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Der reisende Folkclub: Red Sky Coven...
Der reisende Folkclub: Red Sky Coven...

...war in der Indiego Glocksee zu Gast
...war in der Indiego Glocksee zu Gast

New-Model-Army-Sänger Justin Sullivan spielt in der Band...
New-Model-Army-Sänger Justin Sullivan spielt in der Band...

...ebenso wie seine Frau Joolz Denby
...ebenso wie seine Frau Joolz Denby

26. Januar 2009

Folk-Club unterm Regenschirm

Red Sky Coven im Indiego Glocksee

Der reisende Folk-Club kehrt zurück: Am Freitag waren Red Sky Coven erstmals nach fast genau 15 Jahren wieder im Indiego Glocksee zu Gast. Am 29. Januar 1994 standen Justin Sullivan, Joolz Denby, Rev Hammer und Brett Selby schon einmal auf der Bühne des Clubs in der Calenberger Neustadt. Hannover hatten sie zwischenzeitlich aber schon einige Male mehr besucht: Das Quartett trat auch in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faust-Gelände und im nicht mehr existenten Altro Mondo in der ehemaligen Passerelle auf. Das dortige Konzert wurde damals sogar mitgeschnitten – einige Passagen des Auftritts sind auf der CD „Red Sky Coven Volume 3“ zu hören.

Joolz erinnert sich noch an den damaligen Abend im Indiego: „This is the second time we’re playing in this club“, sagt sie zur Begrüßung. Manche der Anwesenden können sich daran sogar noch erinnern, wie den Gesprächen der Besucher nach dem Konzert zu entnehmen ist. Dies zeugt auch von der Verbundenheit mit der herumreisenden Truppe. Und man erkennt es auch am Altersdurchschnitt der Besucher, der die 30-Jahre-Marke schon locker überwunden hat.

Wie der Joker aus Batman
Schließlich haben es die Zuschauer an diesem Abend mit einer Institution zu tun: Justin Sullivan ist Sänger der englischen Politrock-Formation New Model Army, die 2007 gleich gegenüber im Capitol gastierte und dort ein erstaunlich frisches Set hingelegt hatte. Und vermutlich kommt Sullivans Hauptband heute noch so energetisch daher, weil sich der Sänger seine Inspiration als Solo-Künstler oder eben mit Red Sky Coven auf den kleinen Bühnen dieser Welt holt. Schließlich stehen dort der Spaß am Spielen und der Kontakt mit dem Publikum ganz eindeutig im Vordergrund. Dies war am Freitagabend auch aus Sullivans Gesicht zu lesen: Immer wieder huschte ihm ein Grinsen über das Gesicht, das den Sänger manchmal fast wie den Joker aus Batman aussehen ließ.

Doch auch wenn Justin Sullivan wohl die prominenteste Person von Red Sky Coven ist (falls man hier überhaupt davon sprechen kann): Ausschlaggebend und den Abend bestimmend ist die wohl dosierte Mixtur des Programms: der Folk-Musik von Rev Hammer, den Singer/Songwriter-Passagen von Justin Sulivan und den vorgetragenen Kurzgeschichten von Joolz Denby, die auch die Moderation des Abends übernimmt.

US-Präsidenten und ein herabgefallener Hund
Die Schriftstellerin, die auch Sullivans Ehefrau ist, stellt Rev Hammer gleich mal augenzwinkernd als die „Amy Winehouse of Folk Musik“ vor. Der eröffnet den Abend, nur mit Akustikgitarre bewaffnet und manchmal unterstützt von Brett Selby am Bass, mit seinen stimmungsvollen Folktiteln. Noch besser als seine Songs sind allerdings die Geschichten, die der Sänger zwischendurch erzählt. Unter anderem lässt er sich über ein Gespräch eines Farmers mit George W. Bush aus, bei dem es um einen auf die Erde herab gefallenen Hund geht, für den die Besitzverhältnisse geklärt werden müssen. Auch über den ersten schwarzen Präsidenten Amerikas lässt sich Rev Hammer aus: Schließlich trage das Weiße Haus seinen Namen nun absolut zu unrecht.

Bei Joolz schweigen dann zumeist die Instrumente. Die Schriftstellerin liest düstere Kurzgeschichten, und die Zuschauer hören still schweigend zu – wie den ganzen Abend lang: Kein Piep ist aus dem Publikum zu hören. Alle hängen an den Lippen der auf der Bühne stehenden Künstler. Joolz präsentiert ihre Geschichten wortgewaltig und schafft es, in den Gedanken der Besucher innere Bilder entstehen zu lassen. Doch auch bei ihr verhält es sich ähnlich wie bei Rev Hammer: Ihre Stärke ist die Interaktion mit dem Publikum, sind die frei vorgetragenen Geschichten, bei der sie sich unter anderem auch über MySpace und ihre dortigen virtuellen „Freunde“ auslässt, von denen sie die meisten nie zu Gesicht bekommt.

Rihanna-Cover unterm Regenschirm
Bis hierhin ist der Abend schon absolut kurzweilig. Doch kommt man nicht umhin, die Auftritte von Justin Sullivan im Rahmen der Red-Sky-Coven-Konzerte als regelmäßige Höhepunkte der Shows zu bezeichnen. Intimer bekommt man den Sänger nicht zu Gesicht – auch wenn man immer wieder stillschweigend bemerkt, dass er der scheueste Künstler des Quartetts ist. Sullivan erzählt wenig und lässt lieber seine Songs sprechen: eine Mischung der Stücke seiner Solo-Alben und umarrangierten New-Model-Army-Titeln. In Zusammenspiel mit den nackten Songs schafft es seine Stimme, eine unglaublich knisternde Stimmung zu erzeugen.

Einen unerwarteten Spaß hat sich die Band für den Schluss aufgehoben: In der Regel spielen die Vier als Zugabe gemeinsam einen Klassiker der Musikgeschichte. In den vergangenen Jahren waren unter anderem „Minnie the Moocher“ und „Wonderful World“ zu hören. Diesmal aber haben sich Red Sky Coven etwas anderes ausgedacht: Rev Hammer spannt einen Regenschirm auf, Joolz gesellt sich zu ihm. Dann schlagen Justin Sullivan und Brett Selby die ersten Töne an – und auf ganz erfrischende Weise singen alle vier „Under my Umbrella“ von Rihanna.

Fotos und Bericht: Daniel Junker

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KOMMENTARE zum Artikel:

 Peter am 27.01.09, 21:27 Uhr
Ein schöner Bericht über einen schönen Abend! Die von Herrn Bush im Witz von Rev Hammer aus dem vorbeiziehenden Schwarm geschossene "duck" war allerdings eine Ente! Hunde fliegen eher selten, auch im britischen Luftraum... Now I wanna be your duck, Peter




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