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Magistarium sorgten im GIG-Saal für einen Auftakt auf hohem Niveau
Magistarium sorgten im GIG-Saal für einen Auftakt auf hohem Niveau

Metal zwischen Prog-und Gothic: Symbiotic Systems zeigten sich sehr talentiert...
Metal zwischen Prog-und Gothic: Symbiotic Systems zeigten sich sehr talentiert...

...Sängerin Johanna sorgte bei den Hemmingern für einige musikalische Farbtupfer.
...Sängerin Johanna sorgte bei den Hemmingern für einige musikalische Farbtupfer.

Spielfreude bei Lunarsphere aus Nienburg
Spielfreude bei Lunarsphere aus Nienburg

Drahtiges Energiebündel: Captivity-Frontmann Marc gab den Fans vor der Bühne zum Abschluss von Local Bands On Stage nochmal kräftig Feuer
Drahtiges Energiebündel: Captivity-Frontmann Marc gab den Fans vor der Bühne zum Abschluss von Local Bands On Stage nochmal kräftig Feuer

15. Februar 2010

Metal mal anders und ganz gemütlich

Vier regionale Acts spielten im GIG

Das erste Local-Bands-On-Stage-Konzert des Jahres 2010 im Lindener GIG-Saal präsentierte am vergangenen Freitag mal ausnahmsweise keinen bunten Stilmix sondern setzte ganz auf die Karte Metal. Metal in verschiedener Ausrichtung zwischen Power, Death und Progressive.

Und auch mal ganz anders, als man das sonst in Hannover gewohnt ist: Bei reduzierter Lautstärke vor einem entspannten Publikum in einem gemütlichen, für ein Metal-Konzert fast schon gediegenem Ambiente. Vier Genre-Vertreter aus Hannover, der Region und etwas weiter weg gaben auf engagierte Art und Weise ihre musikalische Visitenkarte ab: Magistarium, Symbiotic Systems, Lunarsphere und –zum Abschluss- Captivity.

Die Situation ist vergleichsweise ungewöhnlich. Magistarium spielen gekonnt ein gut abgeschmecktes Power-Metal-Set und untermauern eindrucksvoll, dass sie live das halten können, was sie mit ihrer Debüt-CD versprechen. Hohes musikalisches Niveau, ausgefeilte Kompositionen und eine technisch sehr ordentliche Umsetzung. Aber wo bleibt der für Metalkonzerte so typische druckvolle Sound aus den P.A.-Boxen? Wo ist die Double-Bass-Drum die einem gewöhnlich –zumindest leicht- in den Magen drückt und zusammen mit dem Bass schon mal ein wenig die Hosenbeine flattern lässt? Die gibt es weder bei Magistarium noch bei den anderen Bands des Abends. Auch auf schneidende Höhen, sei es bei Gesang oder Gitarre muss heute mal verzichtet werden. Das vielköpfige Technikerteam sitzt oder steht gelassen rund um ein mächtiges Mischpult und kontrolliert sorgfältig, dass die von den Bands angebotenen Tonsignale technisch korrekt verstärkt über die Boxen kommen, ohne dass es zu irgendeinem Zeitpunkt richtig laut, brillant und druckvoll wird oder gar „weh“ tut.

Wer nur mal schauen und hören will, was einige Nachwuchs-und Newcomerbands in Sachen Metal so auf der Pfanne haben, kann das ganz entspannt tun. Im hinteren Bereich des GIG kann man sich unterhalten, ohne die Stimme anheben zu müssen, im mittleren und vorderen Bereich der Location sind zahlreiche Tischchen aufgestellt, wo es sich auch viele Besucher gemütlich machen und an ihren Getränken nippen. So genannte „echte“ Metal-Fans, die von Live-Shows dieser Musikrichtung gern das volle Brett, die Kante erwarten, sich freuen, wenn es so richtig kompakt „ballert“ im Club, bekommen heute mal nicht die Vollbedienung. Die, die nicht nur Livemusik in loungiger Atmosphäre hören wollen, sondern sich viel lieber in einen euphorischen Zustand versetzen, zieht es direkt vor die Bühne, wo sich zur Show der noch sehr jungen Band Symbiotic Systems schon so etwas wie ein kleiner aber feiner Mosphpit bildet. Wem das jetzt doch eine Spur zu wild vorkommt, macht es sich vor dem Saal im Treppenhaus in den bereitgestellten Sesseln gemütlich und übt sich in freundlicher, unaufgeregter Konversation. Dort wo anderswo richtig einer gehoben wird (und das auch schon mal weit über den Durst), wo sich im Einzelfall freudig-gröhlende Metal-Kumpel in die Arme fallen und sich ihr vom Moshen verschwitztes Haupthaar trocken schütteln, ist hier im Treppenaus des GIG lockerer Chill-Out. Berufsbedingt Anwesende wie Sicherheitspersonal oder die schreibende und fotografierende Zunft dürfte das alles hier als äußerst angenehm empfinden.

