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Interview mit Neal Morse
Alles über das Solo-Album „Testimony“
von Andreas Haug Nach der für Außenstehende völlig überraschenden Trennung von seiner Band Spock´s Beard im Herbst 2002 und der Ankündigung, auch für das Super-Prog-Rock-Projekt Transatlantic nicht mehr zur Verfügung zu stehen, meldet sich der Sänger, Komponist und Multiinstrumentalist Neal Morse nach nur einem Jahr Abstinenz vom Musikgeschäft mit seinem Solo-Album Testimony eindruckvoll zurück.Unterstützung erfuhr Neal dabei unter anderem von seinem Freund und Ex-Transatlantic-Kollegen Mike Portnoy (Dream Theater) am Schlagzeug und Techniker Rich Mouser, der bereits bei den letzten Spock´s Beard Produktionen am Pult saß. Wir sprachen mit Neal Morse über die Entstehung des neuen Albums, die für November 2003 bevorstehende Tour, das Thema Songwriting im Allgemeinen und Speziellen und bohrten nach, ob nach diesem opulenten Solo-Werk mit über 120 Minuten Spieldauer, die nächsten Produktionen wieder mit Spock´s Beard oder Transatlantic anstehen. Rockszene.de: Hallo Neal, man kennt dich als einen vielbeschäftigten Musiker, deshalb freut es mich, dass es mit dem Interview geklappt hat. Dein neues Solo-Album Testimony ist im September auch in Europa erschienen. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis ? Ist das bei herausgekommen, was du erreichen wolltest, als du mit dem Schreiben der Songs und den Aufnahmen begonnen hast ? Neal Morse: Ja, ich fühle mich wirklich gut mit dem Album, ich bin sehr zufrieden. Zugegeben, es gibt im Nachhinein immer ein paar Dinge, die man hätte anders machen können. Vielleicht hätte man einen anderen Sänger nehmen sollen (lacht). Nein, nur ein Scherz. Insgesamt bin ich wirklich zufrieden, speziell der Schlagzeug-Sound ist unglaublich gut. Rich (Mouser, der Toningenieur-die Red.) hat einen erstaunlich guten Job gemacht, Mike (Portnoy, der Schlagzeuger-die Red.) ist wie immer klasse und ich denke auch das Orchester kommt gut rüber. Rockszene.de: Welches war der für dich spannendste, der bewegenste Moment während der Arbeit an dem Album ? Gibt es einen für Testimony signifikanten Song ? Neal: Ich weiß nicht welcher Song besonders bedeutsam für das Album ist, aber der Song der mich am stärksten bewegt ist I am willing, obwohl ich ihn noch gar nicht live vorgestellt habe. Wir haben kürzlich unseren ersten Gig in Form einer kleinen In-Store-Performance gehabt, ohne Mike Portnoy, dafür mit meinem guten Freund Mark Leniger am Schlagzeug. Ich war richtig verkrampft und bin gerade so durch das Stück Wasted Life gekommen. Das ist ein interessanter Versuch, das gesamte Album live zu spielen, das ist eine emotional ziemlich bewegende Angelegenheit, weißt du.Der bewegenste Augenblick bei den Aufnahmen für das Album war, den Gesangspart von Oh To Feel Him zu machen. Ich habe mich gefühlt, als wäre Gott mit mir, ich war plötzlich in der Lage, Dinge mit meiner Stimme zu machen, die mir normalerweise nicht gelingen. Ich hatte das Gefühl, dass das ein sehr spezieller Moment war. Rockszene.de: Als ich Testimony das erste Mal durchgehört habe, hatte ich den Eindruck, dass diese Platte so etwas wie die konsequente Fortsetzung des letzten mit dir eingespielten Spock´s Beard Albums Snow ist und Testimony eigentlich das Spock´s Beard-Studio-Album 2003 ist, das man hätte erwarten können, wenn es nicht zur Trennung gekommen wäre. Würdest du da zustimmen ? Neal: Ach ja, das sehen viele Leute so, dass Testimony eine Art Fortsetzung von Snow ist, aber ich sehe das anders. Es sind zwei unterschiedliche Werke. Ich sehe auch Testimony nicht als mögliches Spock´s Beard Album. Ich denke die Band hätte nicht drei Balladen akzeptiert, die stehen mehr auf rockiges Material. Außerdem wäre es, nebenbei bemerkt, eine etwas befremdliche Sache für eine Band, ein Album aufzunehmen, das nur die Geschichte einer einzelnen Person erzählt. Auch wenn ich eine Menge Texte geändert hätte, hätte es nicht wirklich funktioniert, denn dann hätte ich auch musikalisch etwas ändern müssen, denn ich schreibe Text und Musik gleichzeitig. Rockszene.de: