|
19. Januar 2009
Leben passiert, Pop auch
Radiopilot und IKF spielten im MZ
Samstagabend im MusikZentrum. Es ist mal Zeit zu verschnaufen, die Extremitäten zu lockern und modernen, jungen Gitarrenpop an sich heranzulassen. Das ein oder andere Getränk darf dabei auch nicht fehlen und der ein oder andere Plausch vor und in der Halle wird ebenfalls rege geführt. Der diesjährige John Talent Award hält an diesem Wochenende einen prall gefüllten Stundenplan bereit.
14 Bands durchlaufen ein Bühnenpräsenz Coaching und spielen jeweils Samstag und Sonntag vom Vormittag bis in den späten Nachmittag ihre Live-Sets, bekommen ein Feedback von den Coaches, feilen nochmals an ihrem Auftritt und spielen dann nochmal alles für eine Ton-und Videoaufzeichnung, die dann abermals einer Jury vorgelegt wird, die darüber befindet, welche Acts in der letzten Runde des John Talent Awards 2008/2009 an der Live-Contest-Reihe teilnehmen.
Da kommt die Party am Samstagabend für alle Beteiligten Musiker und Macher und für die erschienen Fans der Bands IchKannFliegen und Radiopilot gerade recht. Einfach mal zuhören, sich fallen lassen, feine Melodien und ebensolche Arrangements durch die Ohren perlen lassen, wie bei der Show von Radiopilot. Oder aber des Öfteren tanzen und springen wie bei dem Auftritt von IchKannFliegen.
Zu der Fotogalerie mit beiden Bands:Bitte hier klicken
Um kurz nach 21 Uhr legen IchKannFliegen in fast gewohnter Manier los. Treibende Gitarren und Bass dazu ein knallig-grooviges Schlagzeug plus die bei den zahlreichen jungen Fans vor der Bühne so heiß geliebten Harmoniegesänge, die einige Ohrwurmmelodien hervorbringen. Einige neue Songs haben IchKannFliegen heute im Gepäck, die noch konsequenter in Richtung Pop gehen als die ersten Tracks mit denen die Hannoveraner Anfang 2006 an den Start gingen.
„Da oben steht die Polizei“, sagt Sänger Niko schmunzelnd und verweist auf die JLTA-Teilnehmer-Bands oben auf der Empore. „Wenn das hier bei euch da unten nicht gleich mal völlig abgeht, dann findet das die Polizei gar nicht gut“, kündigt Niko mögliche Konsequenzen an. Verdutzte Gesichter bei einigen in der Halle, ein breites Grinsen bei anderen. Klar, die berüchtigte Musikerpolizei ist gemeint, die aber hier gar nicht so auf den Plan tritt. IchKannFliegen machen mit einer neuen Nummer mit Disco-Groove-Appeal weiter, im Publikum wird getanzt. Klappt doch. „Achtung: Single, Marktpotenzial wird jetzt ausgelotet“, sagt einer und ein anderer fragt: „Sag mal, ist da oben wirklich die Polizei? Und wenn ja, warum? Ist was passiert?“
„Leben passiert“ heißt das Debütalbum von Radiopilot, ehemalige Teilnehmer des John Lennon Talent Awards und anno 2009 für Außenstehende mit dem Status einer Newcomerband die „es geschafft“ hat. Ein Album das bei einer Major-Plattenfirma erschienen ist und absolvierte Touren mit Branchengrößen wie Juli oder Ich+Ich. Im MusikZentrum haben Radiopilot verhältnismäßig groß an Technik aufgefahren. Visual-Animationen laufen über mehrere Fernseher, einiges an Elektronik ist am Start und an den Mikrofonen erkennt man kleine Kameras, die die Musiker ins Visier nehmen. Bei Radiopilot passiert nicht nur Leben sondern auch Pop.
Moderner Pop im Deluxe-Format mit viel Kreativität hier auf die Bühne gebracht. Sehr guter Sound, routinierte Bühnenperformance, alles passt, alles ist hochprofessionell. Lediglich diejenigen im Publikum, die im Anschluss an das IchKannFliegen-Set mit einer Steigerung in Richtung „Kick-Ass-Gitarren-Pop“ mit Party-Faktor gerechnet hatten, reagieren auf Radiopilot mit eher vornehmer Zurückhaltung und maximal höflichem Applaus oder treten schon mal den Heimweg an. Jedermanns Sache ist der Pop Marke Radiopilot hier wohl nicht. Aber Leben passiert halt. Auch hier in Hannover.
Der Großteil des Publikums fühlt sich augenscheinlich wohl mit der durchdachten und pfiffigen audio-visuellen Inszenierung. Das dürfte bei vielen, die Radiopilot heute womöglich das erste Mal gesehen haben ebenso im Gedächtnis bleiben, wie der Hang der Musiker zu geringelter Oberbekleidung. Schon beim Stars-In-The-City-Finale im September 2006 im Capitol fielen Radiopilot durch ihre Ringel-Pullis auf. Heute sind es farblich abgestufte Ringel-T-Shirts. Mögen die Songs der Band noch nicht immer gleich auf Anhieb packen oder hängen bleiben, ihr Auftritt mit den diversen Accessoires bleibt es.
Andreas Haug Fotos: Katharina Geber
Copyright: Die Texte und die Fotos in diesem Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum |