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Rockszene.de Interviews

Diktatorische Demokratie bei Seedcake
Ein Interview mit Jan „Hage“ Hagerodt
von Andreas Haug

Diktatorische Demokratie bei Seedcake-Ein Interview mit Jan „Hage“ Hagerodt„Druckvolle melancholische Rockmusik aus Göttingen“ bringt die Band Seedcake ihren Stil auf den Punkt. Die 1999 gegründete Formation um Jan Hagerodt (Gesang/Gitarre), Fabian Walter (Keyboards), Jürgen Machel (Bass) und Julian Walter (Schlagzeug) spielte in den vergangenen Jahren zahlreiche Gigs und Festivals in Norddeutschland, darunter auch immer wieder im Raum Hannover. Einer ihrer bis dato größten Erfolge war im Jahr 2002 der zweite Platz im Niedersachsenfinale des Emergenza-Rockwettbewerbs.

Im Januar 2005 warten Seedcake mit einer frisch designten Homepage auf und ein neues Album ist kurz vor der Veröffentlichung. Im Vorfeld ihrer Hannover-Show am 5.Februar 2005 im Rockhouse sprach Andreas Haug mit Jan „Hage“ Hagerodt über den aktuellen Stand bei Seedcake und deren Pläne. Dabei konnte unter anderem auch herausgefunden werden, dass Seedcake bei ihrem gemeinsamen Konzert im Rockhouse mit Quarter To Eleven die QTE´s endlich mal am Krökeltisch bezwingen wollen und was Frauen und Alkohol mit Songtexten zu tun haben...

Rockszene.de:
Hallo Hage, vor Kurzem ist eure neue Website online gegangen: Seedcake optisch in einem sehr professionellen Gewand im Netz und im Studio ward ihr auch....
Habt ihr was „Größeres“ vor 2005 ? Wie ist der aktuelle Stand der Dinge bei euch ?

Jan „Hage“ Hagerodt:
Hi Andreas, Du hast schon das Richtige angesprochen – professionelles Gewand – genau das war das Ziel.
Wir wollten sowohl mit den neuen Aufnahmen, als auch mit der neuen Page professioneller wirken und auch werden. Alles sollte auf einen aktuellen und guten Stand gebracht werden. Unsere letzten Aufnahmen waren ja von 2003 und auch die alte Page war nicht mehr zufriedenstellend. Unser Freund Nils Hoppe von der Webdesign Firma Box6 hat mit der neuen Seite wirklich großartige Arbeit geleistet. Außerdem sind wir jetzt in der Lage, Änderungen bzw. Neuheiten draufstellen etc. selbst zu machen, was toll ist, da ich vom Programmieren genauso viel verstehe wie von Autos. (lacht)
Die neue CD soll sowohl für Bewerbungen sein, als auch für Fans und Freunde, also kein typisches Demo. Was man bisher hören kann gefällt uns sehr gut, es klingt nach uns!

Rockszene.de:
Wo habt ihr die Aufnahmen gemacht und ist eine Release-Party geplant ?

Hage:
Aufgenommen haben wir im „Solaris Music Studio“ in Kalefeld bei Northeim, gemastert wird es von Eroc. Sieben Songs werden es sein, zwar im typischen Seedcake Gewand, aber auch wieder ein bisschen anders als sonst. Sei gespannt!

Für Freitag, den 11. März planen wir eine CD-Release-Party in unserem „Probenort“ Sudheim bei Northeim, zu dem wir Hinz und Kunz einladen wollen. Dort wird es das erste Mal die CD zum Kauf geben, Fans müssen sich also noch ein wenig gedulden. Dafür gibt es Freigetränke und Julian (Seedcake-Drummer-d.Verf.) wird strippen, aber das weiß er noch nicht.(lacht) Nähere Infos dazu folgen.

Wir wollen mit der Aktion allen Fans, Freunden, Kollegen etc. endlich mal Danke sagen und nebenbei eine tolle Party feiern. Ansonsten bleiben die Ziele die gleichen wie immer:
Sich spielerisch verbessern, neue Songs schreiben, mehr Gigs, mehr Bands kennen lernen und natürlich die zwölf vollbusigen Blondinen. Die dürfen nicht fehlen..(grins)

Rockszene.de:
Als Göttinger Band ward ihr in den vergangenen Jahren auch immer mal im Raum Hannover zu sehen und zu hören und habt euch eine kleine Fangemeinde erspielt. Am 05.02.05 seid ihr hier gemeinsam mit Quarter To Eleven live im Rockhouse zu erleben. Welche Erwartungen habt ihr an das Konzert und wird es etwas Besonderes oder gar Überraschungen geben ?

