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Rockszene.de Interviews

„Ich mag es nicht, im Bus zu reisen.“
Moneybrother über Touren, Musik und zu rettende Freundinnen.
Von Daniel Junker

„Ich mag es nicht, im Bus zu reisen.“-Moneybrother über Touren, Musik und zu rettende Freundinnen.Am Sonnabend, dem 8.März hat die schwedische Band Moneybrother in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faustgelände ihren Hannover-Tourstopp eingelegt. Hinter dem Namen Moneybrother verbirgt sich der Sänger und Gitarrist Anders Wendin, der in den 1990er Jahren bereits in der Punk- und Skaband Monster aus Stockholm gespielt hat. Im Jahr 2000 war Schluss mit Monster – nach einem kurzen Abstecher in die Theater- und Filmwelt entschied sich Wendin, die Band Moneybrother ins Leben zu rufen, die seitdem sein Pseudonym trägt. Die Gruppe besteht aus wechselnden Musikern, derzeit wird er von Patrick Andersson (Gitarre), Henrik Nilsson (Bass), Lars Skoglund (Schlagzeug), Gustav Bendt (Saxophon) und Patrik Kolar (Orgel) begleitet.

Das Debütalbum "Blood Panic" aus dem Jahr 2004 trumpft mit melodiösen Indie-Soul-Pop-Nummern auf. Als ein Markenzeichen dieser Platte können die Streicher bezeichnet werden, mit denen Wendin das Album flächendeckend unterlegt. Im März 2005 folgt der Zweitling „To die alone.“ In Schweden schafft es die Scheibe auf Position Eins der Charts, in auch in Deutschland erreichen Moneybrother einen beachtlichen 37. Platz. Kurz vor Ende des Jahres 2006 veröffentlicht Wendin in seinem Heimatland das Album „Pengabrorsan“, das er komplett auf Schwedisch eingesungen hat. Pengabrorsan ist eine wörtliche Übersetzung des Namens Moneybrother in seine Muttersprache. Auf dem im August 2007 erschienenen Werk „Mount Pleasure“ verzichtet Wendin weitgehend auf den Streichereinsatz.

Rockszene.de-Autor Daniel Junker traf sich vor dem Konzert in der Faust mit Anders Wendin und unterhielt sich mit ihm über Reisen, Musik und Freundinnen, die gerettet werden wollen.


Rockszene.de:
Anders, ihr musstet in dieser Woche drei Termine eurer Tour absagen. Was war das Problem?

Anders Wendin:
Wir waren krank, im Bus ging eine Magen-und-Darm-Grippe um. Jeder von uns hatte diese Grippe. Ein paar von uns mussten zurück nach Stockholm fliegen. Das war schlimm.

Rockszene.de:
Ich dachte, nur du seiest krank gewesen?

Anders Wendin:
Nein, aber ich selbst war so krank, ich konnte noch nicht mal nach Hause fliegen. Ich bin für fünf Tage in Köln geblieben.

Rockszene.de:
Eine schöne Stadt…

Anders Wendin:
Ja, es ist eine schöne Stadt, aber ich war krank, ich konnte nicht mal das Hotel nicht verlassen. Das war wirklich schlimm.

Rockszene.de:
Aber jetzt ist es wieder okay?

Anders Wendin:
Es ist viel besser jetzt. Ein paar von uns haben immer noch Fieber, aber mir geht es jetzt wieder ganz gut.

Rockszene.de:
Du warst Anfang des Jahres im Urlaub. Wo bist du gewesen?

Anders Wendin:
Ich war in Kuba, Jamaika und in den Staaten.

Rockszene.de:
Du bist also herumgereist?

Anders Wendin:
Ja, das war super.

Rockszene.de:
Bist du alleine gereist?

Anders Wendin:
Ja. Ich war auch mit ein paar Freunden unterwegs, aber die Leute können meist nicht so lange wegbleiben. Ich habe also meine Reisefreunde zwischendurch gewechselt.

Rockszene.de:
Magst du diese Gegend besonders?

Anders Wendin:
Ich war noch niemals vorher da. Ich war noch nie in Kuba und Jamaika, das war das erst mal. Aber ich mag es.

Rockszene.de:
Welches der Länder fandest du am interessantesten?

Anders Wendin:
Kuba und Jamaika sind sehr unterschiedliche Länder. Jamaika ist wohl das Land in dieser Welt, in dem sich die Regierung am wenigsten in die das tägliche Leben der Menschen einmischt. Und Kuba ist wahrscheinlich das Land, in dem sich die Regierung am heftigsten in das tägliche Leben der Menschen einmischt. Und trotzdem funktioniert beides, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Beide Länder haben natürlich die Musik und schöne Strände. Obwohl die beiden Länder so dicht beieinander liegen – ich meine, das ist vielleicht die Entfernung von Köln nach Berlin – trennen sie Welten.

