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22. Januar 2009
Chaos und Routine
No Use For A Name in der Faust
Punk ist Chaos und Anarchie? Von wegen! Dieser kalte Dienstagabend in Hannover zeigt, dass auch Punkrock-Shows ihre festen Regeln haben – und so beginnt das Konzert von Only Crime und No Use For A Name schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Anfang mit dem lokalen Support Fat Belly. Der Fünfer um Sänger Benny hat sich in Hannover schon einige Lorbeeren erspielen können und in den letzten Monaten das erste Album aufgenommen. Nun also der Ausbruch aus dem Studio auf die Bretter, und das als Support der Jugendhelden. Besser kann es für die fünf gar nicht laufen, und das merkt man ihnen auch während ihrer halbstündigen Show an.
Fat Belly spielen ein druckvolles Set mit vielen schnellen, aber dennoch sehr melodiösen Nummern, und haben sichtlich Spaß dabei. Die Zeit im Studio hat den Songs den letzten Schliff gegeben, live können die Hannoveraner sogar nochmal einen drauf setzen. Benny fegt über die Bühne, spielt mit dem Publikum – und gibt für den letzten Song das Mikrofon an Gitarrist Stephan weiter, der seinen Job genau so engagiert macht. Mit dieser Show haben sich die Hannoveraner sicher viele neue Freunde gemacht, am 18. April sind sie im Rahmen des Shut Up & Play Fun-Festivals wieder in Hannover zu sehen – dann mit einer richtigen Headliner-Show.
Etwas heftiger wird es dann mit dem Tour-Support Only Crime, einer relativ neuen Formation, die sich aus verdienten Punkrock-Recken aus ganz Amerika rekrutiert. Ziel war es damals, die Punk-Routine zu unterbrechen, eingetretene Pfade zu verlassen. Und das gelingt ihnen auch an diesem Abend – allerdings eher im negativen Sinne. Der Sound wird derart dumpf und brachial, dass von den ohnehin schon recht verworrenen Songs nicht mehr viel beim Publikum ankommt. Viele Breaks und harte Gitarren wechseln sich mit schnellen, melodiösen Parts ab, das merkt man aber erst, wenn man die Musik zu Hause über die Heimanlage noch einmal rekapituliert. Immerhin – bei Only Crime stehen Chaos und Anarchie, diese vermeintlichen Wurzeln, immer noch (oder wieder?) hoch im Kurs.
Richtig kuschelig wird es in der ohnehin schon sehr vollen 60er-Jahre-Halle dann bei den Kaliforniern von No Use For A Name, die bereits seit 22 Jahren unterwegs sind. Allerdings sind von den Gründungsmitgliedern nur noch zwei übrig, vor allem Gitarristen werden bei NUFAN schnell verschlissen, einen, Chris Shiflett verlor man 1999 an die Foo Fighters. Doch auch in der aktuellen Besetzung mit Dave Nassie (Ex-Suicidal Tendencies) an der Lead-Gitarre machen die vier Herren auf der Bühne einer sehr gute Figur, geben sich abgeklärt und routiniert, was ihnen nach über 20 Jahren Punk-Geschäft wohl auch niemand übel nehmen wird. Vor der Bühne ist vom ersten Ton an die Hölle los, ein Stagediver jagt den Nächsten. Auf der Bühne wiederum jagt ein Evergreen den Nächsten, dazwischen gibt es immer wieder Kostproben aus dem neuen Album „The Feel Good Record Of The Year“, das demnächst auf Fat Wreck Chords erscheint.
Am Ende sind alle glücklich. Die beiden Bands aus den Staaten waren mal wieder im alten Europa, die Fans vor der Bühne haben mal wieder ihre liebsten Songs gehört. Am glücklichsten aber sind wahrscheinlich die fünf Jungs von Fat Belly, die einmal mit den Helden ihrer Jugend auf der Bühne stehen durften. Und mit Blick auf die erbrachte Leistung lässt sich sagen: Das könnte erst der Anfang sein.
www.myspace.com/fatbellymusic www.myspace.com/onlycrime www.myspace.com/nouseforaname
Bericht und Fotos von Paul Schüler
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