Hage:
Die Erwartungen sind hoch, Hannover ist (auch wenn das immer viele Hannoveraner verneinen) eine tolle Stadt mit tollen Menschen, die prima feiern können. Außerdem müssen wir Quarter to Eleven endlich mal im Kickern besiegen.
Alle können mit einem typischen Seedcake Gig rechnen mit viel Herz und sowohl Klassikern als auch Songs von der neuen Platte. Wir alle sind schon total gespannt und Yogi (Bassist von Seedcake-der Verf.) freut sich ein Loch in den Bauch im Rockhouse endlich mal auf und nicht vor der Bühne zu stehen!

Rockszene.de:
Du hast ihn eben angesprochen. Mit Jürgen „Yogi“ Machel habt ihr seit letztem Jahr einen neuen Bassisten in der Band, der –nicht wie der Rest Band aus dem Raum Göttingen- sondern aus Burgdorf bei Hannover stammt. Wie kam der Kontakt zustande und wie wirkt sich Yogi´s Input auf Seedcake und die Songs aus ?

Hage:
Yogi kannten wir als Fan von unseren vielen Gigs, die wir in Burgdorf im „Johnny B“ gespielt hatten. Als dann der Ausstieg von Goldmann (ehemaliger Bassist-d.Verf.) amtlich wurde, war er der erste an den wir als neuen Basser gedacht haben. Sozusagen die Traumbesetzung am Tieftöner. Schon beim Draufschaffen des Live Sets stellten wir fest, wie viel besser die Songs durch Yogis Spiel wurden. Er ist halt ein richtiger Musiker, der genau weiß wo ein Ton hin muss und harmonisiert mit Julian am Schlagzeug wunderbar.

Rockszene.de:
Ebenfalls aus Hannover kommt euer Soundmann Thomas Lux, der auch noch nicht so lange bei euch im Boot ist. Wie seid ihr an den gekommen und für wie wichtig haltet ihr es, einen eigenen Mischer zu haben ? Ein Hauch von „Luxus“ oder bei Konzerten eine absolute Notwendigkeit ?

Hage:
Tja, das war mehr Glück als Verstand! Thomas haben wir nach einem Gig in „Offenbachs Keller“ praktisch auf dem Klo kennen gelernt
Er begrüßte mich damals mit den Worten: „Ich fand Euch ja geil, aber 10 Euro bezahl ich für die CD nicht!“ Das werde ich glaube ich nicht so schnell vergessen..
So kam eins zum anderen und mittlerweile ist er nicht mehr wegzudenken. Im letzten Jahr spielten wir z.B. einen großen Gig bei einem Open Air in Gütersloh, wo wir alles selbst mitbringen mussten, PA, Licht etc. Das wäre ohne Thomas und unseren Lichtmann Robert natürlich unmöglich gewesen! Außerdem ist er ein klasse Mensch und kann einem ein wichtiges Feedback zu Soundfragen oder Songs geben, das ist schon wichtig.
Natürlich ist ein eigener Mischer für eine Nachwuchsband erst einmal Luxus. Wenn man seinen eigenen Stil und Sound sucht ist er aber mit Sicherheit unerlässlich. Wenn du 20 Gigs im Jahr spielst und dabei von 20 unterschiedlichen Mischern gemischt wirst klingst Du halt auch 20 mal anders. Und schlimmstenfalls auch noch scheiße. Das sollte man nicht vergessen. Da kannst Du manchmal noch so toll spielen oder am Amp rumdrehen, das bringt nix!
An erster Stelle sollte man sich selbst aber bewusst werden wie man eigentlich klingen möchte. Aber das ist auch wirklich eine schwierige und langwierige Sache, bei der wir auch immer noch auf der Suche nach dem endgültigen Ton sind.

Rockszene.de:
Seht ihr euch eher als klassische Liveband oder tüfftelt ihr ihr lieber im Studio ? Wer ist die treibende Kraft hinter Seedcake oder woher kommen eure musikalischen Inspirationen und Einflüsse ?