Hast du noch Kontakt zu den Jungs von Spock´s Beard und hast du von denen schon ein Feedback bekommen ? Neal: Ja, ich hatte eine Nachricht von Nick (D´Virgilio Spock´s Beard Drummer-die Red.) auf meinem Anrufbeantworter. Nick zeigte sich sehr begeistert. Mit meinem Bruder (Alan Morse-Spock´s Beard Gitarrist-die Red.) konnte ich mich noch nicht treffen, wir haben uns gegenseitig Nachrichten hinterlassen. Aber ja, unser Verhältnis ist gut. Rockszene.de: Ist Testimony ein reines Solo-Album oder gab es noch Einflüsse kreativer Art von Mike Portnoy, Rich Mouser oder anderen an den Aufnahmen Beteiligter ? Neal: Was das Schreiben und die Grundarrangements betrifft, habe ich das meiste allein gemacht. Rich Mouser ist immer ein wichtiger Teil des Produktionsteams und ist verantwortlich für den Sound, Mike Portnoy hat neben dem Schlagzeug auf allen Stücken das Synthesizer-Solo auf Break Of Day gespielt und hat mich bei verschiedenen Teilen des Albums unterstützt und mich beraten. Rockszene.de: Kommen wir zu deinem Songwriting. Hast du da eine spezielle Technik entwickelt oder überlässt du alles der puren Inspiration ? Es gibt ja Leute die sagen, Songs kämen einfach irgendwoher angeflogen, andere bieten regelrecht Songwriter-Workshops an und unterrichten Musiker in Schulen, wie man Songs schreibt, oder schreiben kann. Wie denkst du darüber ? Neal: Ich überlasse alles völlig der Inspiration, wirklich. Ich empfinde das so: Wenn du die zündende Inspiration von oben bekommst, ist es als Songwriter dein Job was draus zu machen. Das ist ähnlich, wie mit Kindern. Gott schenkt dir ein Kind, ein Baby, aber dann vertraut er es dir an, dass du die eigentlich Arbeit machst, dich liebevoll darum kümmerst, umsorgst und das daraus machst, wozu es bestimmt ist. So habe ich das bei Testimony gesehen. Ich glaube es ist nicht schlimm, dass es neun Monate gedauert hat. Ich hatte eine Vielzahl von Inspirationen und Ideen anderer Musiker und es war viel Arbeit, erst mal alle Teile unter einen Hut zu bekommen. Über Songwriting Workshops in Musikschulen weiß ich nichts. Ich war in einigen Schulen, aber mir hat das nicht besonders viel gebracht. Kann sein, dass das was für andere ist, meine Sache ist das nicht. Rockszene.de: Im Herbst kommst du auch nach Europa auf Tour, darunter für zwei Shows auch nach Deutschland. Wie wird das Line-Up der Band aussehen und wie die Setlist ? Planst du einen Mix aus aktuellen und früheren Solo-Songs und Spock´s Beard Stücken, oder ist eine zweistündige Aufführung des kompletten Albums Testimony zu erwarten ? Neal: Wir werden das komplette Album Testimony aufführen mit einer Pause zwischen den Stücken von CD 1 und CD 2. Dann werden wir jede Show mit Spock´s Beard-und Transatlantic-Songs variieren, was bedeutet, dass man am Ende eigentlich mindestens zwei Shows besuchen sollte (lacht). Die Band besteht aus Mike Portnoy am Schlagzeug, Eric Brenton an Violine und Gitarre, Rick Altizer spielt Gitarre und singt eigentlich singt jeder von uns -, Bert Baldwin wird die Keyboards bedienen, Mark Leniger spielt Percussion und Saxofon, Randy George Bass und ich werde singen, Gitarre und Keyboards spielen. Rockszene.de: Was planst du für die nahe Zukunft wenn die Tour vorüber ist ? Gibt es eventuell die Option nach diesem opulenten Solo-Album wieder mit Spock´s Beard oder Transatlantic aufzunehmen ? Neal: Ich habe noch keine Idee was als nächstes kommt. Allerdings habe ich nicht vor, wieder mit Spock´s Beard oder Transatlantic aufzunehmen. Wenn die Tour vorbei ist, ist erst mal Weihnachten und dann werden wir sehen was im neuen Jahr auf uns zukommt und wie sich das Album entwickelt. Ich gehe einfach Schritt für Schritt vor. Rockszene.de: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir viel Glück für die Konzerte und viele gute Ideen und Songs für die Zukunft. Neal: Vielen Dank auch dir. Wir werden sehen was die Zukunft bringt. Oh, und noch ein Tipp für alle Leute die noch mehr über uns, die Tourtermine und dergleichen wissen wollen: Geht doch mal auf unsere Website..... www.nealmorse.com |
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