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CD-Kritik-Detail
Diverse Bands - Sampler-Rock S Cool II (DVD Collect.)

Diverse Bands - Sampler

Rock S Cool II (DVD Collect.)

(Steamhammer / SPV, 2007)


Cool ist das nicht. Höchstens auf eine sehr abgedrehte Art und Weise. Die Videocollection „Rock S'Cool II“ enthält 25 Videos von Bands, die zum großen Teil noch aus der Hairspray-Metal-Ära stammen, damals Ende der 80er. Der Rezensent gibt zu, dass er diese Musik zu der Zeit selbst gehört hat, damals noch pickliger Jüngling. Heute kann er allerdings nicht mehr so ganz nachvollziehen, warum. Da er sich nun aber alle 25 Videos angeschaut hat, findet er es nur gerecht, wenn der Leser jetzt auch dran glauben muss. Also gehen wir auf eine nostalgische Reise, die nicht nur schöne Erinnerungen bereit hält...

Gleich mit zwei Videos vertreten ist Motörhead (“Life's A Bitch“ und „Killers“). Künstlerisch nichts wirklich Umreißendes, aber es ist eben Lemmy. Ein Mensch und eine Band, der und die wohl in nahezu allen musikalischen Kreisen geliebt und anerkannt wird. So wie die Sex Pistols oder Kraftwerk. Ebenfalls mit zwei Videos vertreten ist die mehr Hardcore- als Metalband Hatesphere. Das Video „Forver War“ hat etwas Avantgardistisches, ganz in schwarz-weißen Farben gehalten, sehr stimmungsvoll und sehr verstörend. Das andere Video zeigt einen Livemitschnitt mit sehr schnellen Cuts, was gut zu der Musik passt. Die dritte Band, die gleich zwei Videos am Start hat, ist Kamelot. Das dürften wohl die Videos sein, die am meisten gekostet haben, auf jeden Fall sehen sie so aus. Hier wird ein Anspruch gestellt, der nicht erfüllt wird. Die Videos transportieren kein Gefühl, wirken steril. Auch die Musik ist vertrackt und verkopft. Es rockt nicht, nicht so wie Motörhead.

Jetzt wird es aber Zeit für die klassischen Bands der 80er. Da wären Saxon (auch mit zwei Videos), Whitesnake, Rage, Helloween, Metal Church und Judas Priest an erster Stelle zu nennen. Alte Männer, die posen, als könnten sie noch immer reihenweise 16-jährige Groupies abschleppen. Wahrscheinlich können sie das auch, aber nicht mehr in dem Stil wie vor 20 Jahren. Die meisten Videos sind Livemitschnitte, also total langweilig. Hin und wieder wurden zur Abwechslung ein paar Roadies beim Bühnenaufbau hineingeschnitten. Wenn das mal bei Saxons „Let Me Feel Your Power“ und Rages „War Of Worlds“ nicht sogar dieselben sind. Ganz wichtig und auf keinen Fall zu vergessen ist natürlich auch Doro mit ihrem Kultvideo (laut Pressetext) „Fight“. Der Kult lässt sich nicht so ohne weiteres entdecken, dem Rezensenten blieb er auf jeden Fall verborgen. Auch hier haben wir einen gewöhnlichen Livemitschnitt, der gelegentlich von Regina Halmichs(!) Fäusten unterbrochen wird, die fröhlich und verspielt in die Kamera boxen.

Diese Videos machen einen jungen Indiehörer der heutigen Zeit nicht glücklich, das ist Fakt. Aber es kommen auch in regelmäßigen Abständen immer wieder ein paar Höhepunkte. Da ist zum einen Kreator zu nennen, eine der wohl härtesten deutschen Bands der 80er Jahre. Das Video erzählt eine stimmungsvolle, düstere Geschichte, dazu gibt es brachiales Gebrüll und das typische Kreator-Geknüppel. Eines der der besten Videos der Collection.

Völlig aus dem Rahmen fallen Amplifier, die nicht (!!!) posen, sondern in ihrem Video so erfrischend normal auftreten, als wären sie Tocotronic. Auch ihre Musik stünde einem Indiefestival gut zu Gesicht. Hier passen sie nicht rein, fallen aber gerade deshalb positiv auf. Die andere Band, die sich auf der DVD verirrt hat, ist Zebrahead. Deren Video und Musik erinnert an den Fun-Punk von Blink-182 und sorgt für ein gefälliges Grinsen.

Ha, aber wer jetzt gedacht hat, er wäre durch, hat sich getäuscht. Da wären nämlich noch Type O' Negative mit „The Profits Of Doom“. Mal ein Übungsraumvideo, das vermutlich bewusst billig gemacht wirkt. Kann man mögen. Das Video von Rhapsody zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass Christopher Lee in Sauronpose (ja, der aus „Herr der Ringe“) das Video begleitet. Ansonsten gibt es hymnenhaften Keyboardmetal zu wunderschönen Landschaften. Die anderen Bands sollen der Gerechtigkeit halber zumindest kurz genannt werden: Mob Rules, Beyond Fear, Grip Inc. (mit Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo), Iced Earth, Moonspell, Angra. Das war es. Eine Reise durch viel Schatten, aber auch Licht.

Der Rezensent bekennt: Am Ende war es gar nicht so schlimm, wie er zu Beginn befürchtet hatte. Man kann sich den zweiten Teil der „Rock S'Cool“ anschauen (man muss es ja nicht jedem sagen). Eine Frage bleibt allerdings: Warum ist die DVD ab 16 freigegeben? Es gibt weder Sex noch Gewalt, nur hin und wieder ein bisschen Horror, hauptsächlich bei Kreator. Vermutlich ist es auch gar nicht das Video, sondern das musikalische Gebolze, das erst ab 16 freigegeben ist (ohne das abwertend zu meinen).

Tobias Lehmann
(25.10.2007)

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