| CD-Kritik-Detail |
Rough Silk End Of Infinity (Common Ground Media / Point) Hier ist es nun, das lang –und nach dem Ausstieg von Sänger Thomas Ludolphy- mit sehr viel Spannung erwartete neue Studioalbum von Rough Silk. Produziert vom musikalischen Tausendsassa Ferdy Doernberg im heimischen Droehnwerk Studio, ist „End Of Infinity“ ein Album geworden, bei dem Vielseitigkeit und Abwechslung Trumpf sind. Wie kaum eine andere Band reißen Rough Silk fast sämtliche Schubladen des Metal und härteren Rock auf, wühlen diese mehrmals heftig durch und kreieren so etwas wie einen ganz eigenen Sound und Stil. Dabei ist nahezu alles erlaubt was gefällt. Jegliche Vorstellungen von Ordnung und System scheinen aufgehoben. Rough Silk präsentieren sich als muntere und unerschrockene Basteltruppe, die sich unter Einsatz der verschiedensten, nicht gerade Heavy Rock/Metal typischer Instrumente in allen möglichen Genres bedient, alles nach Lust und Laune zusammenschustern um dann zu schauen was dabei herauskommt. Zusätzlich zum Intro reitet man sich durch zwölf Titel als säße man auf einem, vor Temperament und Unberechenbarkeit strotzendem jungen Gaul, der in harter Manier zugeritten werden muss. Mit bangen Blicken beobachtet man das alles und fragt sich, ob der Reiter fällt oder sich im Sattel halten kann. Rough Silk lieben es bombastisch und hymnisch, hochmelodisch sowieso. Artrock, Hardrock, Metal müssen sein, Bluesiges und Balladeskes geht auch mal- selbst wer nach kräftigem Mähneschütteln, Fäusterecken und Feuerzeugschwenken mal einen kurzen flotten Tango tanzen will, wird von Rough Silk bedient. Zeit zum Ausruhen bleibt da kaum. Hat man sich nach einer ruhigen hymnisch-romantischen Sequenz auch nur ein wenig entspannt, ist es ganz schnell vorbei mit der Gemütlichkeit, wenn das Double-Bass-Drum-Dauerfeuer (wie in Track 2) eröffnet wird. Dann wird der Blinker links gesetzt, Schulterblick vergessen und ab geht´s mit High-Speed auf der Überholspur. Ganz schnell und noch schneller: Gitarrensoli, Keyboardsoli, darüber mehrstimmige Chorgesänge, dann ein Break und noch eins, eine Dobro, eine Pedal-Steel-Gitarre, ein Akkordeon, Hammond-Orgel, Ukele, Piano und und und. Den Leadgesang teilen sich Ferdy Doernberg, Drummer Herbert Hartmann und Gitarrist Nils Wunderlich über das Album verteilt brüderlich – leider nicht immer mit durchschlagendem Erfolg, denn ein „echter“ Sänger, der -an absolut professionellem Standard gemessen- zu überzeugen weiß, fehlt der Band unterm Strich. Dennoch sind in punkto Gesang einige Höhepunkte zu verbuchen, besonders wenn Ferdy Doernberg das Mikro übernimmt. Rau, aggressiv, leidenschaftlich auf den Punkt und immer mit einem kleinem Augenzwinkern, wie in dem freakigen „What If Darkness Was Brighter Than Light“, wo wie im Zeitraffertempo zwischen höchsten Screams und tiefen, wenn auch ein wenig schmalbrüstigen Death-Growls gewechselt wird, so, als handele sich das Ganze schon fast um einen nett gemeinten Seitenhieb auf alle möglichen Metal-Syles. Konventionell gepolten Rock- Musikfreunden und Nicht-Metallern könnten sich beim ersten Genuss dieses Albums hier und da schon mal so richtig die Nackenhaare sträuben; wer über ein wenig Offenheit, gepaart mit einer gesunden Portion Humor verfügt, dürfte viel Spannendes auf „End Of Infinity“ entdecken und seinen Spaß haben. Ein auf eigenwillige Art sympathisches und unterhaltsames Album. www.rough-silk.com Andreas Haug Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum |
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