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Tontechniker Martin Kühlechner im Gespräch
Sound-At-Stage, „Ohrgastisch“, Live-Arbeit mit Bands
von Andreas Haug Nicht nur in der Hannover-Szene hat sich Martin Marty Kühlechner mittlerweile einen hervorragenden Ruf als Live-Tontechniker erarbeitet und bei zahlreichen professionellen Club- und Open-Air-Shows als FOH- oder Monitormischer für einen bestmöglichen Sound gesorgt.Vorwiegend trifft man ihn dabei hinter den Mischpulten im MusikZentrum oder bei Konzerten mit Bands wie Muff, Mindwise oder 4Lyn. Mit seinem Techniker-Team von Sound-At-Stage managt er darüber hinaus die technische Komplettbetreuung Ton & Licht von ganzen Festivals, angefangen von der Planung bis zur Durchführung, darunter unter anderem auch das Rockszene.de-Festival 2004 im MusikZentrum. Außerdem ist Martin bei Mikrofonentwicklungen und Tests für die renommierte Firma Sennheiser involviert. Jetzt im März 2005 wird er seine Ausbildung zur Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik im MusikZentrum Hannover abschließen. Im Mittelpunkt steht dabei Ohrgastisch ein Konzert-Paket mit den Bands Muff, Wohnraumhelden und dem Künstler Fred Timm, das am 18.März in besagter Location stattfindet. Wir sprachen mit Martin über die Veranstaltung Ohrgastisch, die Ausbildungsinhalte, stellen seinen Veranstaltungs-/Bandtechnik Rundum-Service Sound-At-Stage vor und haben uns erkundigt, was nötig ist, um bei einem Konzert gemeinsam mit der jeweiligen Band einen guten Sound auf der Bühne und im Saal zu realisieren, damit sich alle möglichst wohl fühlen. Rockszene.de: Das Ohrgastisch-Konzert findet im Rahmen deiner Abschlussprüfung zur Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik statt. Wie kann man sich das vorstellen ? Nimmt da ein Prüfer die Bühne ab, ob alles richtig verkabelt ist und steht während des Konzertes hinter dir am Mischpult ? Martin Kühlechner: Diese Prüfung geht ja über drei Tage: Aufbautag, Showtag und Abbautag. An allen drei Tagen kann ein Prüfer kommen. Meist kündigen sich der oder die Prüfer kurz vorher an. Im Grunde kontrolliert der Prüfer, ob diese Veranstaltung wirklich von mir durchgeführt wird, ob alles den Sicherheitsvorschriften entspricht und auch wirklich die von mir angemeldeten Gewerke (in meinem Fall Ton- und Bühnenbau) von mir eingerichtet werden, das heißt, er nimmt sozusagen die Bühne ab, steht aber nicht während des Konzertes hinter mir. Meistens kommen die Prüfer am Aufbautag. Da passiert am meisten und es ist noch genügend Zeit um Fragen zu stellen. Rockszene.de: Mit Muff, Wohnraumhelden und Fred Timm hast du ein recht namhaftes wie abwechslungsreiches Line-Up für Ohrgastisch auf die Beine gestellt. Warum gerade diese Bands und wie soll der Abend verlaufen, was erwartet die Besucher ? Martin: Die Wahl auf diese Bands fiel eigentlich sehr schnell und einfach. Muff betreue ich nun seit anderthalb Jahren als FoH-Techniker, bei den Wohnraumhelden habe ich letztes Jahr ein paar mal als Mischer ausgeholfen und Fred Timm passt einfach in die Runde. Er war zudem schon oft mit den Wohnraumhelden auf Tour! Dieses Package hat auch schon Anfang letzten Jahres zusammen mit den Schröders gespielt. Es passt einfach gut zusammen: rockig, lustig und einfach gut. Die Besucher erwartet ein wirkliches Rund-um-Wohlfühl-Paket auf zwei Bühnen für lediglich fünf Euro Eintritt. Der Abend soll jedem Besucher das Gefühl auf dem Heimweg geben: Das war Fett! Viel gelacht und dabei noch schöne, laute Rockmusik gehabt! Mit Fred Timm steht zu Anfang ein Mensch auf der Bühne, der eine Garantie für ausgefallene, lustige Musik mit einer gehörigen Portion Hamburger Schmäh ist. Im Anschluss werden die Wohnraumhelden auf der Hauptbühne ihre Ohrwürmer zum Besten geben. Ihre ausgefallenen Texte und ihre Art Musik zu interpretieren sorgen hundertprozentig für Lachkrämpfe. Danach gibts dann nochmal Fred Timm auf der zweiten Bühne bevor