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14. Juli 2008
Eine Seefahrt, die ist lustig
Hunderte Fans feiern BCH-Festival
Drei Tage BCH-Festival im Fössebad. Das in der eher alternativen hannoverschen Musikszene im Juli Tradition. Einige Eindrücke von einer Stipvisite am Freitag und Samstag…
Mehr Fotos vom Festival findet ihr in der Bildergalerie
Unsere Unkenrufe vom vergangenen Donnerstag haben sich nicht bestätigt: Zwar ging die Hitze, die sich beim 11. großen Béi-Chéz-Heinz-Open-Air am vergangenen Wochenende über das Gelände legte, nicht unbedingt vom Wetter aus, sondern von den Bands und ihrem Publikum – aber der Regen, den wir aufgrund der düsteren Wettervorhersagen angekündigt hatten, blieb bis auf ein paar kleine Tropfen glücklicherweise aus.
Drei Tage lang haben die Hannoveraner auf dem Gelände des Fössebades beim Open-Air gefeiert – und das nicht zu knapp. Obwohl tagsüber die Menge der Leute auf dem Rasen noch überschaubar blieb, war am Freitagabend beim Auftritt von Peter Pan Speedrock die Lücke zwischen Bühne und Mischpult so gut wie geschlossen. Die Holländer machten ordentlich Druck und ließen den Punkrock-Dampfhammer kreisen. Bei so viel Highspeed-Rock’n’Roll ließ sich auch das Publikum nicht lumpen und feierte die Band gehörig ab. Vor der Bühne machte sich ein Kreis aus tanzenden Menschen breit, und selbst einige Stagediver kamen zu ihrem Recht. Dass die Band Gefallen am Chéz Heinz gefunden hat, teilte Sänger Peter zwischen einem der nervenaufreibenden Stücke den Besuchern mit. Denn der Auftritt im vergangenen Jahr im Keller nebenan sei der Band in sehr guter Erinnerung geblieben.
Am Sonnabend konnten die hannoverschen Gäste eine musikalische Hoffnung auf der Bühne begrüßen: The High Queens aus Linden überzeugten mit eingängigen aber doch sperrigen Indie- Klängen. Deren Songs erinnerten vom Songwriting her manches Mal an Placebo, allerdings brachte die Gruppe ihre Songs viel filigraner herüber als die großen Brüder. Und so erwischten sich manche Zuschauer dabei, wie sie rhythmisch mit dem Fuß mitwippten. Einige ließen sogar die Hüften zu den Stücken kreisen. Wer die Band verpasst hat, kann sie sich am 23. August beim BootBooHook Festival in der Faust noch einmal zu Gemüte führen.
Mit ganz anderen Klängen spielte sich die Rotterdam Ska Jazz Foundation in die Herzen der Besucher. Der Name der Gruppe war Programm: Eine feurige Melange der beiden Musikstile hielt das Publikum in Atem – anders als die folgenden Karpatenhund aus Köln und Hamburg: Die Band langweilte große Teile des Publikums mit einer mageren Mischung aus Stücken der Marke Wir Sind Helden und Mia. Daran konnten auch die Seemannsuniformen, die die Band auf der Bühne trug, nicht ändern. Vielleicht hätte Sängerin Claire mal am auf der Bühne stehenden Steuerrad drehen sollen, um das ganze in eine etwas interessantere Richtung zu lenken. Das Publikum machte das Beste draus, in dem sich einige dazu hinreißen ließen, ab und an mal lustige Sätze wie „Eine Seefahrt die ist lustig“ gen Bühne zu rufen.
Spannend war auch das Unterhaltungsangebot auf der kleinen Bühne am Pool, auf der am Samstag der Berliner Cellist Nikolaus Herdieckerhoff unter dem Künstlernamen Cellolitis vor die kleine, aber feine Menge trat. Unheimlich gut, wie die selbst gespielten Klänge mit seiner Loopbox sich im Kreise drehen ließ und darüber weitere Melodien schichtete.
So kann man ein Festival genießen: Ausreichend Platz zum Gucken und Tanzen, und wer seine Beine mal ein paar Minuten ausruhen wollte, der fand auf dem Gelände genügend Rasenfläche zum Chillen. Bleibt zu hoffen, dass der Wettergott auch im nächsten Jahr Milde walten lässt. Denn das Béi-Chéz-Heinz-Festival ist und bleibt eines der schönsten unserer Stadt.
Fotos und Bericht: Daniel Junker
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