Menschen und Hintergründe

25.03.2009

Stimmungen kreieren, Gefühle transportieren
Oder: Kunst statt Kommerz - Ein Interview mit Frames
Von Jan Hagerodt

- In ihrem Proberaum in der Beatbox in Hannover traf ich die Band Frames zum Interview. Die junge Combo hat in letzter Zeit durch den Gewinn des Sixpack Wettbewerbs, ihren Auftritt beim Bandstand im Labor und nicht zuletzt durch ihre Debüt-E.P. auf sich aufmerksam gemacht. Jonas (Gitarre), Manuel (Keyboard) und Trommler Kiryll stellten sich meinen Fragen, Bassist Julian "Moses" Hoffmann wird als "fehlt entschuldigt" ins Klassenbuch eingetragen.

Rockszene.de:
Hi liebe Leute, Danke dass ihr euch Zeit für dieses Interview genommen habt. Wie geht es Euch?

Manuel:
Sehr gut, danke! Ich bin vor kurzem Papa geworden, insofern ist Schlafmangel momentan vorprogrammiert, sonst ist aber alles super.

Rockszene.de:
Eure aktuelle, selbst betitelte EP ist seit Kurzem erhältlich. Wie ist die bisherige Resonanz auf das Ding? Seid ihr zufrieden? Wird bald nachgepresst oder stauben die Dinger schon auf dem Dachboden ein?

Jonas:
Bisher sind wir zufrieden. Wir verkaufen die Cd momentan ausschliefllich bei Konzerten und über unsere Myspace Seite. Hier stellen wir den Leuten frei, ob und wie viel sie dafür bezahlen wollen. Bei unserem letzten Konzert im Labor haben wir auf jeden Fall schon ein paar verkauft. Natürlich freuen wir uns über jede Bestellung mehr, ganz klar.

Rockszene.de:
Ihr seid alle noch recht jung, recht ungewöhnlich bei der Art von Musik die ihr hört und macht. Wie alt seid ihr im Schnitt? Habt ihr alle grofle Brüder, die euch ihre Lieblingstitel vorgespielt haben oder wie kommt man auf Einflüsse wie Pink Floyd oder Mogwai.

Kiryll:
Nee, einen groflen Bruder hat keiner. Julian, unser Bassist hat ¥ne grofle Schwester, aber ich glaube das hat damit nichts zu tun (lacht). Wir sind alle sehr interessiert an Musik und hören einfach unglaublich viel.

Manuel:
Ein Kumpel von mir hatte mal eine Zeit, in der er nur Pink Floyd und Queen gehört hat und auch eine Pink Floyd Coverband plante. Das hat mich damals auf jeden Fall angesteckt. Gerade als Keyboarder sind solche Sachen natürlich tierisch interessant.

Rockszene.de:
Seit dem Gewinn des Sixpack Contests letztes Jahr in Hannover hat sich bei Euch sicherlich so einiges getan. Ich habe auf eurer Internetseite zum Beispiel gesehen, dass ihr beim diesjährigen Fährmannsfest auftreten werdetÖ

Jonas:
Genau! Das Konzert beim Fährmannsfest resultiert aus dem 1. Platz beim Sixpack, genauso wie die Local Heroes Teilnahme, das war quasi beim Gewinn dabei. Ansonsten versuchen wir natürlich gerade möglichst viele Rückmeldungen zu unserer EP zu bekommen und Konzerte für Sommer und Herbst zu buchen. Am 17. April haben wir das nächste Konzert im Cafe Monopol in Langenhagen.

Kiryll:
Nach dem Gewinn des Sixpack Contests sprach uns ein Redakteur der Neuen Presse aus Hannover an und hat ein Bandporträt über uns geschrieben, das war auch schon mal cool.

Rockszene.de:
Local Heroes ist ja dann schon der zweite Wettbewerb innerhalb von kurzer Zeit. Habt ihr Bock auf diese Wettbewerbsluft oder nervt euch das eher?

Kiryll:
Generell ist unser dieser Wettbewerbsgedanke und das "messen" mit anderen Bands eher fremd. Man kann sich ja nicht hinstellen und klar sagen welche Band nun wirklich am Besten ist, jede Band ist doch irgendwie einzigartig. Wir wollen uns vor Publikum präsentieren und Reaktionen zu unserer Musik bekommen, mehr eigentlich nicht. Beim Sixpack haben wir uns auch nur deswegen beworben, der Gewinn kam deshalb auch total überraschend für uns. Hey, immerhin war das unser erster Gig!

