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Rockszene.de Interviews

Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker im Interview
„Unbreakable“ - Nicht zu alt zum Rocken
von Andreas Haug

Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker im Interview-„Unbreakable“ - Nicht zu alt zum RockenAm Montag, 3.Mai 2004 erscheint das mit Spannung erwartete und einigen Vorschusslorbeeren bedachte Scorpions- Album „Unbreakable“. Richtig straight „nach vorn“ rocken soll die Platte der hannoverschen Band, die seit vielen Jahren als Deutschlands erfolgreichster Rock-Export gilt und mit der neuen Scheibe an Alben wie „Blackout“ und „Love At First Sting“ anknüpfen soll.

Ein guter Grund für Rockszene.de mit Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker ein ausführliches Gespräch sowohl über das Album und die Aufnahmen dazu zu führen als auch über den derzeitigen Stellenwert Hannovers als „Rockcity“ zu plaudern. Und dann hat uns auch interessiert, wie der persönliche Kontakt zu Bands ist, die vor vielen Jahren unter anderem auch im Vorprogramm der Scorpions ihre ersten großen Konzerterfolge feierten, Bands wie Iron Maiden, Metallica, Def Leppard, Van Halen oder Bon Jovi.

Andreas Haug traf Rudolf Schenker am 11.März in Hannover.
Rockszene.de:
Am 3. Mai kommt euer neues Studioalbum „Unbreakable“ auf den Markt. Was ich vorhin hören konnte, klingt die Platte sehr frisch und rockt melodiös und straight nach vorn. „Unbreakable“ – für die Scorpions im Jahr 2004 ein Titel mit Symbolcharakter ?

Rudolf Schenker:
Symbolcharakter insofern, dass wir zeigen wollen, dass die Scorpions nach den all den Jahren immer noch da sind und das nicht in der Form, dass sie sich musikalisch immer wieder selbst reproduzieren und ihrer Geschichte nachjagen, sondern immer noch auf dem Weg sind, zwar auf der Grundlage von Tradition aber vor allem auch Neues zu kreieren.

Rockszene.de:
Was ist in letzter Zeit bei euch passiert ? Wie habt ihr als Band, die man verstärkt mit Hardrock der 70er und 80er Jahre in Verbindung bringt, die letzten Jahre erlebt ?

Schenker:
Ja, die Neunziger zum Beispiel standen nicht unbedingt für uns und unsere Musik. Das war die Zeit von Grunge, den Alternative Geschichten und Hip-Hop. Wir waren dann plötzlich in einer Situation – der Chinese würde sagen: Wenn die Zeit nicht für dich ist, leg dich schlafen und warte, bis die Zeit für dich steht.
Wir haben uns aber nicht schlafen gelegt, sondern uns in Side-Projects engagiert. Wir haben mit „Eye To Eye“ ein relativ experimentelles Album gemacht, wir haben das Crossover-Ding mit den Berliner Philharmonikern gemacht, was für uns eine Herausforderung war. Man muss sich als Musiker auch mal erfrischen, man darf nicht immer in den alten Bahnen gehen, die Musik bliebe dann zwar immer die Gleiche, würde aber immer schwächer und flacher.

Rockszene.de:
Ihr ward vor nicht all zu langer Zeit auch mal wieder in den USA auf Tour ...

Schenker:
Richtig. Mit Deep Purple und Whitesnake. Und da haben wir gemerkt, wie viele junge Kids vor der Bühne standen, die auf Bands stehen, die wir ganz ursprünglich unsererseits inspiriert haben: Nickelback, Aerosmith oder auch AC/DC. Da spürt man, wie wichtig Rockmusik auch heutzutage ist. Die Kids haben von dem Plastikkram die Nase voll. Rockmusik zu hören oder Rockmusiker zu sein, bedeutet, nicht nur Musiker zu sein, das ist eine Philosophie, eine Lebensphilosophie.
Das merken auch die Fans, dass da ehrliche Musik gemacht wird und keine Form von Fast Food. Das kommt auch immer stärker durch und ist wichtig. Das hat sich auch auf das Komponieren der Songs für unser neues Album gezeigt. Man setzt sich wieder mehr mit Riffs auseinander, Riffs, die so richtig aus einem heraus kommen. „Unbreakable“ zu schreiben und aufzunehmen hat uns großen Spaß und Freude gemacht.

Rockszene.de:
Ihr habt hier in Hannover im Peppermint Park aufgenommen. Wie liefen die Sessions ? Gab es besondere Momente und einen Song, den du herausstellen würdest, der eventuell sogar repräsentativ für das Album ist ?

Schenker:
Die Aufnahmen liefen in verschiedenen Stufen. Die Vorproduktion haben wir bei mir im Studio gemacht, da sind einige sehr schöne und interessante Sachen bei rausgekommen, wie zum Beispiel der Song „Remember The Good Time“, der irgendwo auch gut im Kontext „50 Jahre Rock ´n Roll“ zu sehen ist. Diesen Song haben wir im Peppermint dann nicht mit der Frische und Spontanität hinbekommen, so dass wir ihn in der ursprünglichen Form gelassen und als „Garage-Mix“ veröffentlicht haben. Das soll aber nicht bedeuten, dass das Peppermint kein gutes Studios ist, ganz im Gegenteil. Die Atmosphäre, das Know-How der Leute, die technische Ausstattung sind gut, der Aufnahme-und Abhörraum sind sehr gut – man kann dort richtig gut aufnehmen.
Einer meiner Lieblingstitel auf dem Album ist „Love Him Or Leave Him“, der hat ein Power-Riff und geht richtig gut los.