Eine sehr positive Überraschung ist derweil das Konzert der Hemminger Band Symbiotic Systems. Die Mitglieder zählen gerade mal um die 18 Lenzen gehören aber augenscheinlich zu den künstlerisch sehr ambitionieren Nachwuchsbands der Szene. Symbiotic Systems spannen den Bogen von progressiv angehauchtem Metal der schon mal an Dream Theater & Co. erinnert bis hin zu verträumt-sinnlichem Gothic-Rock mit feinen Wave-Pop-Elementen. „Das hier könnte vom Gesang her fast schon von Anne Clark stammen“, kommentiert ein Besucher als Sängerin Johanna eine dunkel gefärbte Sprechgesang-Passage zu elektronischen Keyboard-Beats präsentiert. Könnte sein, aber dann ist da schon bald wieder die Breitwand-Prog-Metalgitarre von Jan, der ebenso kreativ wie talentiert an seinem Instrument agiert, wie alle Mitglieder von Symbiotic Systems. Ein sympathischer wie vielversprechender Auftritt.

Die Nienburger Band Lunarsphere drückt im Anschluss voll auf die Tube mit der Aufschrift „Death Metal, gern auch mal schneller und härter“. Es ist eine sehr vitale Show, die Lunarsphere spielen, im Mittelpunkt der charismatische wie quirlige Sänger Stefan, der es sich nicht nehmen lässt, auch mal ausgelassen durch das Publikum zu toben. Aber die Gitarrenfraktion um Arne und Lucas steht ihm in nichts nach. Da werden zweistimmige Unisono-Soli aus den Handgelenken geschüttelt, als gelte es, einen neuen Temporekord zu erreichen. Würde es jetzt nur noch im Bass-Bereich fachgerechte Attacken aus den P.A.-Boxen geben, es wäre die Wucht, aber die Technik-Crew hält sich mit einem solchen Mix weiter zurück. Möglicherweise wäre es lautstärketechnisch auch kaum möglich, einen echten Metal-Mix hier im GIG-Saal zu fahren, unten im Gebäude wollen Gäste im Restaurant speisen und nach draußen dringt auch noch kräftig Sound, mit dem die Anwohner wahrscheinlich nicht ganz so viel anfangen können, wie die Fans der Bands hier oben im GIG-Saal.

„Hallo Linden!!!“ brüllt Marc, seines Zeichens Sänger und Energiebündel von Captivity ins Publikum. Jetzt, zum Abschluss, soll es noch mal richtig zur Sache gehen, Captivity wollen noch einen draufsetzen, richtig das weibliche Schwein durch den Laden treiben. Die Band, die einst in Teilen aus Mitgliedern von Sylent Green hervorgegangen ist, knüpft fast nahtlos an die Show von Lunarsphere an, tobt über die Bühne, drischt ihren Death-Metal kompromisslos heraus und mischt dem Ganzen noch eine Prise Hardcore bei. Jetzt heißt es nochmal für alle, alles zu geben und wer jetzt noch vornehm an einem der Tischchen sitzt oder in den Sesseln im Treppenhaus entspannt, freut sich wahrscheinlich im Stillen, über das insgesamt feine Local-Bands-On-Stage- Konzert oder einfach darüber, dass endlich mal wieder Wochenende ist und man dieses Mal ohne Ohrensausen den Heimweg antreten kann.

Andreas Haug Fotos: Brigitte Haug

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