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05. Dezember 2011
Gemütlich, erfrischend und warm
Planet Emily & Gäste spielten im GIG
Der große Saal des Lindener Veranstaltungszentrums GIG präsentiert sich heute Abend kräftig aufgehübscht. Um das Ambiente des früher zeitweilig recht nüchtern wirkenden Clubs gemütlicher erscheinen zu lassen, hat man unter anderem eine Empore gebaut und diese mit vielen kleinen Tischen und Stühlen ausgestattet.
Wer hier oben einen Platz ergattert hat -und das waren einige- hatten einen umfassenden Überblick über das, was im Publikum und auf der Bühne vor sich geht. Besonders auch auf der Empore scheinen die Besucher dem Konzert von Planet Emily und ihren musikalischen Gästen Maschgold und Andy Brings tiefenentspannt und mit deutlich gezügelter Resonanz beizuwohnen.
Diese Szenerie ruft sogleich den Vollblut-Höchstenergie-Rock´n´Roll-Performer Andy Brings auf den Plan, der mit seiner vielköpfigen Band aus dem Ruhrgebiet angereist ist: Ob denn da oben auch noch Telefone stehen würden, dann würde er nämlich mal kurz durchrufen und die Herrschaften nach unten vor die Bühne bitten...
Für eine schweißtreibende und druckvoll präsentierte Rock-Show wie sie Andy Brings und Co. hier im GIG-Saal abliefern, wirkt die Emporen-Szenerie doch ein wenig skurril, aber bitte: Hier beobachtet und genießt man offenbar lieber passiv, warum nicht? Da muss man heute eben durch und Andy Brings liefert von der Bühne aus mindestens die 20-30 % Energie und Spaß mehr, die von der Empore und auch aus dem mittleren und hinteren Bereich des Saals nicht zurückkommen.
Da gleicht sich halt Einiges aus. Andy Brings und Band spielen ein nahezu perfektes Rockkonzert. Rock mit deutschen Texten, sehr erdig, bodenständig und aus der alten Schule. Diese Band hätte schon vor 30 Jahren hier oder anderswo stehen und rocken können, in puncto Show hat das hier, insbesonders was die Performance des Frontmanns angeht, schon beinahe Großhallen oder gar Stadion-Qualität.
Maschgold hatten zuvor mit einem gut abgestimmten Rock-Pop-Set eröffnet und unterstrichen, dass man sich in den letzten Monaten stetig weiterentwickelt hat. Der anfängliche Höflichkeitsapplaus des schon früh numerisch recht respektabel anwesenden Publikums mündete gen Ende der Show in echten und auch verdienten Beifall.
Der Höhepunkt folgt um kurz nach 22 Uhr. Planet Emily legen zu einer gut anderthalbstündigen Headliner-Show los, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Kurzweilig, abwechslungsreich mit dezenten, geschmackvoll inszenierten Show-Elementen . Viele neue Songs aus ihrem kommenden zweiten Album hat die Band im Gepäck, aber auch wohlbekannte, in Fankreisen schon zu Hits avancierten Songs stehen auf der Setlist.
Planet Emily spielen wie aus einem Guss, vor der Bühne steht man nun enger gedrängt und spätestens zu Songs wie „Nummer Eins“ kommt dann auch mal richtig Bewegung in die Menge.Planet-Emily-Evergreens wie das als Single veröffentlichte „One Night Stand“ wird über einige Strecken von den ganz treuen Fans in den ersten Reihen allein gesungen. Kleine optische Gimmicks wie Augenmasken oder ein Akustik-Set im Zugabenteil sorgen für zusätzliche Abwechslung.
Die Band um Carolin, Daniela, Peter und Timo spielt so ziemlich alle Karten aus. Die mit höherer Punktzahl (Songs) und dann auch ihre speziellen Trümpfe, die nicht alle jungen Rock-Pop-Bands im Ärmel haben oder so charmant ausspielen wie das Planet Emily verstehen.
Bei dieser Band, und das zeigt sich auch heute Abend wieder im GIG, fühlt man sich als musikalisch dem Genre zugeneigter Besucher, willkommen, herzlich aufgenommen, vielleicht auch geborgen. Ähnlich, als würde man nach einem langen Winterspaziergang begleitet von eisigem Ostwind in eine warme Stube kommen. Feuer prasselt im Kamin, der Tisch ist reichhaltig gedeckt und um einen herum sitzen viele freundliche Menschen mit einem strahlendem Lächeln auf dem Lippen.
Das ist es letztlich, was auch das heutige Konzert von Planet Emily besonders auszeichnet: Es wird eine Atmosphäre von Gemeinschaftsgefühl geschaffen in der man sich eigentlich nur pudelwohl fühlen kann. Ein schöner Gegenentwurf zu vielen perfektionistisch kühl und vorhersehbar durchgestylten Pop-Rock-Show -Events dieser Zeit.
Andreas Haug Fotos: Brigitte Haug
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