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Vielseitig, künstlerisch wie musikalisch Weltklasse: Suzanne Vega...
Vielseitig, künstlerisch wie musikalisch Weltklasse: Suzanne Vega...

...bei ihrem Konzert in Hannover
...bei ihrem Konzert in Hannover

08. Juli 2009

Anderthalb Stunden Wellness

Ein regnerischer Montagabend im Juli. Hier in Hannover, im MusikZentrum ist es Zeit für die ruhigeren, intensiven und besonderen Momente. Ein besonderes Konzert einer besonderen Künstlerin des Genres Singer-/Songwriter ist angekündigt: Suzanne Vega. Der Club ist sehr gut gefüllt, die Atmosphäre kuschelig. Suzanne Vega wird von einem E-Gitarristen und einem E-Bassisten begleitet. Sie selbst greift überwiegend zur akustischen Gitarre und singt, bei einigen Songs aber bleibt die Gitarre im Stativ stehen, dann, wenn Vega mal kurze Ausflüge in Richtung Jazz unternimmt.

Die Amerikanerin zählt zu den sehr vielseitigen ihrer Zunft. Sie tourt mal solo, mal mit kompletter Band, mal, so wie heute, in kleiner Trio-Besetzung. Einem breitem Publikum in Deutschland ist sie Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger bekannt geworden, nicht zuletzt durch ihre Hits „Luka“ und „Tom´s Diner“. Eine nostalgische Reise zurück übernehmen Suzanne Vega und ihre beiden Mitmusiker aber nicht, das Konzert läuft nicht auf Retro/Revival-Kurs „Altbewährtes von früher wieder (lau) aufwärmen.“ Und das ist sehr angenehm. Allein in dieser Trio-Besetzung erhalten neuere, wie ältere Stücke neue Klangfarben und manchmal auch Stimmungen.

Wellness für Ohren, Herz und Seele
Im Mittelpunkt steht Vega´s samtweiche Stimme. Eine Stimme die wie kaum eine andere im weiten Kosmos der Liedermacherinnen so prägnant, so charakteristisch ist. Man mag gern zuhören, man lässt sich zuweilen fesseln und ist in wenigen Minuten heruntergekommen vom Alltag, von dem, was draußen vor der Clubtür passiert oder auch nicht passiert. Das Konzert gleicht einer anderthalbstündigen Wellness-Anwendung für Ohren, Herz und Seele. Beinahe erwartungsgemäß wird in allerhöchster Qualität musiziert, herausragend schöne Kompositionen präsentiert. Es muss schon sehr genau und bewusst kritisch hingehört werden um wenige, kleine Unebenheiten festzustellen.

Wie oder was ist Hannover?
„New York Is A Woman“ heißt ein Song, den Suzanne Vega heute spielt. Sie erzählt einleitend von den vielen Gesichtern der Stadt und bemerkt schmunzelt gegenüber dem Publikum, dass es ihr wohl sagen müsse, wie oder was Hannover denn so sei. Ein Mann? Eine Frau? „Boring“ ist aus einigen schüchternen Zwischenrufen zu vernehmen. Ein wenig Gelächter, dann geht es weiter.

Momente der Langeweile gibt es im MusikZentrum zu keinem Zeitpunkt. Gerade noch lauscht man gebannt den wunderschönen Melodien der Folk-Pop-Balladen, da wird ein anderer Gang eingelegt. Nach jazzigen Klängen schaltet man schon mal ganz vorsichtig in Richtung Blues mit psycho-experimenteller Note inklusive verzerrtem Gitarrensolo Ausführung: extrem. Als vorletztes Stück im regulären Set dann das von Vielen lang erwartete „Luka“, direkt danach eine äußerst smooth groovende Version von „Tom´s Diner“, das das vorläufige Ende markiert. Aber ohne Zugaben entlässt Suzanne Vega das dankbare Hannoveraner Publikum nicht zurück in den Alltag.

Auch viele Musiker, einige bekannte Gesichter aus der hiesigen Szene sind hier und schwärmen zum Teil noch lange nach dem letzten Ton von Suzanne Vega, ihren Songs, ihrer Musik und dem heutigen Konzert.

Band und Crew wollen jetzt noch herausfinden, wie es um Hannover und dessen Nachtleben von Montag auf Dienstag bestellt ist. Es geht auf Mitternacht zu, ein paar Absacker-Getränke sollen genommen werden, gemütliches After-Show-Beisammensein gepflegt werden. Was hat wo noch auf? Was kann man empfehlen? Welche Lokalität liegt in der Nähe des Hotels?

Während Tipps unter verbliebenen Besuchern und Fans die Runde machen, eifrig diskutiert wird, spaziert Suzanne Vega völlig unbehelligt an der Gruppe der durstigen After-Show-Gänger vorbei in Richtung Nightliner.

Andreas Haug Fotos: Brigitte Haug

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