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15. November 2010
Coppelius spielten Samstag im MZ
Hannover-Premiere für Unzucht
Ein bisschen düster, ein bisschen morbide und vor allem sehr voll war es, als am
Samstag Coppelius und Unzucht im Musikzentrum
aufspielten.
Mit einem relativ kurzen Set beginnen Unzucht
pünktlich den Abend und lassen das Publikum zu Liedern über Sehnsucht,
Vernichtung, schwarzes Blut und Liebe tanzen. Hätte sich ein großer Teil des
Publikums nicht an der Kleidung des Headliners orientiert, hätte man meinen
können, Unzucht wären der Publikumsmagnet gewesen. Mit ihrer
schweißtreibenden Mischung aus Darkwave, Industrial und Alternative
mobilisierte die Band nahezu das gesamte Publikum.
Die Band, die
auf wenige, dafür aber erlesene Gigs, zurückblicken kann, war das erste Mal in
Hannover, auch wenn beispielsweise Der Schulz (Gesang) mit seinem
Soloprojekt die Bühne im Musikzentrum schon einmal bespielte. Während
die Band noch Lieder wie „Der Letzte Tanz“ zum Besten gibt, strömen auch die
letzten vom Wetter ins Trockene Getriebenen in die Halle.
Die
Grenzen zwischen Musik und Theater zu verwischen war dann die Aufgabe der
sechs Musiker von Coppelius. Den Beginn macht Butler Bastille: Mit
einem Staubwedel und einem Besen bewaffnet bereitet er die Bühne vor, bevor
die Herren sie betreten. Dem Aussehen und den Instrumenten nach zu urteilen
irgendwo vor ein paar Jahrzehnten bis -hunderten stecken geblieben, ziehen
Coppelius vor allem Jüngere an. Die Band selbst spricht von den frühen 1920ern
in Berlin, es könnte aber auch „19. Jahrhundert plugged“ sein.
Die
Kombination aus Zylinder, Gehrock und Hardrock ist durchaus eigenwillig, die
Melodien teilweise etwas frickelig und doch vermögen Max Coppella,
Comte Caspar (beide Gesang und Klarinette), Nobusama
(Drums), Graf Lindorf (Cello) und Sissy Voss (Bass) das
Publikum zum Feiern und Mitsingen zu bewegen.
Während Comte
Caspar auf der Theke stehend spielt, einige Fans auf der Bühne ihr Haupthaar
schütteln und der Butler auch während des Konzertes weiter Staub putzt, zeigt
die Band, dass Iron Maiden sich anscheinend stark an der
coppelianischen Zeit orientieren und gibt Lieder zum besten, die sehr stark an
die Briten erinnern, wenn nicht sogar von diesen stammen.Inhaltlich orientiert
sich der „Kammer-Core“ stark an E. T. A. Hoffmann, aus dessen Werk
auch der Bandname stammt. So werden Habsucht, Neid und schwarze Romantik
besungen ohne den Humor zu vergessen.
Stilecht mit „Da Capo“-
Rufen zurück auf die Bühne gerufen, kann man wohl davon ausgehen, dass die
Band nach Auftritten auf dem Fährmannsfest, im Capitol und, wie Samstag, im
Musikzentrum den Weg nach Hannover nicht das letzte Mal gefunden hat.
Weitere Infos unter: http://www.myspace.com/unzuchtmusic http://www.coppelius.eu/ http://www.myspace.com/coppeliushilft
Fotos und Bericht: Tobias Heinze
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