Rockszene.de:
Das ist dann in der Tat ein guter Einstand! Wenn man wie ihr ausschliefllich instrumentale Musik macht, erreicht man da nicht irgendwann mal den Punkt, an dem man die Möglichkeiten der Instrumente ausgereizt hat? Möchte man dem Publikum nicht einfach mal eine Textzeile ins Gesicht schleudern?

Manuel:
Wir haben eine zeitlang sogar mal nach einem Sänger gesucht, allerdings stand für uns von vornherein fest, dass man dann auch die Stimme eher als Instrument eingesetzt hätte und nicht als klassischen Gesang. Wir haben aber gemerkt, dass es so, ausschliefllich über die Musik komischerweise wunderbar funktioniert.

Kiryll:
Die Spannung besteht ja grade darin keinen festen Interpretationsrahmen vorzugeben. So kann sich jeder im Publikum zu jedem Song seine eigene Geschichte suchen. Den Zugang zu den Menschen nur über die Musik zu bekommen, dass ist das Spannende daran.

Rockszene.de:
Euch ist sicherlich klar, dass ihr mit instrumentaler Musik auf dem breiten Markt nicht die grofle Kohle scheffeln könnt. Wie steht ihr zum Thema Moneten versus Musik?

Kiryll:
Das ist uns klar und darum geht es auch nicht. Sicherlich wäre Erfolg und Geld ein netter Nebeneffekt, aber wir schreiben keine Songs für MTV. Erfolg ist also nicht das Ziel.

Jonas:
Wir wollen uns musikalisch weiter entwickeln, bessere Songs schreiben, Spafl an unserer Musik haben. Das ist viel entscheidender als der schnelle Ruhm.

Rockszene.de:
Und wenn das Märchen wahr werden würde und ein Plattenboss mit einem Vertrag vor der Tür steht. Einzige Bedingung: Ihr müsstet singen. Was würdet ihr tun?

Manuel:
Das ist natürlich eine schwierige Frage, ich glaube aber, dass niemand in der Band bereit wäre seine Ideale für Kohle über den Haufen zu schmeiflen.

Kiryll:
Dann würden wir wohl eher ein Zweit-Projekt gründen (lacht).

Rockszene.de:
Titel wie "G", "M" oder auch "Ocean" und "Insomnia" lassen vermuten, dass Eure Musik auf Geschichten aufbaut, ähnlich wie bei vielen Progressive Bands. Wer schreibt Eure Musik? Wie kommt man auf solche Titel?

Jonas:
Das ist unterschiedlich. "G" ist einfach die Grundtonart, in der wir den Song geschrieben haben, so einfach ist das (lacht). Und "M" schien irgendwie zu passen.

Kiryll:
Geschichten gibt es nicht, denn das würde ja den Zuhörern erneut eine klare Linie vorgeben. Wir versuchen eher Stimmungen zu kreieren, Gefühle zu transportieren.

Manuel:
Oft sind das auch einfach die Arbeitstitel, an die man sich gewöhnt hat und die man nicht mehr abändert (lacht). Das meiste unserer Musik schreibt Jonas zuhause mit dem Programm Guitar Pro. Dann wird das rumgeschickt und jeder überlegt sich seinen Part dazu. Im Proberaum fügen wir dann alles zusammen und machen den Feinschliff.

Rockszene.de:
Und wie fleiflig probt ihr? Wie viel "Insomnia" steckt in eurer Band?

Manuel:
Wir proben eigentlich zwei Mal die Woche. Momentan ist es natürlich etwas schwieriger, da wir privat viel um die Ohren haben.

Rockszene.de:
Wenn jeder von Euch einen Wunsch für die Zukunft von "Frames" frei hätte, was würde das sein?

Kiryll:
Wir wollen eigentlich genauso so weiter machen, wie bisher. Unsere Musik spielen, ohne sich prostituieren zu müssen damit man die Miete bezahlen kann.

Manuel:
Genau, wir wollen auch in 15 Jahren noch befreundet sein und in dieser Band spielen. Natürlich wäre es schön, wenn man sich dann um das liebe Geld keine Gedanken machen müsste, sondern ohne Zwang weiter sein Ding durchziehen kann.

Jonas:
In der nächsten Zeit ist mein Wunsch neue Songs für das Album zu schreiben, das wir im Herbst wieder zusammen mit Florentin Adolf aufnehmen wollen. Auflerdem habe ich mich für einen Musikstudiengang angemeldet und hoffe, dass ich angenommen werde.

Rockszene.de:
Dann mal Toi toi toi! Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und bedanke mich bei euch für das nette Interview!

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