pause in unserer Entwicklung, also zählt das Ganze eigentlich erst ab 2008. Anfangs hatten wir noch Cover Songs, zum Beispiel von Incubus oder den Foo Fighters im Programm, mittlerweile haben wir ein eigenes Set mit mehr als 14 Songs. Es ist cool, wie wir uns als Band weiterentwickeln und unseren eigenen Stil finden.

Rockszene.de:
Lass mich da gleich mal einhaken. Eure Musik klingt sehr britisch und auch sehr zeitgemäfl wie ich finde. Böse Zungen könnten das natürlich umdrehen und Euch vorwerfen keine eigenen Facetten zu zeigen. Was entgegnet Ihr solchen Kritikern? Wie wichtig ist Euch ein eigenständiger Sound?

Pascal:
Das ist natürlich die ganz grundlegende Frage was man mit seiner Musik machen will. Mir geht es darum Gefühl zu transportieren und die Fans zu erreichen. Wir schreiben Musik, damit auch andere daran Spafl haben und nicht nur wir als Musiker.

RenÈ:
Natürlich bauen wir aber auch Teile in Songs ein, die uns fordern und komplexer sind, auch damit einem die Songs langfristig Spafl machen, ganz klar.

Chris:
Wenn Du sagst dass wir uns zeitgemäfl anhören, sehe ich das eher als Kompliment, ist doch besser als all die Bands die auf einmal nach 70s Rock klingen.

Rockszene.de:
Da hast Du vielleicht Recht. Nun sprecht Ihr auf Eurer Myspace Seite aber doch schon ziemlich provokant davon, dass Eurer Hauptaugenmerk darauf liegt "Discohits" zu schreiben. Das klingt nun wirklich danach, als würdet Ihr den künstlerischen Teil Eurer Musik vernachlässigenÖ

Stefan:
Öich denke man kann künstlerischen Anspruch und eine gewisse Eingängigkeit auch miteinander verbinden. Wir versuchen schon jeden Song speziell zu machen und schreiben nicht nur nach Bauchgefühl. Trotzdem sind wir keine "Kopfmusiker", die sich ganz genau überlegen wie jetzt was klingen muss um die oder die Wirkung zu erzielen.

Chris:
Auflerdem macht "sich zurücknehmen" viel mehr Spafl als tausend Töne pro Minute zu daddeln. Wenn wir uns künstlerisch verwirklichen wollten, hätten wir Metal gemacht.

Rockszene.de:
Wenn man Eure Gig Historie anschaut, wird recht deutlich, dass ihr aus der Region Hannover noch nicht wirklich heraus gekommen seid. Wie sind Eure Pläne? Gibt es schon konkrete Ideen dies zu ändern?

Pascal:
Naja, wir waren ja vor kurzem beim "Spring Rock" in BurgdorfÖ

Rockszene.de:
Öneben 15 Metal BandsÖ

Pascal:
Ö(lacht) ja so ungefähr! Der Sänger der einen Band klang wie eine perfekte Kopie von James Hetfield, der hat teilweise wahrscheinlich sogar besser gesungen als das Original.

Stefan:
Wir suchen im Internet natürlich immer nach Veranstaltungen für die wir uns bewerben können, aber einfach ist es nicht.

RenÈ:
Aber um auf die Frage zurück zu kommen: Natürlich wollen wir deutschlandweit auftreten! Aber uns fehlen da momentan noch die Kontakte und auch die Erfahrung wie man so etwas anpackt.

Rockszene.de:
Und wie seht ihr die Hannoversche Musikszene? Ist es hier einfacher oder schwieriger Sympathien zu sammeln? Viele Bands beklagen sich ja, dass aufler Metal in Hannover nix funktioniert.

Chris:
Ja, Metal oder Punk, das stimmt. Dazu kommt, dass es eigentlich kaum noch Möglichkeiten gibt regional aufzutreten. In angesagte Läden wie das ChÈz Heinz oder die Glocksee kommst Du nicht rein. Da bleiben fast immer nur Wettbewerbe oder diese Bandabende wie im Gig oder jetzt auch "Bandstand" im Labor. Das ist allerdings sehr gut, dass es so was jetzt gibt.