Hage:
Das kann man nicht so einfach beantworten. Beides macht uns eigentlich gleich viel Spaß! Aber Studio kann zumindest nach einiger Zeit ganz schön nerven. Vom Live spielen kriegen wir eigentlich nie genug!
Ich zumindest finde es wichtiger, ein strahlendes Gesicht im Publikum auszumachen, als im Studio stundenlang am Schlagzeugsound rumzudrehen. Aber das ist meine persönlich Meinung, keine Ahnung was die anderen dazu sagen!?
Seedcake ist eine waschechte „diktatorische Demokratie“. Das heißt, dass wir zwar alle Entscheidungen gemeinsam und einstimmig fällen, aber schon mal einer sagen darf, wo es langgeht. Beim Komponieren und Arrangieren neuer Songs arbeiten wir nach dem alten Prinzip. Einer bringt ein Riff, eine Textzeile, oder einen Beat mit, dann wird gejammt bis sich etwas herauskristallisiert. Und meistens wird dann wieder alles über den Haufen geworfen (lacht). Das dauert zwar lange, sorgt aber dafür das wir nicht zu „verkopft“ an die Sache rangehen. Die Musik stammt also von allen zusammen, lediglich die Texte stammen fast ausschließlich von mir.
Uns hat mal ein Sänger einer anderen Band erzählt das er beim Songschreiben von vornherein darauf achtet, dass es ein potentieller Hit wird, eine gute Hook hat und sich verkaufen lässt. Bei solchen Aussagen kriege ich persönlich leichten Würgreiz.. Wir denken in erster Linie nicht nach, was beim Komponieren passiert, es passiert halt, das ist doch das Spannende daran! Natürlich versuchen wir trotzdem aus jedem Song das Beste rauszuholen.
Inspirationen ziehen wir in der Regel aus allem was um uns und in uns passiert. Natürlich spielen Frauen eine große Rolle, keine Frage. Dazu die passende Menge an Alkohol und fertig kann der perfekte Text sein..

Rockszene.de:
An welche Ereignisse in der bisherigen Bandgeschichte erinnert ihr euch a) gern bis sehr gern und b) nicht so gern bis mit Grauen zurück ?

Hage:
Es gibt natürlich eine Menge Gigs an die man sich gerne erinnert. Das Emergenza Finale 2002 wird wahrscheinlich immer irgendwie ein Höhepunkt bleiben, genauso wie die Auftritte in Burgdorf. Wenn so viele Menschen Deine Songs mitsingen und das, obwohl Du schon von der Bühne runter bist, dann ist das der Hammer, echte Gänsehaut Attacke!

Natürlich gab es auch schwere Momente an die man sich nicht so gerne erinnert. Aber das Verdrängungsprinzip funktioniert bei mir tadellos, ich kann mich deshalb wirklich nicht erinnern (grinst).

Rockszene.de:
Wenn ihr nochmal von vorn anfangen würdet, was würdet ihr dann genauso machen und was eventuell ganz anders ?

Hage:
Ich glaube, wir bereuen als Band nicht besonders viel was wir getan/ bzw. nicht getan haben.
Jeder Fehler bringt Dich ein Stück voran. Jede Erfahrung egal ob gut oder schlecht hat uns geprägt. Wenn wir etwas anders gemacht hätten, wären wir wahrscheinlich heute nicht Seedcake. Allerdings hätte ich mehr Gemüse essen sollen, in dem Punkt hatte meine Mutter schon ganz recht. Aber sonst richten wir den Blick lieber nach vorne!

Rockszene.de:
Was würdet ihr einer ganz neuen, jungen, unerfahrenen Band raten, die sich –vor wenigen Monaten gegründet- nun in die Musikszene aufmacht, mit dem mittelfristigen Ziel, auf gut besuchten Veranstaltungen mit professionellem Ambiente sehr regelmäßig live zu spielen und auch überregional so bald als möglich erfolgreich zu sein ? Sind einschlägige Bandcontests wie z.B. Emergenza oder Local Heroes ein probates Mittel und was haben euch diese Wettbewerbe „gebracht“ ?

Hage:
Wettbewerbe sind leider oftmals die einzige Möglichkeit auf sich aufmerksam machen und sich einem großen Publikum zu präsentieren. Man sollte immer versuchen, das Beste für sich da rauszuziehen. Sicherlich ist das nicht immer alles gutzuheißen was da abgeht, aber wenn Du als junge Band auf einer großen Bühne stehen darfst (und dann noch vor Publikum) ist das doch das Größte! Durch Emergenza haben wir viele Freunde und Fans in Hannover und Umgebung gewonnen. Irgendwer hat mal gesagt, da hat man was um es sich auf die „Fahne zu schreiben“. Das trifft´s!

Ansonsten viel proben, viele andere Bands angucken und manchmal lieber ein Bier trinken gehen anstatt zu proben. Wenn die Freundschaft bröckelt kann man es vergessen. Außerdem sollte ein gewisser Idealismus immer an Bord sein, trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen, die einem immer wieder begegnen muss man an sich glauben und sich nicht verbiegen lassen.

Rockszene.de:
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg !

Hage:
Dir auch vielen Dank!

Seedcake im Netz unter:
www.seedcake.de
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