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Soon Is Now
Soon Is Now

Lem
Lem

Puppies On Acid
Puppies On Acid

20. November 2006

Vorfreude, Freude und die Show dazu

Lem, Soon Is No u.a. im S.O.M.A.

Heute ist Weihnachten. Heute ist Halloween. Heute ist Pfingsten und Ostern. Und außerdem haben wir alle Geburtstag. So ungefähr fühlt sich die Vorfreude darauf an, gleich die Bands Lem und Soon Is Now im Paket sehen zu dürfen. Lem sind schon lange nicht mehr aufgetreten, aber ihre Musik dürfte von denen, die seinerzeit von ihr erfasst wurden, unvergessen sein. Und auch Soon Is Now, die alten Hasen in neuem Gewand, wissen wie das Gefühl zum Klingen gebracht wird. Die Musik beider Bands ist durchaus ähnlich, zum Träumen, zum Alltag-vergessen, zum Verschmelzen. Aber im Kopf lauert dann auch schon wieder die Skepsis. Ist die Vorfreude vielleicht so groß, dass man enttäuscht werden muss? Die Ungeduld der Zuschauer im S.O.M.A. liegt fast spürbar in der Luft. „Die sollen endlich anfangen!“, sagt jemand und nimmt fahrig noch einen Schluck Bier.

Ein wenig müssen wir aber alle noch warten, denn der Abend beginnt mit den Puppies On Acid aus Oldesloe. Für die ist es natürlich ein undankbarer Job. Die Zuschauer kennen sie nicht, die Zuschauer wollen eigentlich die beiden anderen Bands sehen und hören. Die Puppies On Acid spielen alternativen Rock mit einem ordentlich Bumms. Sänger Patrick singt relativ hoch, was Erinnerungen an Bands wie Muse aufkommen lässt. Schlecht ist das nicht und es gibt auch Applaus. Aber letztlich warten doch alle auf die Highlights des Abends.

Das erste kommt in Gestalt von Lem. Sie beginnen mit einem Song aus alten Tagen und die Erinnerung ist sofort wieder da: Diese tighte Musik, diese Stimme! Die Band tritt heute komplett ohne elektronische Unterstützung an, was der Musik aber nicht schadet. Eigentlich hatten sie geplant, mit der in Hannovers Szene bekannten Cellistin Wiebke Hempel aufzutreten, die aber leider kurzfristig erkrankte. Für den Zuschauer sind das alles Informationen, die er höchstens nebenbei aufnimmt, denn sobald die Musik beginnt, schwebt der Kopf wieder in den Wolken. Lem haben diese faszinierende Fähigkeit, komplett in ihrer Musik zu versinken. Sänger Morten geht einmal von der Bühne und singt oder schreit vielmehr das Publikum an. Doch bewusst wird er das gar nicht wahrnehmen. Er wirkt wie ein Teil der Musik, wie eine menschliche Hülle, deren Inneres mit der Musik davon fliegt. Am Ende gibt es einen ungewöhnlich langen Applaus und laute Zugaberufe. Die Band freut sich, hat das schon lange nicht mehr erlebt. Wir freuen uns auch: Schön, dass es euch noch gibt!

Für den Headliner des Abends, Soon Is Now, wird es jetzt ungeheuer schwierig, das noch zu toppen. Sie versuchen es auch nicht, nehmen aber die Stimmung auf und tragen sie weiter. Sänger Kai ist in seinen Ansagen zwischen den Songs lockerer als Morten, schafft es tatsächlich, das Publikum direkt vor die Bühne zu „zwingen“. Und auch in diese Musik kann man sich fallen lassen wie in einen langen, warmen Traum. Man gleitet davon auf dem Sound der Musik, auf dem Klang der Stimme. Dann scheinen die Zuschauer aber doch genug von der Livemusik zu haben. Als Soon Is Now von der Bühne gehen, bleiben die Zugaberufe aus. Kai kommt etwas unsicher wieder und sagt: „Wir wollen gerne noch einen spielen. Wenn ihr nichts dagegen habt, machen wir das jetzt einfach.“ Ein eher intellektuell aussehender Typ murmelt zu seiner Freundin: „Das waren definitiv die Besten.“ Nur laut kundtun würde er diese Meinung vermutlich nicht. Die Vorfreude wurde erfüllt. Das Wort Intensität hat eine neue Bedeutung bekommen!

Fotos und Bericht: Tobias Lehmann

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KOMMENTARE zum Artikel:

 Arman Gregor am 23.11.06, 16:17 Uhr
Vielen Dank für den schönen Artikel. Als Teil der Band Soon is now geht der mir natürlich runter wie Öl. Soll nicht unerwähnt bleiben, dass es wirklich sehr erfreut, über den eigenen Gig so gelungene Reviews zu lesen! hoffentlich bis zum nächsten Gig Arman


 Patrick am 20.11.06, 13:00 Uhr
Danke für die freundliche Erwähnung. Da melden wir uns doch gleich mal selbst zu Wort. Vor allem der Vergleich mit Muse erfreut uns natürlich. An den Stellen an denen ich hoch singe, könnte das echt hinkommen. Dass der Job insgesamt undankbar war.. naja stimmt. Aber so ist das halt als relativ unbekannte Band in einer Stadt die für die meisten eigenen Fans nicht um die Ecke liegt und in der man noch nie gespielt hat. Dass das Publikum bei uns auf die anderen Bands gewartet hat, stimmt nicht so ganz. Sagen wir eher: Das Publikum war zum Großteil noch gar nicht vor Ort ;-). Ein Punkt der mich auswärts immer ärgert, aber umgekehrt bei unseren Heimspielen wohl ehrlicherweise auch nicht anders wäre, wenn die Supportband die Bühne betritt. Insgesamt ein netter Konzertabend




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