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Marillion The Best Of (EMI, 2003) Über den Sinn und Zweck von „Best of“ oder „Greatest Hits“ Alben wird sich in Kritikerkreisen gern der Kopf zerbrochen. Wer braucht das denn noch ? So lautet eine der viel gestellten Fragen. Best-of-Compilations finden ihre Zielgruppe zumeist bei Musikfreunden, die ein, zwei oder drei bekannte Hits einer Band (aus Radio, TV oder Disco) kennen und sich einfach mal einen Überblick über das Gesamtwerk der jeweiligen Gruppe verschaffen wollen. Die Hörer sind oft Singles-Hörer die eine Zusammenstellung eingängiger Hits wünschen. Best-of-Compilations dienen außerdem, wie auch meist Live-Alben, zur Überbrückung der Wartezeit bis zum nächsten Studioalbum der jeweiligen Band. Im Fall der britischen Rockband Marillion ist das nächste Studioalbum mit neuem Material gerade in Arbeit und wird voraussichtlich 2004 veröffentlicht, das bisher letzte Album „Anoraknophobia“ datiert aus dem Frühjahr 2001 und nachdem bereits 2002 mit „Anoraknophobia live in the U.K.“ ein Live-Album veröffentlicht wurde, muss das Jahr 2003 offenbar mit einem Best-of-Album überbrückt werden. 18 Songs in verschiedenen Single-Edit, Radio-Edit, 7´´ und sonstigen Versionen sind auf diesem Marillion-Sampler vertreten, davon die ersten acht Titel aus der Ära mit dem 1988 ausgeschiedenen Sänger Fish, Track neun bis 18 repräsentieren Marillion aus der Zeit mit Steve Hogarth der seit 1989 als Frontmann und Sänger der Band dabei ist. Wie kaum eine andere Band die seit den frühen 80er-Jahren aktiv ist, haben Marillion ihren Stil im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt und damit gleichzeitig in Fankreisen polarisiert. Zählte die Band 1983 mit dem Release des Debüts „Script for a Jester´s Tear“ noch zur Speerspitze der Neo-Progressive-Rockbewegung indem sie stilistisch im Fahrwasser der frühen Pink Floyd oder Genesis( zu Zeiten Peter Gabriel) agierten und damit auch in Zeiten der NDW oder des Synthi-Pops, das Interesse am-schon Ende der Siebziger Ende zu Grabe getragenen- „Dinosaurier Rock“ wiederbelebten, werden Marillion anno 2003 dagegen eher mit innovativen „neueren“ Bands wie Radiohead oder Massive Attack in Verbindung gebracht. Abgesehen von ihrem 1985er Mega-Hit „Kayleigh“ und evtl. noch „Lavender“ oder „Incommunicado“ sind Marillion eigentlich alles andere als eine Single bzw. Einzel-Hit-Song-Band. Marillion sind eine typische Album-Band mit ausgesprochenen Live-Qualitäten. Oftmals liegt den Alben dabei ein inhaltliches Gesamtkonzept zu Grunde. Daher wirkt eine „Best of“- Songzusammenstellung aus dem Kontext des jeweiligen Album heraus im Zusammenhang mit Marillion etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade Stücke wie „Heart Of Lothian“ zünden erst richtig, wenn man sie in den dramaturgischen Zusammenhang mit dem Konzeptalbum „Misplaced Childhood“ rückt. Ähnlich verhält es sich mit „Alone Again In The Lap Of Luxury“ vom 94er-Konzeptalbum „Brave“, von dem erstaunlicherweise nur dieser Titel auf der „Best of“ vertreten ist. Ansonsten findet der interessierte Konsument Songs wie „Garden Party“, die bereits genannten „Kayleigh“, „Lavender“ und „Incommunicado“, „Cover my Eyes“, „Easter“ oder „Man of A Thousand Faces“. Fast so lang wie die Liste der 18 auf dieser CD zusammengestellten „Best of Marillion“-Songs könnte die Liste der Songs sein, die auf einer solchen Compilation fehlen, allen voran „Script for A Jester´s Tear“ und „Fugazi“. Aus der Hogarth-Ära wären da noch „Afraid of The Sunlight“, „King“, „Map Of The World“, „Rich“, „80 Days“, „The Great Escape“ uvm. ziemlich sichere Kandidaten. Eine Fortsetzung mit „Marillion Best of II“ oder „Very Best of“ scheint da nur eine Frage der Zeit. Mit dem Kauf dieser CD macht der Marillion-Neuling sicherlich nichts falsch, auch wenn die Investition in zwei, drei oder vier Originalalben (z.B. „Misplaced Childhood“, „Clutching At Straws“, „Brave“, „Anoraknophobia“) sinnvoller erscheint, um den Zugang zu den künstlerisch überaus ambitionierten Werken der Band zu finden. Für den langjährigen Kenner und Fan kommt die Platte über den Status „Sammlerstück“ wohl kaum hinaus. www.marillion.com Andreas Haug (08.12.2006) Weitere oder ähnliche Reviews: Marillion - The Official Bootleg Box Set, Vol.2 (2010) Marillion - Less Is More (2009) Marillion - Verschiedene Titel / Drei Doppel-Live-CDs (1983-1987) (2009) Marillion - Happiness Is The Road (2CD) (2008) Marillion - From Stoke Row To Ipanema (2003) Marillion - Recital Of The Script (DVD) (2003) Marillion - Anorak in the UK Live (2002) Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum |
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