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Sänger Sölti und seine Mitstreiter...
Sänger Sölti und seine Mitstreiter...

... beim Live-Debut auf der heimeligen Bühne...
... beim Live-Debut auf der heimeligen Bühne...

... des Kellers ihres Vertrauens.
... des Kellers ihres Vertrauens.

30. März 2009

Neu und wichtig

Tentakel Deluxe mit Live-Debut

Vielleicht ist es übertrieben gleich von der Rettung der Musikwelt zu sprechen, wie es ein Konzertbesucher während des Debutauftritts von Tentakel Deluxe macht. „Wenn Frank Zappa noch lebte, würde er das spielen. Welche Band wagt es heute noch, verschiedene Musikstile in einen Song zu packen?“ Möglicherweise übertreibt er, aber nur ein wenig. Tentakel Deluxe setzen auf jeden Fall ein fettes, farbiges Ausrufungszeichen in die Welt der Musik.

Es ist ein multimediales Spektakel, das im Béi Chéz Heinz geboten wird. Es beginnt mit einigen Filmausschnitten, die auf zwei Leinwänden gezeigt werden. Der filmaffine Schlagzeuger Stefan Kopka konnte nicht an sich halten und zelebriert filmisch die Rückkehr von vier Musikern der Band Hammerhai auf die Bühne. „Sie sind wieder da“, verkündet schließlich ein Schriftzug, bevor der bunte Mix durch die Musikstile beginnt. Nachhaltigkeitsrockmusik nennt die Band es. Es ist eine Mischung aus Metal, Stoner-Rock, Psychoblues und anderen Stilen der Rockmusik.

Susii, die Keyboarderin von Hammerhai, steht heute vor der Bühne. Eine Besucherin verkündet in Anlehnung daran: „Die Musik klingt wie freigelassenes Testosteron.“ Weit hergeholt ist das nicht. Hier wird Männerschweiß ausgeschwitzt. Düster, bedrohlich, nicht zu ignorieren. Söltis tiefe Stimme sticht wie immer heraus. „Wir haben ein sehr negatives Programm. Als ich mir das in den vergangenen Tagen noch einmal durch den Kopf gehen ließ, dachte ich: Alter Schwede, was müssen die für Probleme haben“, sagt er. Einige Texte beinhalten in der Tat eine tragische Komik. Ein Song heißt „Anlage N“. Sölti erläutert: „Das ist die Anlage, die ihr immer für eure Steuererklärung braucht. Und wenn man die vergisst, dann kommt der kalte Angstschweiß auf die Stirn.“ Er singt davon, dass er mehr Personal braucht und spricht damit wohl vielen aus der Seele.

Nach gut 90 Minuten geht der Auftritt dem Ende entgegen. Im letzten Song vor der Zugabe schreit Sölti in hoher Tonlage verzweifelt und verzerrt die Worte: „Lecker, lecker Rooibustee, lecker, lecker Rooibustee.“ Das nehmen auch die Zuschauer auf. Statt der üblichen Zugaberufe schreien sie heute: „Rooibustee, Rooibustee.“ Einmal kommt die Band noch zurück. Es endet optimistisch. Sölti verteilt rote Rosen an die weiblichen Zuschauer. Dann singt er von der immer wieder aufgehenden Sonne.

Hannover hat eine neue Band. Eine Band, die sich etwas traut. Eine wichtige Band: Tentakel Deluxe.

Tobias Lehmann

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