AnzeigeAnzeige AnzeigeAnzeige
Anzeige:
Anzeige:
Anzeige

Mit großer Bühnenpräsenz: Daniel vom Dan Hiob Experiment.
Mit großer Bühnenpräsenz: Daniel vom Dan Hiob Experiment.

Experimentelle Sounds und mystischer Look: Odeville.
Experimentelle Sounds und mystischer Look: Odeville.

Große Gesten, großer Sound: Soon Is Now.
Große Gesten, großer Sound: Soon Is Now.

Krönender, tanzbarer Abschluss: Transmitter.
Krönender, tanzbarer Abschluss: Transmitter.

06. Oktober 2008

Vier Mal ganz was Anderes

Das Grenzgänger-Festival im MuZe

Wiebke und Alex freuen sich auf einen schönen Abend. Sie haben bei Rockszene.de freien Eintritt für das Grengänger-Festival am Sonnabend im Musikzentrum gewonnen. Doch der Abend läuft nicht so, wie die beiden sich das vorgestellt haben. Sie werden von einer Polizeistreife aufgehalten, die sie nicht passieren lässt. Der Weg zum Musikzentrum ist leider nicht so ohne weiteres zu meistern. Zur Premiere des Film „Chaostage“ haben sich einige Punks in Hannover versammelt und sich unter anderem auf der Kopernikusstraße kleinere Scharmützel mit der Polizei geliefert. Das führte dazu, dass die Beamten die Gegend zur Sicherheit absperrten. Das mag ein Grund sein, weshalb die Besucher nur langsam im Musikzentrum eintrudeln und die erste Band, Soon Is Now, vor viel zu wenig Publikum spielt. Einen anderen Grund kann es eigentlich nicht geben. Denn Soon Is Now sind wirklich gut. Sie hätten hunderte von Besuchern verdient. Der Hybrid-Pop mit elektronischer Unterstützung ist jedes Mal wieder unglaublich intensiv. Kein Musikliebhaber dürfte sich diesem Sog entziehen können. Sänger Kai singt entrückt und ist dabei gleichzeitig doch sehr präsent. Ein Einstieg wie er nicht besser sein könnte, für musikalische Grenzgänger-Erfahrungen.

Wieke und Alex verpassen diese Band leider. „Nachdem uns der Polizist abgewiesen hat, sind wir erstmal zu einem Freund gegangen und haben es später nochmal versucht. Dann war ein anderer Beamter da, der ließ uns passieren“, sagt Wiebke. Andere Besucher hatten ähnliche Probleme, sogar der Tourbus der Band Transmitter wurde am Nachmittag durchsucht. Doch zur zweiten Band des Abend, Odeville, wird es langsam voller. Die Band tritt ohne ihren Bassisten auf, der sich den Arm gebrochen hat. Das hat aber auf die Intensität des Auftritts keinen Einfluss. Schon wieder dieses Wort, das an diesem Abend so gut passt: Intensität. Hauke, der Sänger der Band, die im vergangenen Jahr den Local Heroes Contest gewann, geht in der Musik auf. Zwischen den Songs gibt er einige Kommentare ab, die eher unsicher und fehl am Platz wirken. Er ist kein Entertainer. Aber sobald die Musik der Band einsetzt, strahlt er etwas aus, das der zerbrechlichen Souveränität eines Träumers gleicht. Mit den Drumsticks klopfte er eine Weile gegen das Geländer der kleinen Treppe auf der Bühne, eine eingesperrte Seele, die nach Freiheit ruft. Langsame, kreative Songs entzücken die Besucher und führen die von Soon Is Now vorbereitete Stimmung weiter.

Ein Bruch kommt dann mit der Band Dan Hiob Experiment. Hier endet der Traum, die Realität kommt brutal zurück. Auch diese Band hat im letzten Jahr einen Contest gewonnen, den New Sensation. Da dürfte aber bei der Bewertung aber auch der große Entertainment-Faktor der Band eine Rolle gespielt haben. Denn Sänger Daniel spielt und singt für das Publikum, zieht sich aus, streicht schwarze Farbe über seinen Körper. Ein visuelles Erlebnis, das musikalisch an die ersten beiden Bands nicht ganz heran kommt. Die Texte sind deutsch, aber kaum zu verstehen. Die Musik ist hart und verstörend, zumindest im Zusammenhang mit der Show. Nichts für die sanften Träumer unter uns.

Der Höhepunkt für die meisten Besucher ist jedoch der Auftritt von Transmitter. Wummernde elektronische Beats bohren sich in den Magen, dazu singt und rappt Geburtstagskind Jeff. Der Traum ist endgültig aus, das ist jetzt die körperliche Entgrenzung, viele tanzen. Schweißgeruch liegt in der Luft, wie in allen Läden in denen nicht mehr geraucht werden darf. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt stört das auch niemand mehr.

Es war ein Festival für die Grenzgänger. Für diejenigen, die sich gerne auch mal außerhalb gängiger Muster bewegen. Für diejenigen, die keine Vorbehalte gegen die Mischung aus handgemachter Rockmusik und elektronischen Sounds haben. Dass das nicht so viele sind, liegt in der Natur der Sache. Doch diejenigen, die dabei waren, hatten Spaß. So nimmt auch der Abend für Wiebke und Alex noch ein gutes Ende. „Transmitter waren sooo gut“, sagt Wiebke. Dieses Fazit trifft auf alle Bands des Abends zu.

www.myspace.com/soonis
www.myspace.com/odeville
www.myspace.com/danhiobexperiment
www.myspace.com/transmittermusic

Bericht und Fotos von Tobias Lehmann

Artikel kommentieren (0)  |  Mail an Redaktion  |  Artikel drucken  |  Artikel versenden