|
30. Januar 2006
Nichts für radiogeseiergewöhnte Ohren
Skin Diary spielten im S.O.M.A.
S.O.M.A.-Musikclub, Freitagabend, 21:12 Uhr. Überall stehen Grüppchen von Leuten herum, bestellen Bier an der Bar, krökeln, unterhalten sich, warten vor der Bühne.
Es ist nicht so ganz klar: Hat die Vorband nun schon gespielt oder nicht? So wirklich viel passiert gerade nicht. Es läuft Stonerrock, das rote Sofa ist bequem, die Tapete dahinter superschön und der Rest ist so metallisch und spiegelig-kühl wie auch das alte Backstage immer war.
Irgendwann geht´s dann doch los, mit - Überraschung !- der Vorband, die doch noch nicht gespielt hatte. Planediver Pilots nennen sich die fünf Jungs, die da auf der Bühne losdreschen und dabei zunächst schüchtern den Boden angucken. Nach einer zehnminütigen Pause (verdammte Computerkabel aber auch!) geht´s dann weiter und wird besser. „Klingt wie ein großer Rasierapparat“, sagt jemand neben mir über den Gitarrensound und hat damit nicht so ganz Unrecht.
Um halb elf dann Umbaupause. Gleiches Szenario wie vor dem Konzert. In Grüppchen rumstehen, was trinken, krökeln, sich unterhalten.
Um 22:55 Uhr geht´s dann mit Skin Diary weiter. Die sind im Vergleich zur Vorband schon alte Hasen. Die Band existiert schon mehrere Jahre und wurde u.a. vom „Stalker“-Magazin 2004 als Newcomer gefeiert.
Die Show beginnt mit dem Stück „Lie in wait“ von der EP „Divert“, die die Band im übrigen hier in Hannover bei Willi Dammeier im Institut für Wohlklangforschung aufgenommen hat. Dammeier ist auch am heutigen Abend als Mischer eingesprungen und sorgt für einen absolut amtlichen Sound. Es ist frickeliger Rock, den die drei Herren und Sängerin Jessica da auf der Bühne zelebrieren.
Der ist mal ein bisschen funkig, mal eher draufgehauen, ein bisschen verspielt, ein bisschen progressiv. Und ein bisschen schräg und ein bisschen anstrengend und sicherlich nichts für radiogeseiergewöhnte Ohren. Die Musik ist eine interessante Mischung. Eine, für die es Kopf bedarf, obwohl sie in die Beine geht.
Im Übrigen passt die Band auch optisch gut zusammen: Der fast glatzköpfige Pierpaolo an der Gitarre. Auf der anderen Seite Bassist René, der da im Halbdunkeln am Slappen ist und dessen Groove man leider doch noch etwas anhört, dass er das Bandküken ist. Dazu Frank Zappa-Kopie Puya am Schlagzeug und vorn im Rampenlicht die glitzernde, blonde Jessica. Und die weiß, was sie da tut! Mal singt sie katzenartig weich und im nächsten Takt schreit sie sich die Seele aus dem Leib oder stimmt fast opernartige Arien an.
„Es ist fast als würde Tori Amos bei Linkin´ Park singen“ meint meine Begleitung und nippt an seinem Bier. Ja, vermutlich würde das so ähnlich klingen.
Fotos und Bericht: Sarah Ubrig
Copyright: Die Texte und die Fotos in diesem Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum |