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23. Juni 2011
Fête de la Musique bunt und spaßig
Hannover´s Gesicht als Musikstadt
Die vor allem auch für ihre vielen und unterschiedlichen Party-und Konzertveranstaltungen bekannte Stadt Hannover zeigte am letzten Dienstag ihr strahlendes Gesicht als Musikstadt.
Tausende waren zum Sommeranfang zur Fête de la Musique auf den Beinen, zogen in der City und in der Altstadt von Bühne zu Bühne, hatten Spaß, feierten fröhlich und friedlich, zeitweise auch ausgelassen.
Die Fête de la Musique hat sich mittlerweile offensichtlich als beliebter, sogar richtig „angesagter“ genreübergreifender Szene-Treffpunkt für fast alle Altersklassen entwickelt.Man braucht sich eigentlich gar nicht gezielt zu verabreden, man trifft sich sowieso vor einer der fast 40 Bühnen in Hannover.
Es scheint so, als sei hier so ziemlich jeder unterwegs, der in irgendeiner Form mit Musik zu tun hat, sei es als aktiver Musiker oder Musikliebhaber. Darüber hinaus ziehen ganze Cliquen durch die Stadt, die einfach einen der in Hannover sehr vielen Anlässe beim Schopfe packen wollen, wieder einmal ausgiebig zu feiern und um die Häuser zu ziehen.
Viele namhafte regionale Rock-Acts Das Programm der Fête de la Musique ist so üppig und vielfältig, dass es für den Einzelnen fast unmöglich ist, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Man sieht und hört so unheimlich viel und gleichzeitig verpasst man mindestens genauso viel. Zeitweise möchte man die Fähigkeit besitzen, an vier Orten gleichzeitig zu sein, so viele Shows, mitunter richtig Hochkarätiges, überschneidet sich zeitlich, besonders in der Zeit zwischen 19.00 und 22.00 Uhr.
Nimmt man nur mal den Bereich „Rock, Hannover und Region“ unter die Lupe, hat man als stilistisch vielseitig Interessierter am Abend die Qual der Wahl. In der Kernzeit stehen Bands und Einzelkünstler wie Rauschenberger, Beatpoeten, Cryptex, Maschgold, Kneeless Moose, C For Caroline, Fire In Fairyland, Transmitter, Grove, Kuersche, Desona, Dynamite Roadkill, Selmore Drive By oder Marta Jones fast zeitgleich, zumindest überschneidend auf den unterschiedlichsten Bühnen. Diese Acts in ungezwungener, lockerer Atmosphäre unter teilweise sehr ordentlichen technischen Rahmenbedingungen live zu sehen und zu hören ohne dafür Eintritt zu bezahlen, ist schon ein mehr als attraktives Angebot, das die Fête de la Musique in Hannover bietet.
Gute und schwierige Bühnen Zu den für Rock-und Popverhältnisse besten Bühnen gehören die Bühne vor dem Hauptbahnhof, auf der ab 20.00 Uhr die Band Rauschenberger vor vielen hundert Zuhörern Songs aus ihrem kommenden Album vorstellt und dafür gehörig Applaus erntet. Toller Sound, tolle Show. Eine richtig professionelle Konzertproduktion bietet das Kulturzentrum Faust mit seiner Open-Air-Bühne am Hohen Ufer in der Altstadt. Hier ist richtig was los, besonders bei der grandiosen, dieses Mal vollverstärkten Rock-Show die die Band Grove einem enthusiastisch feiernden Publikum bietet. Druckvoller, kraftvoller, angenehm lauter, glasklarer Sound. Hier passiert so ziemlich alles, was ein richtiges Rockkonzert ausmacht, ebenso wie bei Desona direkt im Anschluss. Da ist es mal an der Zeit, explizit ein Kompliment an Musiker und Techniker loszuwerden.
Die Fête de la Musique zeigt aber auch eindrucksvoll, dass es möglich gemacht werden kann, Konzerte unter improvisierten Bedingungen, mit einfachsten technischen Mitteln an für Musikdarbietungen eher ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Als Beispiel dafür kann der stimmungsvolle Auftritt von C For Caroline in der Ernst August Galerie angeführt werden, der unter einem riesigen Kuppeldach stattfindet. Akustisch schwierigste Grundvoraussetzungen, eine sehr kleine, für ein Konzert einer Rockband an dieser Örtlichkeit unterdimensionierte Klein-P.A. mit einem Mischpult, das nicht vor, sondern hinter (!) der Bühne aufgebaut ist. Aber es geht trotzdem, irgendwie. C For Caroline vermitteln Spaß und sorgen für Kurzweil und darauf kommt es dem Publikum in der Ernst August Galerie augenscheinlich an.
Bands an jeder Steckdose An jeder Steckdose oder auch dort, wo es gar keinen Strom gibt eine kleine Bühne aufzubauen und Musik unterschiedlichster Stilrichtungen aufzuführen, gehört ebenso zum Credo der Fête de la Musique. Auch DJ-Sets werden integriert. Junge Nachwuchsmusiker, Newcomer und weit über die Grenzen Hannovers hinaus populäre Profis treten hier ohne Gage auf. Ob die Bläserklasse 6b der Schillerschule Hannover auf der SIM-Bühne am Schillerdenkmal oder die europaweit bekannte Elektro-Crossover-Band Transmitter auf der exposive-Bühne auf dem Opernplatz, die Vielfalt ist überwältigend. Es gibt spezielle Bühnen für klassische Musik, Jazz, Singer-/Songwriter, Chöre, Bigbands, das Globale Dorf am Steintor (Motto der Veranstalter: „Hier passiert noch viel mehr“) und für das leibliche Wohl Bratwurstbuden und Getränkestände.
Kioske und Supermärkte machen zum Sommeranfang in Hannover wohl keine schlechten Umsätze, viele Musik-und Partyfans ziehen mit mitgebrachten Getränken über die Fête de la Musique. Schlecht für die Gastronomiestände? Wohl nicht wirklich. Während Desona zum Abschluss auf der Faust-Bühne rocken, hat sich am Bierstand eine so lange Schlange gebildet, das längere Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Kein Indiz dafür, dass die Musik der Band das Publikum von der Bühne weg zur Gastronomie treibt, eher dafür, dass die Party auch nach dem letzten Ton der letzten Band noch nicht vorbei sein soll…
Andreas Haug Fotos: Brigitte Haug
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