Muff auf der Hauptbühne loslegt. Das wird rockig, laut und einfach ohrgastisch. Bei den letztjährigen New Sensation Gewinnern erwartet das Publikum cooler Westcoast-Rock mit zwei quirligen Frontfrauen, die auch für den dazugehörigen Augenschmaus sorgen werden. Abgerundet wird das Ganze durch eine Aftershow-Party mit DJ Goodnews, seines Zeichens Sänger von The delNiros und bekannt von den Alternative Rocksounds-Parties in der Faust. Rockszene.de: Drei Jahre Ausbildung liegen hinter dir. Wie läuft eine Lehre im Bereich Veranstaltungstechnik in groben Zügen ab ? Wo liegen die Schwerpunkte inhaltlich ? Martin: Naja, man hat wie in jedem anderen Ausbildungsberuf seine Zeit im Betrieb und natürlich in der Berufsschule. Dort werden einem das Handwerkszeug und die Grundlagen für diesen Beruf eingetrichtert (schmunzelt). Die Schwerpunkte sind unter anderem Energieversorgung, Statik, Beleuchtungstechnik, Audiotechnik, Bühnenbau und wirtschaftliche Grundlagen. Ein Veranstaltungstechniker soll nach seiner Ausbildung jeden technischen Bereich einer Veranstaltung einrichten und bedienen können. Nennen wir ihn die Eierlegende Wollmilchsau. Rockszene.de: Seit Anfang 2004 bietest du mit befreundeten Technikern unter dem Namen Sound-At-Stage Tontechnik, Bandbetreuung und Tourservice. Was konkret könnt ihr leisten bzw. leistet ihr und welche Projekte sind für euch gerade aktuell und... könnt ihr schon auf Highlights zurückblicken ? Martin: Mit diesem Team bieten wir das Komplettpaket für Veranstalter und natürlich Bands. Tontechniker, Lichttechniker und Eventplaner. Ein eingespieltes Team ist halt für jeden, sprich Bands und Veranstalter, in sofern interessant, da sie sich zurücklehnen können und wir alles klären und machen. In unserem Umfeld agieren auch Werbeagenturen, Druckereien und Medienpartner, die das Paket noch abrunden. Aktuell betreuen wir unsere Bands Muff, Mindwise, Score Set At Zero und vereinzelte Shows anderer Bands. Tobias Kaßecker und ich sind zudem noch die sogenannte B-Crew bei 4LYN und sind mit den Jungs auch des öfteren unterwegs. Unter Highlights buchen wir eigentlich jede Show ab. Natürlich stechen solche Events wie New Sensation, Holland-Shows von Muff, Deutschland-Tour von Mindwise und das Rockszene.de-Festival heraus. Rockszene.de: Wie sind die Ambitionen ? Planst du, Sound-At-Stage mittelfristig als richtige Firma aufzubauen ? Martin: Da scheiden sich noch die Geister. Wir wollen natürlich das Ganze als Team sehen, daher liegt die Entscheidung bei allen in der Crew. Und bekanntlich ist es immer schwer, mehrere Meinungen unter einen Hut zu bekommen. Dennoch geht die Tendenz dahin, eine Firma daraus zu machen. Dahinter liegen aber einige rechtliche und buchungstechnische Schwierigkeiten, die man in Ruhe durchdenken muss. Momentan lassen wir uns den Gedanken auf der Zunge zergehen und warten die kommende Saison ab. Rockszene.de: Du warst in Tests für den renommierten Mikrofon-Hersteller Sennheiser involviert. Was hast du da gemacht ? Warst du an der Entwicklung neuer Mikrofone beteiligt ? Martin: Zu Anfang war es eigentlich nur die technische Betreuung der Tests. Sprich alles in ein relativ neutrales Setting bringen, Einrichten der Technik und Tontechniker am Frontpult. Das ist natürlich weiterhin meine Hauptaufgabe bei diesen Tests wobei ich inzwischen mehr in die Meinungsfindung und Bewertung mit eingebunden werde. Sennheiser legt sehr großen Wert darauf, dass ihre Mikrofone live getestet werden. Ein klinischer Test im schallarmen Raum sagt selten aus, was später auf einer Bühne passiert. Genauso sind ihnen die Meinungen und Wünsche der Nutzer, sprich uns Tontechniker, sehr wichtig. Hier waren Olli Voges und ich in der letzten Zeit stark mit eingebunden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Mikrofone im Labor entwickelt werden und wir sie im MusikZentrum testen, ob sie auch das tun, was sie sollen. Rockszene.de: Damit ein Konzert