Rockszene.de:
In Kuba hat Fidel Castro das Amt des Regierungschefs an seinen Bruder Raúl abgegeben. Glaubst du, dass sich durch den Machtwechsel etwas ändert?

Anders Wendin:
Ich glaube, dass es dort einige Veränderungen geben wird. Aber ich weiß nicht, ob das zum Besseren oder zum Schlechteren sein wird. Es wird wahrscheinlich so werden wie in allen anderen Ländern: Die Reichen Typen werden reicher und die Armen noch ärmer.

Rockszene.de:
Du sagtest mal, dass „Mount Pleasure“, nach dem dein neues Album benannt ist, ein Berg in der Karibik sei. Warum hast du diesen Namen als Albumtitel gewählt?

Anders Wendin:
Es ist einfach nur ein cooler Name, das ist alles.

Rockszene.de:
Gibt es eine Verbindung des Namens „Mount Pleasure“ zu deiner Musik?

Anders Wendin:
Nein, es ist einfach nur ein Rock’n’Roll-Album. In den Liedern geht es darum, einfach Spaß zu haben und es sich gut gehen zu lassen. Wenn du da Verbindungen herstellen willst ist das deine Sache. Es ist Kunst, ich muss das nicht erklären (lacht).

Rockszene.de:
Du hast mal in einem Interview gesagt, dass „Mount Pleasure“ ein Album ist, mit dem du die Leute zum tanzen bringen willst. Und, klappt das?

Anders Wendin:
Du wirst es heute Abend sehen, wenn wir auf die Bühne kommen (lacht). Es funktioniert.

Rockszene.de:
Auf dem Highfield-Festival bist du im vergangenen Jahr als Headliner der Zeltbühne aufgetreten. Die Leute sind ausgeflippt und haben eine große Party gefeiert. Wie war das für dich?

Anders Wendin:
Das war eine großartige Show, das hat richtig Spaß gemacht. Aber normalerweise mag es nicht, auf Festivals zu spielen. Ich mag es nicht, draußen unter freiem Himmel zu spielen. Aber das war im Zelt, das war besser.

Rockszene.de:
Der Sound deiner Platte ist recht rau und direkt, zumindest für eine Pop-Platte. War es von vornherein geplant, das so zumachen?

Anders Wendin:
Du bist der Journalist, ich mache nur Musik. Ich glaube nicht, dass sich viele Musiker hinsetzen und sich überlegen, ob sie nun eine Pop-Platte oder eine Rock-Platte machen. Man sollte das nicht so sehen. Ich nenne es Rock’n’Roll, manche nennen es Indie, und andere nennen es Pop. Aber eigentlich ist es doch egal wie man es nennt.

Rockszene.de:
Die Platte klingt ein bisschen so, als währe sie live aufgenommen…

Anders Wendin:
Sie ist auch mehr oder weniger live aufgenommen. Ich finde, live im Studio aufzunehmen ist der beste Weg, die Stimmung einzufangen. Du weißt, was du bekommst. Wenn man erst anfängt, nur das Schlagzeug aufzunehmen, dann weiß man nicht, ob der Schlagzeuger das wirklich gut macht, bis man den Bass dazu eingespielt hat. Wenn gleich die ganze Band aufnimmt, erkennt man sofort: Ah, das klingt gut. Und dann klingt es zum Schluss eben auch gut.

Rockszene.de:
Habt ihr bisher immer so aufgenommen?

Anders Wendin:
Ja, haben wir. Mit Moneybrother immer.

Rockszene.de:
Du hast das Stück „Magic Moments“ mit Judith Holofernes von Wir sind Helden als Duett aufgenommen. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande, wie habt ihr zusammen gefunden?

Anders Wendin:
Ich habe diesen Song geschrieben, und als wir mal mit denen live gespielt haben dachte ich: „Das klingt ein bisschen wie ein Wir-sind-Helden-Song“, es klingt nicht wie ein typisches Moneybrother-Stück. Dann habe ich die Gruppe bei ein paar Festivals getroffen, und wir haben uns unterhalten. Wir sind Freunde, und ich habe ihnen von diesem Song erzählt. Es war eigentlich am Anfang gar kein Duett. Ich sagte zu Judith: „Du solltest das Stück singen“. Sie hat das vielleicht falsch verstanden. Sie glaubte wohl, dass ich sie gefragt habe, den Song als Duett zu singen. Ich meine, sie eine nette Lady, also sagte ich „na klar“. Und letztendlich bin ich glücklich darüber.

Rockszene.de:
Habt ihr das zusammen aufgenommen, oder hat sie das separat in einem Studio aufgenommen?

Anders Wendin:
Nein, ich habe ihr den Song runtergeschickt.

Rockszene.de:
Würdest du in dieser Richtung gerne weiterhin mit anderen Musikern zusammen arbeiten?

