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08. Januar 2009
Himbeere auf der Sahne
Kraan und Noetics im MusikZentrum
Vorwiegend instrumentelle, experimentelle und progressive Musik mag für manche kompliziert erscheinen, dementsprechend ist sie oft auch strukturiert und ausgefüllt, wenn aber mit Kraan eine der wohl bekanntesten und traditionsreichsten Jazz-Rock-Fusion-Bands Deutschlands live auf der Bühne agiert, dann bekommt ein solches Konzert eine angenehm entspannte, unkomplizierte aber durchaus anregende Note.
So, wie beim ersten Konzert des Jahres 2009 am Dienstagabend im recht ordentlich gefüllten MusikZentrum. Für viele nicht Eingeweihte gab es die erste Überraschung gleich zu Beginn. Die Noetics, die seit Jahren zu Hannovers Aushängeschildern in Sachen experimenteller, chilliger Instrumentalmusik zählen, geben den support-Act. Unangekündigt aber nicht nur von den eigenen Fans sondern auch spontan vom Kraan-Publikum mit Applaus bedacht. Da ist kein Murren unter den Besuchern zu vernehmen, wie bei anderen Shows, wo manchmal eine Vorband mehr oder weniger zu ertragen ist. Die Noetics sind als support von Kraan so etwas wie die Himbeere auf der Sahne.
Gegen 21 Uhr geht es dann mit Kraan los. Heute besetzungstechnisch abgespeckt im Trio. Bassist Hellmut Hattler, Gitarrist Peter Wolbrandt und Drummer Jan Fride präsentieren einen Querschnitt ihrer Stücke aus den vergangenen 30, 35 Jahren bis heute. Abgeklärt, vielleicht etwas moderater als früher aber eben nicht mit Alterschwächen oder gar abgehalftert dahertrabend. „Vollgas Ahoi!“ und „Holiday Am Matterhorn“ fehlen ebenso wenig im knapp zweistündigen Programm wie etwa „NamNam“, das von Hellmut Hattler in seiner gewohnt lässig-launig-trocken-humorvollen Art angekündigt wird.
Es sei eines der längsten Stücke, das man heute Abend spielen wolle, das typische Klischeestück sei es gewesen, früher in der Wohngemeinschaft, man trank Lambrusco und wer sich erinnern will, zu jener Zeit ein Kind gezeugt zu haben während „NamNam“ lief, dem würde man das nicht wirklich abnehmen, denn dafür sei das Stück wiederum zu lang. Die Lacher sind Hattler sicher.Hinter der Bühne laufen die komplette Show über Visual-Effekte und Bilder über die Leinwand, überhaupt ist das Lichtdesign sehr geschmackvoll. Die optischen Reize mögen ein wenig die –im Gegensatz zu früher- auf Dauer nicht ganz so spannenden Arrangements überdecken. Ohne Zweifel funktioniert Kraan auch „nur“ mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und hier und da einigen Gesangseinwürfen.
In den Gesprächszirkeln der mittel-alten und älteren Kraan-Experten vor und in der Halle, vermisst man aber des Öfteren Instrumente wie Keyboards, Piano, Trompete oder Saxophon, so, wie man das in früheren Zeiten gewohnt war, als Kraan noch zu viert mit Musikern wie Joo Kraus oder Ingo Bischof auftraten. Was diesen Punkt betrifft, fehlt bei Kraan hier im MusikZentrum in der Tat die Himbeere auf der Sahne, das gewisse Etwas, die gewissen Akzente. Vielleicht auch die früher des Öfteren von Konzertbesuchern gefeierte exzessive, raue, zuweilen dreckige Spielweise einiger Stücke, mag man vermissen. Die Spielfreude kann man den drei Akteuren auf der Bühne aber keinesfalls absprechen.
Unterm Strich ist die Kraan-Show ein in sich stimmiges Konzertvergnügen, das die meisten im Publikum augenscheinlich sehr zufriedenstellt. Hier und da ein breites, zuweilen entrücktes Grinsen in vielen Gesichtern, wenn Peter Wolbrandt zu seinen angenehm eckigen Gitarrensoli ansetzt, munteres Kopfnicken, wenn Hellmut Hattler und Jan Friede in bewährter Manier ihre prall gefüllte Groove-Schublade öffnen.
Nach der Zugabe verabschieden sich Kraan mit einem knappen und freundlichen „Wiederhören“ beim Publikum. So kennt man das von Kraan seit vielen, vielen Jahren und man kann nach dieser Vorstellung sicher nicht ausschließen, dass die Band auf der nächsten Tour wieder im MusikZentrum Halt macht. Wenn sie bei der Gelegenheit dann noch Himbeeren im Gepäck haben, würde dies viele sicher besonders erfreuen, wenn nicht sogar grenzenlos begeistern.
Andreas Haug Fotos: Oliver Kurtz
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