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CD-Kritik-Detail
The Hirsch Effekt-The Hirsch Effekt

The Hirsch Effekt

The Hirsch Effekt

(Eigenproduktion, 2009)


Doch, den gibt´s wirklich, den „Hirsch Effekt“! Mit einem röhrenden Vierender hat das allerdings überhaupt nix zu tun. Der Begriff wurde nach der deutsch-jüdischen Ärztin Rahel Hirsch (1870 bis 1953) benannt und bezeichnet die von ihr entdeckte Durchlässigkeit der Schleimhaut des Dünndarms für großkorpuskuläre Partikel in die Nierenkörperchen und die anschließende Ausscheidung mit dem Harn. So so. Entweder studiert unser Rotwild-Duo, bestehend aus Philipp Wende und Nils Wittrock also irgendwas mit Medizin oder es liegt hier eine seltsame Art von Fetisch vor. Manche Dinge will man einfach nicht wissen. All das sind natürlich alles nur Vermutungen und Unterstellungen meinerseits.

In Zusammenarbeit mit mehreren Gastmusikern hat die Hannoveraner Kapelle ihre erste Ep aufgenommen. Die Hörer werden sich wahrscheinlich sehr schnell in zwei Gruppen spalten. Die einen halten es für Kunst und kreative Auslebung, für die anderen ist es völliger Mumpitz. Ich sitze momentan noch ein wenig zwischen den Stühlen. Sie selbst bezeichnen sich als Indieelectro Post-Punk Metal DIY Band.

Generell habe ich selten zuvor ein Projekt gesehen, dass derart darauf ausgerichtet ist Aufmerksamkeit durch Ungewöhnlichkeit zu erregen. Wie ein ADS Kind, das den ganzen Tag vor der Mutti Kopfstand macht, um ein Glas warme Milch in die Patschehände zu bekommen, brunften auch diese beiden Exemplare ihrer Gattung heftigst um Anerkennung. Angefangen mit der auffälligen Namensgebung und dem Artwork der Cd, der Geheimniskrämerei um die Bandmitglieder, der italienisch betitelten Songs, der schrägen deutschen Texte, bis hin zur Mischung der Musik. Die Band führt einen über gebrüllte Bergstrecken und durch melancholische Zwischentäler, immer abgedreht und selten normal. Das ist stellenweise im wahrsten Sinne des Wortes „tierisch“ interessant, teilweise aber auch ein bisschen Gaga.

Die beiden Musiker sind jedoch sehr gut im Stimmungen erzeugen. Der erste Song „Calmo“ entwickelt eine erst besinnliche, sich dann aber beständig steigernde Aufbruchsstimmung, die einen mitnimmt, wenn man sich darauf einlässt. Recht häufig flattert auch eine schöne Melodie vorbei, insgesamt lassen mich die Songs trotzdem ein bisschen kalt. Zumal auch diese Truppe ohne musikalische Vergleiche nicht auskommt. Die härteren Parts klingen zum Beispiel sehr nach „Fall Of Troy“. Wer aber gerne links und rechts vom musikalischen Alltagsbrei schaut, der wird mit Sicherheit mit „The Hirsch Effekt“ gut bedient sein. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf mehr, insofern hat der Plan mit der Aufmerksamkeit ja schon mal hingehauen.

Fazit: Die totale Geschmacksfrage. Schonzeit oder Blattschuss? Auf jeden Fall Waidmannsheil! www.myspace.com/thehirscheffekt

Jan Hagerodt
(02.04.2009)

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