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Hungrig und durstig: Die hannoversche Band Pocketsize...
Hungrig und durstig: Die hannoversche Band Pocketsize...

...brachte am Donnerstag im Rocker...
...brachte am Donnerstag im Rocker...

...rohen Punk-Rock auf die Bühne
...rohen Punk-Rock auf die Bühne

24. Januar 2009

Das Jahr 1868 und der Punk danach

Pocketsize stürmisch im Rocker

„Ohne das Jahr 1868 würde es uns gar nicht geben, da wären wir gar nicht hier“ erklärt Pocketsize- Gitarrist Manuel den fragend dreinblickenden Konzertbesuchern im Rocker.

Sofort arbeiten die Hirne der historisch Interessierten. Nein, das kann nicht sein. Die vier jungen Musiker hier auf der Bühne des hannoverschen Rockclubs können einfach nicht ein Erstentwurf jener Untoten sein, die nach Einbruch der Dunkelheit real lebenden Menschen das Blut aus dem Hals saugen. Bram Stoker´s Roman „Dracula“ erblickte schließlich erst im Mai 1897 das Licht der Welt. Und untot sehen die Jungs von Pocketsize heute Abend im Rocker auch nicht gerade aus. Ganz im Gegenteil.

Pocketsize spielen gerne Punkrock, gerne schnell, gerne hart und gerne laut. Und ebenso gern genießen sie ein aus Hannover stammendes Bier, benannt nach einer gleichnamigen Brauerei, die 1868 hier in der Leinemetropole gegründet wurde. Hätte man sich ja gleich denken können, zählt doch die Biermarke, die ebenfalls mit dem Buchstaben H beginnt zum Kultgetränk vieler hannoverscher Bands, besonders der Punk-Rock-Bands.

Pocketsize widmen ihrem Lieblingsgetränk einen Song mit dem Titel „Whisky And Wine“, der dann auch gleich im Anschluss ebenso herzhaft durch die Boxen gejagt wird, wie nahezu der gesamte gut einstündige Set. Dass die Besucher im Rocker dagegen lediglich mit einem ursprünglich aus Bremen stammenden Bier die quicklebendige Show von Pocketsize verfolgen, tut dem Spaß keinen Abbruch.

Die Band um Drummer Max, Bassist Benito, Gitarrist Manuel und Sänger und Gitarrist Swen lässt bei ihrem heutigen Konzert keine Kompromisse zu. Es wird gegessen auf den Tisch kommt und das ist nicht nur Punk-Rock. Zuweilen blitzen Zutaten aus dem Schrank mit der Aufschrift „Core“ auf, kombiniert mit Metal-, Hard-und Emo-, besonders in instrumentalen Zwischenspielen und Breaks. Da ist man doch flexibel und spielt sich die Seele aus dem Leib. Die Band geht unvoreingenommen mit viel jugendlichem Eifer zu Werke, wie eine Horde junger Pferde, die sich noch weigern, von irgendwelchen hinterher eilenden Viehtreibern zugeritten zu werden. Auch „The Unknown Stuntman“ aus der Colt-Sievers-Reihe bekommt von Pocketsize die Peitsche.

Das hier ist kein angepasster blank geputzter Punk-Rock sondern Punk-Rock in seiner rauen und rohen Variante. Nichts für´s Radio oder die US-Single-Charts, sondern Musik für die Straße, für die Keller, für die Clubs.

Pocketsize mögen hier und da noch reifen, was Technik und Zusammenspiel angeht, dort aber, wo manchmal noch die Tür zum sauberen Ton klemmt, wird sie einfach eingetreten. Punk-Rock der Marke Pocketsize ist eben ursprünglich, durchaus charmant und unverbraucht. Die Älteren dürften sich dabei zwar nicht mehr an das Jahr 1868, wohl aber an die Jahre 1976/77 erinnern. Lang, lang ist´s her. Darauf noch einen Schluck aus der dunkelbraunen Flasche und ab in die Federn.

Andreas Haug Fotos: Oliver Kurtz

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