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Rockszene.de Porträt

Reiner Wahnsinn oder wahre Größe?
Die Band Größenwahn aus Göttingen
Ein Bandporträt von Andreas Haug, Fotos von Brigit

Reiner Wahnsinn oder wahre Größe?-Die Band Größenwahn aus GöttingenSitzt man den Jungs und Mädels von Größenwahn gegenüber, so hat man nicht den Eindruck, dass der Bandname Programm ist oder auf das Verhalten der jungen Musiker abgefärbt hat, was auf Grund der jüngsten Erfolge ja durchaus denkbar gewesen wäre. Nein, die Band Größenwahn hat keine Starallüren, lässt kein arrogantes Popstar-Gehabe heraushängen und man scheint auch sonst den augenblicklichen Stellenwert und die Perspektiven der Band durchaus realistisch einzuschätzen.

Andere würden zumindest ein bisschen abheben, würden sie binnen kürzester Zeit mit Angeboten aus der Musikbranche und Fernsehauftritten im ZDF konfrontiert werden. Nicht so Größenwahn aus Göttingen. Trotzdem: Die noch relativ junge Bandgeschichte liest sich fast wie der Beginn eines Märchens aus 1000 und einer Nacht.
Im Sommer 2000 trafen sich Sänger Jojo und Gitarrist Torben beim "Spontanmucken" (lockeres, nicht geplantes und hauptsächlich improvisiertes Zusammenspiel von einzelnen Musikern oder einer Band-d.Verfasser) auf der Nordseeinsel Langeoog. Ergebnis eines dieser Treffen war dann der Song "Langeoog", ein Popsong, dessen Refrain sich sofort ins Ohr bohrt und mit dem man sofort so angenehme Dinge wie Sommer, Sonne, Ferien" in Verbindung bringt. Das gefiel auch gleich dem Kurdirektor von Langeoog und ein erster Sponsor für Song und die sich in Gründung befindende Band Größenwahn war gefunden.

Größenwahn, dass sind sieben junge Leute aus verschiedenen Regionen Deutschlands die sich in Göttingen über ihr Studium kennen gelernt haben: Die Gitarrenarbeit teilen sich Torben und Andre, für den tiefen Ton am Bass sorgt Robert, am Schlagzeug sitzt Andreas, Chris spielt Keyboards, Jojo und Leena leihen der Band ihre Stimmen während Saxophonistin Maya den solistischen Teil der Musik erweitert.

Ihren ersten richtigen gemeinsamen Auftritt spielten Größenwahn am 16.Februar 2001 in der Hamelner Sumpfblume. Man hatte sich für den Emergenza-Wettbewerb gemeldet und sollte auch gleich die Vorrunde überstehen. Im Mai spielten sie dann im Halbfinale des größten europäischen Bandcontest im Musikzentrum Hannover. "Emergenza hat uns viel Spaß und jede Menge Kontakte zu anderen Bands gebracht", stimmen Größenwahn überein. Der Kontakt zu den Punk-Rockern von Mary´s Forbidden Dreams brachte z.B. einen Auftritt im Rahmen des Rock da Haus-Festival Anfang September in Celle. Zuvor ging es im Sommer nach Langeoog, denn da hatte man ja noch aus dem Vorjahr "einen Koffer". Der Kurdirektor war immer noch ganz hin und weg von dem radio-kompatiblen Gassenhauer über seine Insel und so ergab es sich, dass Größenwahn neben sechs Konzerten in Folge auch noch bei den Dreharbeiten eines Kamera-Teams vom ZDF zu einem Bericht über Langeoog eine Rolle spielten. Ihr Song wurde praktisch zum Soundtrack eines Fernsehbeitrags.

"Musik zwischen Unterrock und Minirock", so lautet die Antwort auf die Frage nach dem Stil von Größenwahn. Wer sich darunter wenig vorstellen kann: Rock-Pop mit teils englischen, teils deutschen Texten. Im Anschluss an die "Langeoog-Tour" folgen verschiedene Auftritte in Niedersachsen, u.a. auf dem Altstadtfest in Nienburg, im Café Kreuzberg in Göttingen und im Nashville in Hannover. Mitte September fand sich die Band im Rahmen der "Scouting Days" in den hannoverschen Big House Studios ein, wo unter anderem die Songs "One moment" und "Something will happen to me" aufgenommen wurden. "One moment" wurde kürzlich bei Radio21 vorgestellt. "Diverse Leute haben diesen Song als hitverdächtig bezeichnet und bei Radio21 hat man uns gesagt, dass man dieses Lied sicherlich noch häufiger einsetzen werde", erzählt Bassist Robert von den jüngsten Erfolgen der Band.

"Unser Ziel ist es, die Gelegenheit zu bekommen, einmal für längere Zeit ins Studio zu gehen, einmal unsere gesamtes Repertoire gut aufnehmen zu können", so der Tenor der Musiker auf die Frage, nach den Perspektiven. Alles Weitere will man zunächst mal langsam auf sich zukommen lassen und nicht vorschnell Verträge unterschreiben. Angebote für die professionelle Verwertung einiger Songs gebe es schon, allerdings wurde lediglich für die Titel "Langeoog", "Please love me" und "Nicht zu retten" ein Verlagsvertrag bei der Firma Gaul-Records abgeschlossen.

Für eine so junge Band ist das sicherlich eine ganze Menge, was sich da in den letzten Monaten ergeben hat. Bei ihrem Gig im Nashville offenbarten Größenwahn jedoch, dass sie für ihr Alter und die Dauer ihres Bestehens zunächst eine ganz normale Nachwuchsband geblieben sind. Perfekt sind sie noch lange nicht und ein paar Unsauberkeiten im Zusammenspiel gibt es hier da schon noch. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und das man noch eine ganze Menge Arbeit vor sich hat wissen die Göttinger. Sie sind wahrlich weder abgehoben noch größenwahnsinnig. Und das macht sie wahnsinnig sympathisch.
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