Rockszene.de:
Bitte vollendet folgenden Satz: Um erfolgreich zu sein würden wirÖ.

Chris:
Öunsere Seelen verkaufen (lacht)! Nein, das vielleicht nicht, aber zumindest das Studium schmeiflen, oder?

RenÈ:
Jo.

Stefan:
Auf jeden Fall.

Pascal:
Ich denke da sind wir uns einig.

Rockszene.de:
Euer Bandname bedeutet übersetzt soviel wie "Faser" oder auch "Faden". Gibtís es einen roten Faden bei Fibre, eine Art Richtlinie die Euch zusammenhält?

RenÈ:
Das ist auf jeden Fall der gemeinsame, platte Humor. Der schweiflt zusammen. Es kommt auch so gut wie nie vor, dass wir uns streiten. Wir klären alle Differenzen immer direkt.

Pascal:
Auflerdem ist es auch die Begeisterung für die eigene Musik. Man weifl zwar mittlerweile ziemlich genau was die anderen machen, trotzdem überrascht man sich immer noch gegenseitig und denkt dann manches Mal "Boah, das war ja grad geil was Du gespielt hast!"

Rockszene.de:
Gerade als junger Rockmusiker gehört eine gewisse Publikumsprostitution teilweise dazu. Wie seht Ihr das? Brave Hausmännchen oder wildes Singleleben? Es gibt ja wirklich Bands, die von sich behaupten sie machen Musik ausschliefllich wegen Frauen.

Chris:
Oh, das war auf jeden Fall ein Beweggrund um mit dem Schlagzeug spielen anzufangen (lacht). Aber Du siehst ja wo es hinführt, bis auf Pascal sind wir alle Single.

RenÈ:
Musik ist auf jeden Fall ein gewisser Frauenersatz. Man kann zwar nicht damit im Bett einschlafen, aber es füllt einen schon aus. Von Prostitution ist das aber weit entfernt.

Stefan:
Um unsere Wirkung festzustellen müssten wir auch mehr vor unbekanntem Publikum auftreten. Da wir momentan natürlich hauptsächlich vor unseren Freunden spielen, fehlt das objektive Feedback ein bisschen.

Pascal:
Genau. Einfach mal einer der einem sagt "Das und das war aber totale Scheifle!" Dem würden wir zwar auch "Verpiss Dich!" sagen, aber wenn es konstruktive Kritik ist, würde einen das sicherlich weiter bringen (lacht).

Rockszene.de:
Mit welcher Band würdet Ihr gerne mal zusammen auftreten? Oder gibt es sogar eine Band, mit der Ihr unter keinen Umständen die Bühne teilen würdet?

Pascal:
Mein Favorit ist auf jeden Fall Incubus. Muse oder Mando Diao wären natürlich auch ein Traum!

Chris:
Bei mir müssten dann noch die Hellacopters dazu kommen. Dafür müssten die sich aber erstmal wieder reunieren. Was ist los mit dieser Welt? Alle coolen Bands lösen sich auf! Ich würde nie mit Blink 182 auftreten, die hasse ich. Es gibt wohl kaum etwas, das weniger Rock¥n Roll ist.

RenÈ:
Generell sind wir keine Freunde von amerikanischem Vorstadtpunk. Reggae ist auch nicht so unser Ding.

Stefan:
Es ist schwer sich da auf eine Band zu einigen, da jeder neben den Bands, die wir alle gut finden noch seinen eigenen Musikgeschmack hat.

Rockszene.de:
Auf was können wir uns in Zukunft von Euch freuen?

Chris:
Erstmal auf unser Konzert im CafÈ Monopol am 17. April, da sollte man auf jeden Fall hinkommen!

Pascal:
Dann versuchen wir natürlich noch möglichst viele weitere Konzerte zu spielen. Vielleicht nehmen wir Ende des Jahres auch unser erstes Album, oder zumindest ein Demo auf. Dazu müssen wir nur noch ein bisschen Kohle zusammenkriegen.

Rockszene.de:
Weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!

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