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Dynamischer Tourauftakt in Hannover...
Dynamischer Tourauftakt in Hannover...

...Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer...
...Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer...

...legte ein kurzweiliges, griffig-schönes Konzert im MusikZentrum hin
...legte ein kurzweiliges, griffig-schönes Konzert im MusikZentrum hin

04. Februar 2010

„Danke, sehr freundlich!“

Jochen Distelmeyer spielte im MZ

Die durchaus nicht unstrapaziöse Anreise nach Hannover ist Jochen Distelmeyer und seiner Band an diesem Dienstagabend auf der Bühne des MusikZentrums nicht anzumerken. Scheinbar vergessen die widrigen Verkehrsverhältnisse bei Eis und Schnee, die dazu führten, dass die Band deutlich später als geplant in Hannover-Vahrenwald eintreffen konnte.

Der ehemalige Sänger der Band Blumfeld startet hier in Hannover seine Deutschland-Tour, im Gepäck das von vielen Medien ausgiebig hochgelobte Solo-Album „Heavy“.

Jochen Diestelmeyer ist augenscheinlich guter Laune und diese steigert sich im Verlauf des Abends sogar zur besten Laune und Freude. Der Club ist zwar nicht übermäßig prall gefüllt, aber die Stimmung im Publikum im Gegensatz zu den draußen herrschenden scheinbar nicht enden wollenden grimmigen Witterungsverhältnissen großartig. Das hannoversche Publikum bereitet Distelmeyer einen warmen Empfang, wippt zu den leichtfüßig vorgetragenen, flockigen Indie-Folk-Pop Songs oder nickt rhythmisch mit den Köpfen wenn der gebürtige Bielefelder und seine Band ruppig- rau- rockende Uptempo-Stampf-Beats auspacken. Vorne in den ersten Reihen wird dann auch getanzt. „Danke, sehr freundlich!“ bedankt sich Jochen Distelmeyer des Öfteren, grinst mal verschmitzt oder strahlt über das ganze Gesicht. Es läuft gut, es läuft rund hier im MusikZentrum zwischen laut, eckig, sperrig bis hin zu entspannt-schön.

Wer Jochen Distelmeyer bislang noch nicht live gesehen und gehört hat, lernt den Musiker als Künstler mit markantem Profil kennen, einer der sein Handwerk versteht und sein abwechslungsreiches Programm mit Energie, Herzblut aber dennoch locker aus dem Ärmel schüttelt. So sieht Spielfreude aus. Das hat alles, im Hip-Hop würde man sagen, „Flow“ und „Groove“. Die Songs greifen, packen, fordern Aufmerksamkeit und sind dennoch unanstrengend zu hören. Schwierigkeiten gibt es zunächst nur mit der Textverständlichkeit.

Die Texte gehen im zwar angenehm knarzig-kantigen und recht lauten, zuweilen aber etwas untransparenten Indie-Rock-Sound ein wenig unter. Was an Schnipseln durch die Halle fliegt, fühlt sich meist nach Poesie an. Poesie ohne Hang zum Kitsch. Diestelmeyer singt von Meeren, Gezeiten, Weiten und Schmetterlingen und ab und zu spielt sich das Leben auch unter einer grünen Wolke ab. Darüber spielen die Musiker Akkordfolgen auf die auch nicht jeder unbedingt so kommen würde. Das Songwriting ist Güteklasse A mit Sternchen, komplex-elegant und mit schönen Überraschungen versehen. Eigentlich ist das fast klassischer Indie-Pop-Rock den Jochen Diestelmeyer hier spielt, der sehr erfrischend für die Ohren ist ohne einen schweren Kopf zu verursachen.

Ob nun heftiger Indie-Rock mit Rums ertönt oder flotter Indie-Folk-Rock durch die Halle fließt, im MusikZentrum macht sich eine Atmosphäre wie auf einem Sommer-Festival zu später Stunde breit. Irgendwo raucht jemand eine Tüte nicht handelsüblichen Tabaks. Das Konzert macht mit fortlaufender Dauer immer mehr Spaß, es gibt keinen Anflug von Langeweile, diese Band könnte auch die ganze Nacht noch weiterspielen und es würden alle bleiben. Zur ersten Zugabe kommt Jochen Distelmeyer allein mit Akustik-Gitarre auf die Bühne, eine glimmende Zigarette wird oben am Gitarrenhals fachmännisch befestigt, ganz so wie früher, als die alten Rock´n´ Roll-und Blues-Haudegen das Konzert in eine Jam-Session münden ließen.

Dabei bleibt es aber nicht, es folgen noch viele weitere Stücke und nach gut 100 Minuten werden die sehr zufrieden dreinblickenden Künstler in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet. Danke, sehr freundlich! Sehr schön. Vielen Dank. Das war großartig, Herr Distelmeyer. Gern wieder. Jederzeit gern.

Andreas Haug Fotos: Brigitte Haug

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