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CD-Kritik-Detail
Blank-Blank

Blank

Blank

(Eigenproduktion, 2009)


Eine neue Demo-E.P. der hannoverschen Band Blank ist da, mit sechs neuen Songs. Statt einer konventionellen CD-Cover-Verpackung ist ein provisorischer Hardpapier-Schuber zusammengetackert worden. Doppelt und sauber getackert – Verletzungsgefahr beim Handling des Produktes gering aber nicht ausgeschlossen.

Konventionell waren Blank noch nie unterwegs und auch im Jahr 2009 agiert die Band alles andere als angepasst, nicht nur was die Verpackung ihrer CD betrifft, auch musikalisch rempelt man mit spitzen Ellenbogen durch die Gegend. Dieser Kontakt kann schmerzhaft sein, blaue Flecken hinterlassen, aber die vergehen auch schnell wieder.

„Aus den furchtbaren Abgründen der hannoverschen Musikszene steigt das Indiepunk was-auch-immer Trio Blank auf einem Berg gescheiterter Träume empor und blinzelnd in das Sonnenlicht (…)“ leitet die Presseinfo ein. Welches Sonnenlicht? Ist es doch nur der grelle Schein der Neonröhren des imaginär letzten Probekellers der Stadt kurz vor der Sprengung?

Die Musik der Band könnte zum preisgekrönten Soundtrack eines Endzeitszenarios avancieren, das sich in den Trümmern einer einst funkelnden Kulturmetropole der westlichen Welt abspielt. Die Frustrierten haben schon längst aufgegeben, Blank machen weiter, spielen, was das Zeug hält, was ihnen gerade so in den Sinn kommt und was Spaß macht. Konventionen? Wer braucht die? Stilbrüche? Klar, warum nicht!

Das hannoversche Trio rührt kraftvoll in einem kochenden Kessel Buntes mit allen möglichen Alternative-Stilen, Noise-Rock, Funk-Jazz-Fusion und wütendem Punk und New Wave. Hinsichtlich letzt genannter Stile gibt man dem ganzen einen Anstrich, wie es in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern im Underground üblich war. Die sehr frühen The Police, Fisher-Z. oder auch The Clash und später einige Hannover-Bands aus dem No-Fun-Label-Umfeld brachten ähnliche Sounds und Songstimmungen hervor. Rüde, rudimentär und immer mit der Faust in der Tasche.

Für die oft in engen Rahmen denkende konservative Musikindustrie müsste diese E.P. ein Rätsel sein, fast schon eine Provokation bedeuten. Ein Höhepunkt: „The Devil In Miss Jones“. Hier klingen Blank wie auf einer wilden Jam-Session der frühen Red-Hot- Chili-Peppers, McLusky und George Clinton & Funkadelic die versuchen, die dunkle Seite der deutschen Band Kraan zu entdecken. Roh, dreckig, dissonant. Da hat Frau Jones wenig zu lachen.

Endzeitszenario revisited: Montagmorgen, 6 Uhr früh. Leichter Nieslregen geht auf die Industriebrache nieder. Hier hat niemand mehr etwas zu tun, außer dem Sprengkommando, das sich anschickt, das letzte intakte Gebäude aus dem hier verstörend-heitere Rockmusik dringt in die Luft zu jagen. Blank sind die letzten. Alle anderen Künstler, die hier einst aktiv waren, wurden längst mittels Räumungsklage entfernt. Schepperndes Schlagzeug, dröhnender Bass, aufheulende Gitarre. Die Band spielt und spielt und spielt.

„Es hat doch keinen Zweck mehr, kommen Sie mit erhobenen Händen heraus, dann geschieht Ihnen nichts, wir sprengen in fünf Minuten“, quäkt jemand durch ein Megaphon. Polizei ist angerückt. Drei leere Bierflaschen werden aus dem Gebäude geschleudert, zerbersten asynchron. Aber weiter passiert nichts. Gar nichts.

www.blank-music.de
www.myspace.com/blanksucks

Andreas Haug
(26.06.2009)

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