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Rockte im Rahmen seiner Tour auch auf der Gilde-Parkbühne in Hannover: Billy Idol (Foto:mlk.com-Pressefreigabe)
Rockte im Rahmen seiner Tour auch auf der Gilde-Parkbühne in Hannover: Billy Idol (Foto:mlk.com-Pressefreigabe)

Brian Tichy, hier bei einer Show mit Foreigner im Dezember 2007 in Hannover, zeigte auch in der Band von Billy Idol so manches Kunststück mit seinen Sticks
Brian Tichy, hier bei einer Show mit Foreigner im Dezember 2007 in Hannover, zeigte auch in der Band von Billy Idol so manches Kunststück mit seinen Sticks

18. Juli 2008

Entertainment mit Nostalgie-Faktor

Billy Idol auf der Gilde Parkbühne

Das Intro kommt vom Band und zieht sich lange hin. Die Scheinwerfer gehen an, und stürmischer Jubel tönt über den Platz, als die ersten Klänge von „Cradle of Love“ durch die Boxen schallen. Dann steht er plötzlich da, der mittlerweile 52-jährige Rocker aus England: Billy Idol posiert vor dem Publikum, und schon röhrt er die ersten Zeilen seines alten Hits ins Mikrofon.

18 Jahre ist es her, seit er sein Album „Charmed Life“ auf den Markt gebracht hat – und auf dem eben dieser Titel veröffentlicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Idol, der bürgerlich William Michael Albert Broad heißt, schon fast zehn Jahre lang der gefeierte Hochglanz-Punk, den er sich heute noch gibt. Dass die damalige Punkmusik mit der heutigen nur noch wenig zu tun hat, wird einem hier unweigerlich vor Ohren geführt, dominierten doch damals noch Keyboards den Sound, der heute von krachigen Gitarren bestimmt wird: Eine Riesenportion Glam gehörte damals einfach noch zu diesem Stil mit dazu, war er doch schon darauf ausgerichtet, auch im Radio und Fernsehen zu funktionieren – anders als bei den Kollegen der Sex Pistols und The Clash, die sich eher auf die rohe Wucht ihrer Klänge verließen.

Gleich nach dem Start folgen „Dancing with myself“ und „Flesh for Fantasy“ - Idol weiß, dass die Fans vorrangig seine alten Klassiker hören wollen, und die gab es am Mittwoch zuhauf an der Gilde Parkbühne zu hören. Kaum ein Song, den die Zuhörer nicht kennen, selbst wenn sie nicht immer Idol-Fans waren. Denn es ist schon verwunderlich, wie viele der Stücke einem über die Jahre in Erinnerung geblieben sind.

Der Klang ist von Anfang an perfekt – anders als bei der Vorgruppe EL*KE, die mit einem blassen Sound zu kämpfen hatten. Schade, denn wer die Berliner mal im Club gesehen hat, der weiß, dass die Töne dort ganz anders – nämlich druckvoll und aggressiv – ausfallen. Das Schlagzeug klingt wie eine Blechdose, die Gitarren sind dünn, der Bass wummert dumpf vor sich hin, und auch die Stimme geht in dem Soundbrei unter. Viel zu leise ist es auch noch, und man wird das Gefühl nicht los, dass das so geplant war, um dem Hauptact des Abends stimm- und klanglich voll zur Geltung kommen zu lassen. Da stellt sich schnell die Frage, warum man überhaupt eine Vorgruppe für so ein Konzert braucht, wenn es doch offenbar nur als den Bierkonsum hochtreibendes Beiwerk angesehen wird.

Doch zurück zu dem 52-jährigen Briten: Von weitem sieht er immer noch frisch und jung aus, erst von nahem ist zu erkennen, dass er viel gelebt und bereits ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Sein wasserstoffgefärbter Blondschopf ist nur noch in dem Haarspitzen vorhanden, darunter dehnt sich dezentes braun aus. Und auch vor Falten ist der Mann nicht gefeit, sind sie doch eindeutig in seinem Gesicht auszumachen. Gitarrist Steve Stevens hingegen kommt mit Bill-von-Tokio-Hotel-Frisur auf die Bühne – da sieht man schnell, wo die erfolgreichen Jungspunde sich ihre Haar-Inspirationen geholt haben. Was erstmal leicht lächerlich aussieht, macht er allerdings mit seinem Gitarrenspiel mehr als wett – er spielt die irrwitzigsten Melodien auf Akustik- und E-Gitarre, haut dem Publikum ein superbes Solo ums andere um die Ohren, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Schlagzeuger Brian Tichy schmeißt während des Spielens seinen Drumstick meterweit in die Höhe, fängt ihn dann wieder auf. Dabei spielt er nahtlos weiter, als ob das ganze ein Zirkus wäre.

Ein absolutes Feuerwerk der Rockmusik – und gerade da liegt manchmal auch der Haken an dieser Veranstaltung. Man wird das Gefühl nicht los, als ob es egal ist, ob Idol gerade in Pattensen, Peine oder Paris spielt. Persönliche Ansagen Fehlanzeige, die Band ist abgebrüht bis zum geht-nicht-mehr. Überall klingz die Professionalität, nicht die Leidenschaft heraus. Dass Idol und seine fünf Mitstreiter dennoch fulminant rocken können, zeigen Hits wie das abschließende „Rebell Yell“, zu dem das Publikum noch einmal alle noch zurückgehaltenen Freudenrufe heraus jubelt.

Daniel Junker Fotos:mlk.com + Rs.de-Archiv

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