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Die GEMA reagiert auf Proteste und öffentliche Darstellungen rund um das Thema Tariferhöhungen. Auf www.gema.de gibt es viele, teils komplexe Informationen und Tarifwerke zum Anschauen.
Die GEMA reagiert auf Proteste und öffentliche Darstellungen rund um das Thema Tariferhöhungen. Auf www.gema.de gibt es viele, teils komplexe Informationen und Tarifwerke zum Anschauen.

25. Juni 2009

Abzocke oder Missverständnis?

Musiker und Veranstalter vs. GEMA

Die Wogen schlagen hoch derzeit. Es geht um das „Lieblingsthema“ vieler Konzertveranstalter, Bands und Musiker: Die GEMA, ihre Gebühren, Tantiemenverteilung und die angekündigten Tariferhöhungen. Die Erhöhungen sollen angeblich –so ist oft zu lesen- 600 % betragen. Auf den ersten, flüchtigen Blick ein echter Schocker, für alle die, die sich nur oberflächlich mit der Thematik beschäftigen, die Hintergründe kaum kennen und einige wichtige Zusammenhänge und Details des komplexen für viele auch wenig transparenten Tarifwerkes der GEMA nicht verstehen oder Entscheidendes übersehen.

600% ? Wirklich? Wie das? Werden dadurch bald Konzerte für den Besucher unerschwinglich teuer? Ist es für kleine Clubs, Kulturzentren, kleine Festival-Veranstalter überhaupt noch möglich, zukünftig Konzerte mit Bands zu veranstalten, die nicht zu den großen, publikumswirksamen Stars gehören, also vor allem mit den meisten Newcomer- und so genannten Indie-Acts, die jahrein, jahraus durch die Clubs tingeln?

Von „Abzocke“ ist des Öfteren die Rede vor allem unter dem Hintergrund, dass die Vergütungen aus den GEMA-Gebühren, die die Veranstalter abführen müssen, größtenteils spürbar sowieso nur den Chartstürmern und nationalen wie internationalen Top-Stars zu Gute kämen die täglich auf den großen Radiostationen rauf und runter laufen, in TV-Shows präsent sind, so die Kritiker.

Das liege an dem Verteilungsplan der GEMA. Die meisten kleineren und mittel-großen Bands, fast alle „Independent Artists“ ohne nennenswertes Radio-Airplay würden von der Erhöhung nicht profitieren, am Ende einer Konzertsaison meist nur kleine Euro- oder gar nur Cent-Beträge an GEMA-Tantiemen bekommen, während die Veranstalter, die Packages, Festivals oder Einzelshows mit diesen Bands auf die Beine stellen, voll –und in Zukunft noch wesentlich mehr- zur Kasse gebeten werden und damit teilweise finanziell so stark belastet werden würden, dass eine kostendeckende oder gewinnbringende Durchführung eines Konzertes zunehmend schwieriger, oft gar nicht mehr möglich wäre.

Petition: Musiker + Veranstalter mobilisieren Öffentlichkeit
Was könnte die Folge sein? Es könnte weniger Veranstaltungen geben bei denen diese Bands auftreten können. Festivals und Clubshows mit Newcomern, regionalen Bands? Werden auf Grund der Kostenbelastung wohl kaum noch oder zu für die Bands wirtschaftlich zunehmend unattraktiven, meist auch nicht mehr kostendeckenden Rahmenbedingungen veranstaltet. Punkt. Aus. Basta. Ein aus Musikersicht und für viele kleinere Veranstalter sehr finsteres Szenario.

Konzertagenturen, Bands, Einzelmusiker, Kleinveranstalter und Promotionagenturen senden dieser Tage massenhaft E-Mails aus mit der Aufforderung, eine Petition an den Deutschen Bundestag zu zeichnen.

Der Text der Petition fordert den Bundestag dazu auf, zu beschließen,dass "das Handeln der GEMA auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz,Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft wird und eine umfassendeReformierung der GEMA in Hinblick auf die Berechnungsgrundlagen fürKleinveranstalter, die Tantiemenberechung für die GEMA-Mitglieder,Vereinfachung der Geschäftsbedingungen, Transparenz und Änderung derInkasso-Modalitäten vorgenommen wird."

Medien werden gebeten, dieses Thema publik zu machen. Sollten bis zum 17.Juli 50.000 Unterschriften (digital via Registrierung) vorliegen, werde das Thema auf die Tagesordnung des Parlaments kommen, heißt es in den Aufrufen.

Empörung, Frust und Wut auf Seiten vieler Bands, Musiker und Veranstalter, man ist mal wieder richtig sauer auf die GEMA.

Verschiedene Tarife – Unterschiedliche Anwendung
Dabei scheint es angebracht, kühlen Kopf zu bewahren und sich das Thema „Tariferhöhungen für Konzertveranstaltungen“ einmal genauer anzuschauen. Die GEMA selbst hat am vergangenen Montag eine Pressemitteilung zu dieser Thematik und der augenblicklichen Situation veröffentlicht.Die Informationen rund um die Petitionen zum Thema „GEMA“ seien falsch, es träfe auch nicht zu, dass die Gebühren um 600 % erhöht werden und die Erhöhung beträfe lediglich die Tarife „VK“ und „U K“.

