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Interview mit LEM
Die ersten Erfolge , Wünsche und Pläne
geführt von Frauke Rauner am 18. Februar 2003 Die hannoversche Band Lem gründete sich im November 2000, seit Mai 2002 begeistern sie mit ihrer druckvollen und emotionalen Musik, die sie selbst als Hybrid Alternative Rock bezeichnen bei ihren Konzerten nicht nur das Live-Publikum in den Clubs, sondern erhielten auch viel Lob von Medienvertretern und Veranstaltern.
Lem- das sind Sänger und Frontmann Morten, Christoph an der Gitarre, Christian am Bass sowie Schlagzeuger und Soundtüfftler Alex- Frauke Rauner sprach mit der ambitionierten Band am 18.Februar 2003 über die ersten Erfolge , Wünsche und Pläne für die musikalische Zukunft. Rockszene.de: In den letzten Wochen ist Lem in Hannover in vieler Munde. Seid ihr auf der Gewinnerseite? Morten: So richtig bekommen wir das ja gar nicht mit. Wir haben außerdem noch immer eine Menge Freunde, die nicht wissen, dass es Lem gibt. Wir sind überrascht und haben nicht damit gerechnet, dass so schnell so viel Resonanz kommt. Bei unserem ersten Konzert beispielsweise haben die Leute noch alle ziemlich verstört weggeschaut. Wir waren wohl zu finster. Hingegen haben wir eine Menge CD´s verkauft. Also scheint es, ihnen doch gefallen zu haben. Alex: Ja, anfangs waren wir sehr unsicher, wie wir auf das Publikum wirken. Ob den Leuten das gefällt, was wir machen, wie der Einsatz von der Elektronik auf der Bühne ankommt. Bei dem CD-Release Konzert von Sonic Front im Dezember 2002, bei dem wir dabei waren, fanden uns dann viele Leute gut. Das gab Auftrieb. Wär ja schön, wenn wir auf der Gewinnerseite wären. Morten: Auch von vielen Veranstaltern bekommen wir oft zu hören, dass das Material gut sei, aber leider wüssten sie oft nicht, in welche Schublade sie uns stecken sollen, um uns somit zu unterstützen. Rockszene.de: Könnt ihr vom Musikmachen leben? Was macht ihr als Ausgleich zur Musik? Christoph: Nein, definitv können wir nicht von der Musik leben. Deshalb nehmen wir Sachen wie Promo-Arbeit in die eigenen Hände. Einen Ausgleich zur Musik brauchen wir nicht. Musik ist ja unser Leben und hauptsächlicher Sinn des Lebens. Alex: Und somit würden wir natürlich gern irgendwann nur von der Musik leben. Im Moment befinden wir uns in so einer Art Übergangsphase. Wir sind auf der Suche nach einem Label und versuchen, unsere Musik an den Mann zu bringen. Rockszene.de: Anfang 2002 habt ihr eure aktuelle CD fertiggestellt. Habt ihr die auch in Eigenregie produziert? Alex: Mehr oder weniger. Wir haben Mikros im Proberaum verteilt und die Songs aufgenommen und dann selber abgemischt. Christoph kennt sich da ganz gut aus. Einige Sachen haben wir auch bei Willi Dammeier im Institut für Wohlklangforschung aufgenommen. Morten: Natürlich würden wir alle mal gerne ins Studio gehen und für einige Wochen ein richtiges Album aufnehmen. Material dafür hätten wir genug, aber finanziell ist das nicht möglich. Und letztlich wäre es dann Unsinn, krampfhaft zu versuchen eine Platte aufzunehmen, um sie dann im Schrank stehen zu haben und sich darüber nur für sich zu freuen. Da spielen wir doch erstmal viele Konzerte und stellen auf unsere Homepage die Songs als hometracks zum Anhören. Rockszene.de: Morten, du schreibst als Sänger und Frontmann die Texte allein. Welche Momente eignen sich da am besten? Morten: Es ist zunächst mal so, dass die Texte ganz zum Schluss entstehen. Ich hänge da auch immer ein wenig hinterher. Zuerst ist die Musik da. Dann singe ich eine Art Phantasiesprache auf die Gesangslinie. Das Texten danach ist für mich reine Fleißarbeit. Da gibt es keine bestimmten Momente oder Situationen, in denen ich texte. Ich höre mir immer und immer wieder die Musik an, empfinde die Stimmung, dann fällt mir meistens der Songtitel ein und danach wiederum versuche ich das Kauderwelsch in die englische Sprache zu übersetzen. So funktioniert