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Sorgte in Hannover für einen harmonisch entspannten Abend...
Sorgte in Hannover für einen harmonisch entspannten Abend...

....der US-Superstar Jaszon Mraz...
....der US-Superstar Jaszon Mraz...

....begeisterte im ausverkauften Capitol...
....begeisterte im ausverkauften Capitol...

...auch sehr viele sehr junge Musikfans
...auch sehr viele sehr junge Musikfans

14. März 2009

Harmonie mit Hut

Jason Mraz im ausverkauften Capitol

Es war einer dieser Abende, an denen man den Glauben an das Gute der Menschheit wieder finden kann. Jason Mraz, US-Superstar hatte sich für einen Besuch in unserer schönen Stadt angesagt und viele Fans sind seinem Ruf gefolgt. Das Konzert ist nämlich ausverkauft.

Solch eine lange Schlange habe ich vor dem Eingang des Capitol trotz dieses Umstands bisher recht selten gesehen. Eigentlich geht sie einmal komplett um den schwarzen Bären herum. Ein Ende ist nicht in Sicht. Doch halt: Das stimmt so nicht, denn ganz vorne ist ein eben solches auszumachen! Also ducke ich mich vorbei an all den Menschen, murmele irgendwas von „Presse“, werde schnell noch vom Sicherheitspersonal befummelt und bin auch schon drin. Niemand meckert oder brüllt mir was im Sinne von „Hinten anstellen, Du Ars…!“ hinterher, alle sind entspannt und freuen sich anscheinend einfach auf einen netten Abend. Steht diese menschliche Wärme auch im krassen Gegensatz zu Jason´s Nachnamen, denn der ist slowenisch und bedeutet „Frost“, soll dieses harmonische Grundgefühl doch den gesamten Abend andauern.

Die Norwegerin Marit Larsen eröffnet den Abend auf charmante Art und Weise. Diese junge Dame, die in ihrer Heimat schon viele Preise abgeräumt hat, ist das, was man allgemein als „süß“ bezeichnen würde. Ihre Songs kommen unschuldig daher, das dünne Stimmchen kann verzaubern. Dieser Frau würde jeder Mann im Saal die Tür aufhalten, das steht mal fest. Mit ihrer dreiköpfigen Band, bestehend aus einer Cellistin, einer Percussionistin (die optisch ein wenig an die Moppelige der Kelly Family erinnert) und einem Gitarristen, der auch mal zur Mandoline greifen darf, stimmt sie das Publikum extrem gut auf den Abend ein und bekommt hier mehr als bloßen Sympathie-Applaus. Ihre Musik könnte man auch wunderbar als Deeskalationsmusik bei den nächsten Chaostagen einsetzen. Die würde selbst den härtesten Steinewerfer „harmonisieren“. Die Menschen im Saal, vom Alter her ein bunter Mix von 16 bis 40, singen einige Lieder der Ponyträgerin sogar mit. Im Vorteil ist, wer sich hier vorbereitet hat (Youtube sei Dank).

Um 21:00 Uhr betritt Jason Mraz die Bühne und jetzt kennt die Menge endgültig kein Halten mehr. Bei jeder Kleinigkeit wird frenetisch gejubelt und mitgeklatscht, viele schunkeln im Takt der sanften Pop-, Folk- und Reggae- Nummern und einige würden mit dem Mann im engen, weißen Longsleeve bestimmt gerne mal den „Roger-Cicero-Gedenk-Hut“ tauschen wollen. Los geht´s mit den Songs „Only Human“, gefolgt von „Make It Mine“ von seinem aktuellen Album, das er heute fast komplett aufführt. Der Sound ist extrem gut und brillant und das Feeling der Songs schwappt dadurch schnell auf das Publikum über.

Der Amerikaner, dessen Karriere mit Auftritten in den Cafés von Virginia und New York begann, gibt sich lässig und hat auch den ein oder anderen witzigen Spruch auf den Lippen. Besonders angetan hat es ihm die „Raucherlounge“ auf der Empore: „Hey, das sieht aus wie eine dieser Kabinen auf dem Flughafen“ sagt er und winkt freundlich, bevor er an die Nichtraucher gerichtet hinzufügt „Ihr könnt da später mal hoch gehen, dort ist das Museum für Krebs.“ Der Mann ist halt Veganer, futtert angeblich ausschließlich Rohkost und scheint auch ansonsten ein lasterfreies Leben zu führen. Leider bleibt dies der einzige Ausflug in die „politische Unkorrektheit“, ansonsten dümpelt das Konzert hier und da an einem vorbei. Die aufkommende Langeweile kann auch die gut groovende Band nicht wettmachen, ebenso wenig die drei Bläser, die hier und da die Songs unterstützen.

Da die meisten Besucher heute aber eh als Pärchen unterwegs sind, wird halt öfter mal geknutscht und gekuschelt, als Single hat man es da heute Abend schon deutlich schwerer. Auch wenn die Stimme von Mr. Mraz vielleicht keinen unverwechselbaren Klang hat, singt dieser Typ aber doch verdammt gut und wahrscheinlich ist es das, was die Menschen in seinem Bann hält. Denn irgendwie muss man sich sonst schon wundern, warum derart ekstatisch auf den 32 jährigen Musiker reagiert wird. Seine Musik ist nun nicht grade eine Offenbarung, obgleich die Mixtur der unterschiedlichen Stile gut gelingt, und Herr Mraz sieht auch nicht überdurchschnittlich gut aus. Wie oder warum auch immer, den meisten gefällt es hier. Und als nach einer Stunde Spielzeit sein, in Europa erfolgreicher Song „I´m Yours“ ertönt, kann man mehr als tausend Stimmen mitsingen hören. Harmonie pur! Nach einer gut halbstündigen Zugabe, inklusive eines sehr schönen Duetts mit Marit Larsen, die extra hierfür noch mal die Bühne betritt, verabschiedet sich der Künstler von einem sichtlich glücklichen Hannoveraner Publikum.

Auf die Frage nach dem Titel seines Albums „We Sing, We Dance, We Steal Things“ sagte Jason Mraz einmal, dass er genau dieses Danebenbenehmen und diese Entgleisungen an der Menschheit schätze und ihn dies bei der Wahl des Titels inspiriert habe: „Wir singen, wir tanzen und wir klauen halt auch mal.“ Vielleicht sollte er diese Lebenseinstellung in seine Konzerte einbauen, denn sonst besteht die Gefahr, dass es zu harmonisch, zu nett, zu wenig spektakulär wird. Für alle, die aber einfach nur einen schönen Abend mit guter Musik (vorzugsweise inklusive Partner) verbringen wollen, ist dieser Mann auf jeden Fall zu empfehlen.

Jan Hagerodt Fotos: Alexander Geilfus

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KOMMENTARE zum Artikel:

 petepille am 09.05.09, 15:51 Uhr
Sehr geehrter Herr Hagerodt, Herr Mraz kann auch End-40er beeindrucken, wie meine Frau und ich (49+48J.) beweisen. Wir haben einen sehr schönen Abend im CAPITOL erlebt. MfG petepille




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