Der für die meisten „kleinen“ Veranstalter, Clubs, Kultur-und Jugendzentren geltende Tarif für „Veranstaltungen mit Live-Musik („U-VK“) sei von der Erhöhung nicht betroffen.Dieser Tarif führt GEMA-Gebühren auf, die sich auf Grundlage der Raumgröße des Veranstaltungsortes und des Eintrittspreises ergeben. Anders ist es, wenn in diesen Einrichtungen eine professionelle Konzertagentur regelmäßig Veranstaltungen durchführt. Für Konzerte dieser Agentur würde ein anderer Tarif zur Abrechnung herangezogen werden.

Erhöhung für Konzert-Unternehmen und Großhallenbetriebe
Erhöht werden soll dagegen der Tarif („U K“), der für Gastspielunternehmen (also die örtliche professionelle Konzert-/Veranstaltungsagentur), Tourneeveranstalter und Großhallenbetriebe Anwendung finden. Großhallenbetriebe sind nach GEMA-Definition Hallenbetriebe mit einem Fassungsvermögen von mehr als 3000 Personen. Hier werden Gebühren prozentual vom Umsatz fällig. Für die Gebührenermittlung herangezogene Umsätze sind hier unter anderem die Einnahmen aus dem Kartenverkauf, aber auch Einnahmen aus Sponsoring. In diesem Zusammenhang plant die GEMA eine schrittweise Erhöhung bis zum Jahr 2014. Im Jahr 2014 sollen letztlich dann 10 % des Umsatzes vom Veranstalter an die GEMA abgeführt werden.

In Fallbeispielrechnungen von Veranstaltern mit fiktiven größeren Hallen- Konzerten mit „angenommenen“ Besucherzahlen im vier-bis fünfstelligen Bereich und „angenommenen“ Kartenpreisen im mittleren bis höheren zweistelligen Eurobereich ergaben sich gegenüber heute Gebührenunterschiede, die, setzt man die Gesamtsummen in ein prozentuales Verhältnis, im ungünstigen Einzelfall schon mal das Ergebnis „600 % in der Summe mehr“ zur Folge hätte.

Jeder will verdienen, aber wie wird der Kuchen gerecht verteilt?
Aber warum die Aufregung, kann man sich fragen? Bei einer unterstellten, dann für die Musiker vorliegenden „fairen“ Lösung hinsichtlich der Tantiemenverteilung, müssten sich ja eigentlich die GEMA-Einnahmen der Bands aus ihren Konzertaktivtäten deutlich erhöhen. Wenn dem so wäre. Dann hätten die Konzertveranstalter allein den Schwarzen Peter, könnten aber mal vorsichtig anfragen, ob mal etwas weniger „Produktionskosten“ respektive Gagen seitens der Künstler zu veranschlagen sind.

In dem beschriebenen Szenario (deutlich vierstelliger Bereich im Hinblick auf die Besucherzahlen, Ticketpreise im mittleren zweistelligen Bereich) kursieren Gagenvorstellungen –auch von Acts, die sich stilistisch Indie/Alternative auf die Fahne schreiben- im deutlich fünfstelligen Eurobereich, pro Auftritt versteht sich, Tendenz steigend. Auch hier ist die Reaktion von einigen Insidern auf das Preis-Leistungsverhältnis das eine Band bietet oder eine Tourneeagentur als Produkt anbietet nicht selten pures Kopfschütteln.

Im Endeffekt wollen hier alle richtig Geld abräumen, Bands, Tourneeagenturen und der örtliche Veranstalter und andere am Konzert Beteiligte möglichst auch. Was geht, wird genommen. Rock´n Roll Idealismus gibt es auch hier nicht, es geht oft schlicht ums Geschäft, nicht ums „klarkommen“, sondern um Gewinnmaximierung, warum auch nicht, solange das Publikum gewillt ist, nahezu jeden Eintrittpreis, egal wie hoch auch immer, für seine Lieblingsband oder sein Lieblingsfestival zu zahlen, sich noch mit CDs und T-Shirts eindeckt und in der Halle noch fünf Biere trinkt und eine Bratwurst verdrückt, dann ist doch für alle alles schön. Die Besucher haben einen unvergesslichen emotional bewegenden Tag oder Abend erlebt, riesig viel Spaß gehabt und die, die dafür gesorgt haben, dass das möglich ist, haben gut, viel oder sehr viel Geld eingenommen.

Und irgendjemand hat immer was zu jammern und fühlt sich ungerecht behandelt. Es geht im Musikgeschäft meist immer um die Frage, wie der Kuchen verteilt wird und vor diesem Kuchen geht es manchmal, wie bei den Geiern raubeinig und egoistisch zu.

Der zweite Tarif, der erhöht werden soll ist der Tarif „VK“. Dieser gilt für so genannte „feste Häuser“, gemeint sind Musikaufführungen in Varietés, Kabaretts und Zirkusunternehmen. Hiervon dürfte die Rock/Pop-Bandszene, weder kleiner „Indie“-Act noch großer „Major“-Star wirklich betroffen sein.