das. Rockszene.de: Identifizierst du dich vollkommen mit deinen Texten? Morten: Nein, die Texte sind relativ offen gehalten. Mich interessiert eher das Wie als das Was. Die Melodien, die Stimmungen, die entstehen, sind mir wichtig, nicht der konkrete Inhalt. Alex: Somit können wir uns alle mit den Songs identifizieren. Es kann alles für jeden bedeuten. Das ist schön. Morten: Ich bin eben kein Bob Dylan und wir als Band haben von der Entstehung von Musik eher eine CAN-Einstellung (CAN = deutsche Rockband, gegründet 1968 mit dem Ziel neue musikalische Konzepte zu finden - Anm. d. Verf.) als die der Songwriter. Rockszene.de: Welche Musik hört ihr denn? Alex: Die neue CD von Massive Attack ist stark. Tori Amos höre ich, Depeche Mode, Radiohead oder Tool. Morten: Ja. Es muss Musik sein, die intensiv ist, die berührt. Da ist die bestimmte Musikrichtung gar nicht so ausschlaggebend. Christoph: Wir orientieren uns beim Schaffen von unserer Musik an den Emotionen, die die großen Bands mit ihren Songs rüberbringen. Das beeinflusst uns. Rockszene.de: Und wie bist du zum Gesang gekommen, Morten, mit Bands wie Radiohead? Morten: Hm, angefangen hab ich mit Musicals. Die habe ich gesungen. Dann habe ich viel Psychodelic und auch Alternative gehört und wollte anfangs klingen wie der Typ von der Band Bauhaus aus den Achtzigern. Rockszene.de: Seid ihr untereinander dicke Kumpels, die sich jeden Tag sehen oder hat ein jeder von euch einen eigenen Freundeskreis? Christoph: Ja, wir sind enge Freunde. Wir treffen uns nicht nur bei der Probe. Wir sind sehr oft zusammen und brauchen uns auch sehr. Morten: Musik ist ja für jeden von uns der Lebenssinn und das verbindet. Anfangs haben wir sehr viel ausdiskutiert und viele Emotionen sind da auch mal übergeschwappt. Mittlerweile haben wir unsere Grenzen gefunden und akzeptieren gelernt. Alex: Ja, jetzt arbeiten wir miteinander und nicht mehr gegeneinander. Wir haben alle eine sehr starke Persönlichkeit, so hätten wir daran als Band auch zerbrechen können. Wir haben aber zueinander gefunden und sind nun wohl unzertrennlich. Rockszene.de: Was ist das Besondere an Lem? Vielleicht dieser starke Zusammenhalt? Christoph: Bestimmt. Unser Lebensmotor ist die Musik und wir sind in diesem Motor alle gleich wichtig. Oft ist in anderen Bands ein spezieller Musiker der Hauptantrieb. Das ist bei uns nicht auf einen Einzelnen festgelegt. Alex: Ja, und wenn wir zusammen Musik machen, bringen wir uns gegenseitig zum Strahlen. Das ist schon etwas Besonderes. Morten: Musikalisch gesehen ist sicher der Einsatz der Elektronik das Besondere. Die war auch von Anfang an als ein gleichberechtigtes Instrument dabei und wurde nicht später hinzugefügt. Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Elektronik bilden eine Symbiose. Rockszene.de: Was macht ihr, wenn ihr alt seid? Morten: Musik... Christoph: Ja, das ist schon ein Traum, wenn das alles auch noch viel später so funktioniert mit dem Musikmachen. Alex: Ich bewundere Leute wie Peter Gabriel, die zurückgezogen leben und trotzdem unheimlich kreativ sind. Angst habe ich davor, irgendwann immer das Gleiche zu machen. Ich will mich weiterentwickeln. Und vielleicht mache ich auch mal einen Musikfilm. Rockszene.de: Drehen wir die Zeit wieder in das Jahr 2003 zurück. Was habt ihr euch für dieses Jahr vorgenommen? Alex: Wir möchten gern ein Label finden, damit wir endlich einfach nur Musik machen dürfen. Christoph: Ein finanzielles Polster zu schaffen, um mal ins Studio zu gehen und eine richtige Platte aufzunehmen, wäre toll. Morten: Ich habe Lust mit einem Produzenten zusammenzuarbeiten, an den Songs zu feilen, mich weiterzuentwickeln. Viele weitere Songs schreiben und viele Konzerte spielen. Beim Musikportal Netmusiczone (zu finden unter: www.netmusiczone.com ) sind Lem mit einem Song vertreten. Weitere Informationen zur Band unter: www.lemmusic.com |
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