Anders Wendin:
Es macht Spaß, so etwas zu machen. Weißt du, wann immer du nette Leute triffst, macht es Spaß, mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Rockszene.de:
Ende des Jahres 2006 hast du ein Album mit dem Titel „Pengabrorsan“ in schwedischer Sprache aufgenommen…

Anders Wendin:
Ja, ich habe ein schwedisches Album aufgenommen. Wir verkaufen das auch auf dieser Tour.

Rockszene.de:
Wird die Platte irgendwann auch in Deutschland veröffentlicht?

Anders Wendin:
Ich glaube, das wurde sie schon. Sie lag der neuen Auflage von „Mount Pleasure“ bei. Es kann aber auch sein, dass sie erst in der nächsten Woche oder so rauskommt (Die Mount-Pleasure-Doppel-CD erschien am 29.02.08 bei Columbia Records, Anm. d. Verf.).

Rockszene.de:
Oh, dann war ich wohl zu früh dran…

Anders Wendin:
Das kann sein (lacht).

Rockszene.de:
Magst du es lieber, live zu spielen, oder bist du lieber im Studio?

Anders Wendin:
Ich spiele gerne live, das macht mehr Spaß. Im Studio sitzt du die meiste Zeit nur rum und wartest darauf, dass irgendwer irgendetwas macht. Das ist natürlich auch so, wenn du auf Tour bist, aber ich mag es trotzdem lieber, live zu spielen.

Rockszene.de:
Arbeitest du schon wieder an neuen Stücken?

Anders Wendin:
Sagen wir es so: Wann immer ich eine Idee habe, versuche ich, diese Idee fest zu halten.

Rockszene.de:
Schreibst du auch auf Tour neue Stücke?

Anders Wendin:
Nicht so oft. Aber manchmal sehe ich etwas, oder ich lese etwas, dass ich mag, und dann schreibe ich das auf. Den Rest mache ich wenn ich zuhause bin.

Rockszene.de:
Gibt es eine Gruppe aus Schweden, die du unseren Leser ans Herz legen würdest?

Anders Wendin:
Hmm, ich weiß nicht. Vielleicht sollten die Leute mal die neue Platte Ane Brun auschecken, die ist toll. Das ist eine norwegische Sängerin. Die ist wirklich gut.

Rockszene.de:
Mit der hast du doch auch das Duett „It might as well be now” aufgenommen, das auf „Mount Pleasure“ drauf ist?

Anders Wendin:
Ja, genau. Sie hat gerade ein neues Album herausgebracht.

Rockszene.de:
Singt sie auf norwegisch?

Anders Wendin:
Nein, sie singt auf englisch. Es gibt auch noch ein paar sehr gute Bands aus Schweden, aber wann immer mir diese Frage gestellt wird, vergesse ich die alle. In zwei Stunden fällt mir das wahrscheinlich wieder ein. Es ist immer das gleiche…

Rockszene.de:
Wirst du in diesem Sommer auch ein paar Festivalshows in Deutschland spielen? Oder wird es eine weitere Tour geben?

Anders Wendin:
Ich glaube, im August werden wir vielleicht zurück nach Deutschland kommen und ein paar Festivals spielen.

Rockszene.de:
Aber das steht noch nicht fest?

Anders Wendin:
Nein, dies ist erstmal die Tour. Aber wir müssen auch so noch mal wiederkommen, wir haben ja drei Gigs absagen müssen. Die müssen wir noch spielen, also werden wir wohl in eine paar Wochen wiederkommen. (Die Nachholtermine sind am 15. Mai in Freiburg, am 18. Mai in Linz und am 19. Mai in Salzburg, Anm. d. Verf.).

Rockszene.de:
Stell dir vor, dein Haus brennt. Welche drei Dinge würdest du zuerst in Sicherheit bringen?

Anders Wendin:
Oh, das ist eine schreckliche Frage. Vielleicht eine meiner Gitarre. Wenn mein Mädchen da wäre, würde ich sie vielleicht auch retten (lacht).

Rockszene.de:
Das solltest du wohl tun.

Anders Wendin:
Manchmal habe ich auch ein Bündel Geld zu Hause herumliegen, vielleicht sollte ich mich darum ebenfalls kümmern (lacht). Wenn du dein Mädchen, deine Gitarre und etwas Geld hast, dann brauchst du ja auch nichts anderes mehr.

Rockszene.de:
Eben. Und gibt es Dinge, vor denen du Angst hast?

Anders Wendin:
Hmm, ja. Ich mag es nicht, im Bus zu reisen.

Rockszene.de:
Okay?! Das ist aber schlecht, wenn du auf Tour bist.

Anders Wendin:
Ja, ich mache das die ganze Zeit, aber ich mag es nicht. Und ich mag keine Fahrstühle.

Rockszene.de:
Hast du Platzangst?

Anders Wendin:
Ja. Zumindest mag ich das nicht.

Rockszene.de:
Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?

Anders Wendin:
Keine Ahnung. Vielleicht „Into the Mystic“ von Van Morrison, das ist ein guter Song.

Rockszene.de:
Vielen Dank für das Gespräch.
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