GEMA:“Spezialtarife und Sondernachlässe für Kleinveranstalter“
Dr.Harald Hekker von der GEMA sagt: „Wer sich die Erhöhung der Einzeltarife genauer ansieht, stellt fest, dass die moderate und stufenweise Erhöhung innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren, keinesfalls der von den Veranstaltern genannten "600% Erhöhung" entspricht. Die viel zitierten "kleinen Clubs" sind von den Tariferhöhungen nicht betroffen, da der für diese Veranstaltungen geltende Tarif nicht erhöht wurde.“

Die GEMA erklärt in ihrer Pressemitteilung ferner, dass eine Petition in jedem Fall –unabhängig von der Zahl der Mitzeichner – vom Petitionsausschuss bearbeitet wird.

Außerdem ist die GEMA der Auffassung, dass sie den Bedürfnissen der Kleinveranstalter durch eine Vielzahl von Spezialtarifen und Sondernachlässen auf vielen Ebenen bereits nachkomme. „Um für noch mehr Transparenz zu sorgen, wurden die unterschiedlichen Nachlässe zusammengefasst und veröffentlicht und sind auch unter www.gema.de online für jeden Veranstalter abrufbar.“, erklärt die Pressemitteilung.

Mehr zum Thema unter:
www.gema.de
http://petitionen.bundestag.de

Foto: Screenshot

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KOMMENTARE zum Artikel:

 discotheken.de am 16.11.09, 12:49 Uhr
Leider traegt die GEMA zu einer dramatischen kulturellen und sozialen Verarmung der Gesellschaft bei,die unverantwortlich ist. Besonderst betroffen sind kleine bis mittlere Gaststätten und Lokale auch ländliche Bereiche ,die gerne für ihre Gäste Geselligkeit Tanz und Lebensfreude und Entspannung bieten würden.Leider hat die Gema solche unverschämten Geldforderungen bei Veranstaltungen die in keinem Verhältnis zu den Einahmen vieler Gastronomen stehen Weiterhin wird die undurchsichtige Verteilung der Gema und ihren Verwaltungsapperat von vielen kritisiert. Man sollte dem Veranstalter noch genug Spielraum lassen um kulturelle Einlagen bezahlen zukönnen. Das Resultat wäre ,viele kleine Tanzveranstaltungen mit Kapelle ,Band, allein Unterhalter oder Discothek. Genau das Richtige um Entspannung und neue Kraft zu tanken , Spass an der Musik und der Geselligkeit?. Der Tanz und die Geselligkeit war schon immer etwas besonderes,ein Ausgleich für viel Stress und Verdrossenheit. Es zählt mit zu den besten Jahren in unserem Leben. Abschliessend noch eine ausgesprochene Formulierung der Gema die alles über diese sagt und keinen Kommentar benötigt. Zitat:?Der Zweck der GEMA ist es nicht, Kultur in dem Sinne zu fördern, dass sie verpflichtet wäre, andere Kulturschaffende oder Kultureinrichtungen, etwa Veranstalter, zu fördern, sondern sie ist dafür da, so viel Geld wie nur möglich für ihre Mitglieder zu beschaffen!? (nmz)


 Johanna S. am 06.08.09, 17:11 Uhr
Warum sollen Kleinveranstalter (vorwiegend deutsche Acts) 'das Gleiche' zahlen wie Großveranstalter (vorwiegend ausländische Acts)? Mit Kulturföderung hat das aber auch rein gar nichts zu tun. Es muss so sein, dass Kleinveranstalter DEUTLICH WENIGER an die GEMA abführen, als bisher und das Prozedere transparent ist. Daran denkt die GEMA aber nicht mal im Traum. Es soll mehr in die Kasse, da die GEMA Erträge aus dem Tonträgerverkauf im Sturzflug nach unten krachen. Ausserdem alles so kompliziert wie möglich, damit auch ja keiner durchblickt. und wo landet das Geld? In den Taschen einiger weniger, vor allem natürlich der Musikkonzerne, die im großen Stil, wie z.B. Bertelsmann, die Rechte aufkaufen. Wer glaubt, die GEMA sei Sachwalter des 'armen Komponisten', der glaubt wahrscheinlich auch an den Osterhasen...


 Jan Jacobsen am 25.06.09, 14:12 Uhr
Ein guter Artikel, weil er die "Panikmache" (600% Steigerung), mit der wir seit Wochen bei myspace und anderswo bombardiert werden, relativiert und einige Informationen liefert, die in den Panikmails fehlen. Trotzdem: Die Petition fordert den Deutschen Bundestag auf zu beschließen, die GEMA in Hinblick auf einige Punkte zu überprüfen. Das ist auf jeden Fall sinnvoll, denn so wie die GEMA im Moment strukturiert ist (untransparente komplizierte Verteilungsschlüssel usw.), öffnet sie Missverständnissen Tür und Tor, wodurch sich dann auch ein gewisser "Abzocke"-Ruf, der der GEMA seit jeher anhaftet, erklärt.




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