für die Band auf der Bühne und das Publikum davor richtig gut klingt, welche Voraussetzungen sind in groben Zügen wichtig ? Martin: In groben Zügen......hmmmm nicht einfach, da sehr viele Faktoren zusammen spielen müssen. An aller erster Stelle steht die Band. Wenn die Band gute Sounds anbietet und mit dem Mischer zusammenarbeitet, kann es generell eigentlich nur gut werden. Dann heißt es, den richtigen Bühnenaufbau zu finden. Mit kleinen Tricks kann sich jeder hören, ohne eine zweite PA als Monitor zu brauchen. Dann kümmert sich der Monitortechniker um den Bühnensound. Entkoppeln, klanglich schön bearbeiten und etwas Psychologie den Bands gegenüber anwenden. Der FoH-Techniker entscheidet meist, welche Mikrofone er verwenden will, da diese enorm wichtig für alle Belange sind. Und dann heißt es zusammenarbeiten: Band, Monitortechniker und FoH-Techniker. Nur zusammen ergibt sich ein gutes Ergebnis. Letzten Endes ist natürlich die vorhandene Technik entscheidend wie es wird. Mit einer guten PA, guten Monitoren, schönen Pulten und Outboard kann man viel mehr machen und wirklich Sound gestalten. Rockszene.de: Wenn ein Konzert im Saal oder auf der Wiese nicht gut klingt, eine Band auf der Bühne mit dem Sound (Stichwort: Ich habe mich nicht gehört) nicht zufrieden ist, heißt es oft: Miese Saalakustik, miese Anlage, der Mischer hat keine Ahnung. Stimmen diese Pauschalurteile? Was sollte eine Band in diesem Zusammenhang unbedingt beachten, damit der / die Mischer gut arbeiten kann/können ? Martin: Gutes Stichwort! Es gibt sicherlich Events, die in schlechten Räumen, z.B. Kellergewölbe oder Lagerhallen, stattfinden. Da kann man einfach nichts machen. Anlagen sind immer budget-abhängig, und Geld ist überall knapp. Auch unter den Mischern gibt es Ausfälle. Sei es Alterstaubheit, Stress oder, wie es jedem ergehen kann, dass man schlicht und einfach einen schlechten Tag erwischt. Dennoch kann man immer etwas rausholen, wenn die Band gut anbietet. Und das ist nicht oft der Fall. Unter gut anbieten versteht ein Techniker z.B. dass ein Gitarrist nicht 120dB über die Bühne brüllt. Das hilft keinem. Dadurch wird das Monitoring nahezu unmöglich, in Clubs hört man dann auch nur noch Gitarre vorn (obwohl der Mischer die wahrscheinlich schon aus hat und nicht über die Saal-Boxen laufen lässt) und, was viele vergessen, es stehen gut 20 weitere Mikros auf der Bühne, die diese Brüllgitarre auch noch mit aufnehmen. Die generelle Devise ist: Nur so laut wie nötig, nicht leiser als möglich. Man muss einen Mittelweg finden. Gepflegtes Equipment ist für den Techniker genauso wichtig, wie für die Band. Ne knacksende Klinkenbuchse vom Bass nervt nur. Durchgerissene HiHat-Becken scheppern nur rum. Auch Eingriffe in den jeweiligen Sound sollte man als Musiker akzeptieren. Schließlich wollen wir Techniker ja die Band gut aussehen lassen. Das vergessen die Meisten und fühlen sich dann eigentlich immer persönlich angegriffen. Vertraut dem Techniker! Wenn er dann immer noch Bockmist baut, dann dürfen die Pauschalurteile wieder rausgelassen werden. Rockszene.de: Welches sind deine/eure nächsten wichtigen Projekte mit Sound-At-Stage ? Martin: Wir wollen noch weiter in den Tourbereich vorstoßen. Das ist das eigentlich Hauptziel! Zusätzlich spinnt ganz hinten in meinem Kopf eine Idee herum, die ich mit Olli Voges von den Sickboyz entwickelt habe. Wir denken über einen professionellen Workshop nach, der genau die oben angesprochenen Themen behandeln wird. Das Teamwork zwischen System-Technikern, Backlinern, Monitor- und FoH-Technikern und den Musikern soll hier im Vordergrund stehen. Dort soll dann auch für die Techniker und Bands die Möglichkeit bestehen, auf neuem und großem Equipment zu arbeiten und zu lernen. Aber wie gesagt, das spinnt noch ganz weit hinten in den Köpfen herum. Surftipps zum Thema: www.sound-at-stage.de www.ohrgastisch.de |
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