Rockszene.de:
Im Vorfeld wurden Stimmen laut, „Unbreakable“ gehe in Richtung eurer Alben wie „Blackout“ oder „Love At First Sting"...

Schenker:
Ingesamt kann man das schon so sehen und die Vergleiche zu den genannten Alben passen. Es ist aber eher eine Rückerinnerung an die Zeiten von „Blackout“ oder „Love At First Sting“. „Blackout 2004“ sozusagen, aber nicht als Aufguss im Retrosound-Format, sondern „Unbreakable“ soll zeitgemäß bzw. so wie die Scorpions heute klingen.

Rockszene.de:
Was denkst du, was die Leute, vor allem aber eure Fans am neuen Album besonders mögen werden ?

Schenker:
Wir haben uns ja wieder mit den alten Songstrukturen auseinandergesetzt und festgestellt, was die Scorpions in Wirklichkeit sind: Gute Riffs mit guten Melodien, gutem Gesang – das sind die Scorpions und das haben wir wieder gebracht. Manchmal fängst du ja an, deinen Stil zu verwaschen, weil du immer intelligenter arrangieren willst, dabei verlierst du aber die klare Struktur. Ich glaube was die Leute an uns lieben, ist die klare Struktur.

Rockszene.de:
Viele Songs auf „Unbreakable“ gehen nach meinem ersten Höreindruck fast in Richtung melodiöser Rock-Pop mit dem Scorpions typischen Heavy-Rock-Sound unterlegt. Wie seht ihr die Perspektive hinsichtlich MTV, Viva und dergleichen ? Ist eine Single-Auskopplung geplant oder seht ihr euch eher als klassische Album-Band ?

Schenker:
Wir sehen uns in der alten Tradition als Albumband. Ich habe auch immer Schwierigkeiten gehabt, abgesehen von „Rock You Like A Hurricane“ oder „Wind Of Change“ Singles aus unseren Alben herauszupicken. Das wäre so, als hätte man zwölf Kinder und man müsste sich entscheiden, welches Kind das Lieblingskind ist. Das kann man nicht machen.

Rockszene.de:
Nicht zuletzt auch auf Grund eures Erfolges als hannoversche Band weltweit, hat sich irgendwo auch der Begriff „Rockcity Hannover“ eingeprägt. Wie siehst du den Stellenwert Hannovers zur Zeit als Rockstadt aus Sicht eines urhannnoverschen Musikers ?

Schenker:
Die Rockstadt hat sich eigentlich ein bisschen verweichlicht in dem andere Stilrichtungen reingekommen sind. Fury zum Beispiel – ich weiß nicht, ob man das noch Rock nennen sollte, ich sage mal „Die Grenze an Rock“, Victory haben ein neues Album gemacht, das ich aber noch nicht gehört habe, ansonsten gibt´s dann Scooter, die ja wieder eine ganz andere Musik repräsentieren.
Hannover hat aber schon eine Funktion als Rockstadt gehabt, speziell auch durch Bands wie Jane und Eloy. Das müsste eigentlich wieder erneuert werden, gerade in der Zeit, wo Rockmusik sich mehr aktualisiert, würde ich mir wünschen, das neue Bands rauskommen, die diese Art von Rock wieder spielen. Und was die Konzerte angeht, so hat Hamburg Hannover inzwischen den Rang abgelaufen – die hiesige Arena soll wohl so teuer sein, dass es nicht immer gelingt alle Bands zu bekommen, dass der Veranstalter auch noch sein Geld dabei verdient.

Rockszene.de:
Eine Frage noch, und das kam mir beim Lesen eurer Biographie wieder in den Sinn. Bands die heute als Mega-Acts unterwegs sind, siehe Metallica, Iron Maiden oder Bon Jovi, haben ja auch alle mal in der Rolle eines Supports bei euch auf den großen Festivals und Stadionshows in den Achtzigern ihre ersten größeren Erfolge gefeiert. Gibt es da heute noch persönliche Kontakte ?

Schenker:
Natürlich gibt es die. Iron Maiden haben ja kürzlich in Hannover gespielt, wir waren da und haben eine schöne Party gehabt. Zu allen Bands haben wir einen guten Kontakt, auch zu Def Leppard oder Bon Jovi. Als wir vor über anderthalb Jahren mit Whitesnake und Deep Purple in den USA getourt sind, spielten in Chicago einen Tag später Bon Jovi. Klaus (Meine – d.Verf.) und ich waren da und haben uns im Anschluss noch mit Ritchie (Samborra – d.Verf.) und Jon getroffen. Und da unterhält man sich über die alten Zeiten, die Zukunft und und und. Wir haben mit Aerosmith, mit Van Halen einen richtig guten Draht und ein freundschaftliches Verhältnis.
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