|
03. September 2010
Venus in Pain und Grove im Rocker
Geglückter Start für neue Live-Reihe
Live-Reihen mit Newcomer-oder Nachwuchsbands aus Hannover und der Region haben in den letzten Jahren schon viele Live-Kneipen und Clubs der Stadt ins Leben gerufen und nicht selten bald wieder zu Grabe getragen. Die Gründe für einen motivierten Start, sich schnell einstellende Unzufriedenheit und das darauf folgende Ende waren zuweilen komplex und von unterschiedlicher Natur.
Irgendetwas passte dann oft doch nicht. Meist hätten Konzerte in den jeweiligen Locations nach Meinung von Bands und Veranstaltern immer noch mehr Publikum verdient gehabt, die Veranstaltungstage waren mitunter ungünstig gewählt, die gebuchten Bands passten stilistisch nicht zusammen oder lieferten nur sehr mäßige Qualtiät, die Werbung war nicht oder nur ansatzweise durchdacht respektive vorhanden, die jeweilige Venues litten unter einem Imageproblem oder hatten generell eine schwache Akzeptanz beim Publikum, die Qualtität der Veranstaltungsorganisation und Durchführung war nicht gut genug um Bands und Publikum wirklich zu begeistern oder die Erwartungshaltung an das ganze Projekt von vornherein einfach zu hoch. Oder es fehlte schlicht an der Finanzierbarkeit von Konzerten.
Am Mittwoch hat der Rocker seine neue Live-Reihe „Stagelive“ begonnen und nimmt man das in manchen Momenten fast schon grandiose Doppelkonzert das die hannoverschen Bands Venus In Pain und Grove spielten zum Maßstab, dann sollte einem um den weiteren Erfolg von „Stagelive“ nicht bange sein. Der Club war für ein Konzert an einem Mittwochabend mehr als passabel besucht, man hatte immer den Eindruck, das hier „was los“ ist, die Stimmung unter den Musikern, Veranstaltern und Gästen war augenscheinlich entspannt, freundlich und fröhlich.
Und – was im Sinne der hannoverschen Szene und der weiteren Pflege von Auftrittsmöglichkeiten in einem kleineren Rahmen wie dem Rocker hoffnungsvoll stimmt ist der Umstand, dass auch einige Musiker von anderen Bands am Mittwochabend im Rocker gesichtet wurden, die sich für den Club und das Konzept „Stagelive“ zu interessieren schienen. Venus in Pain und Grove spielten also nicht ausschließlich vor ihren engsten Freunden, Fans und weiteren, womöglich zufällig anwesenden oder spontan erschienenen Besuchern, es wurden unter anderem Musiker aus dem Umfeld von Bands wie Call Me Names, den Couchdivers, Magistarium oder Soulerosion im Rocker gesichtet. Man darf auf das Programm zukünftiger Stagelive-Konzerte gespannt sein…
Grundsätzlich ist „Stagelive“ als Präsentationsplattform für Nachwuchs-und Newcomerbands aus Hannover, der Umgebung aber auch über die Region hinaus gedacht. Bands aus dieser Kategorie werden an den kommenden Mittwochabenden im Rocker auftreten. Unter den Begriff Nachwuchs-oder Newcomer fallen Grove, vor allem aber Venus In Pain in der hannoverschen Szene schon lange nicht mehr. Die meisten Musiker beider Bands blicken auf deutlich mehr als zehn Jahre Bühnen-und Banderfahrung zurück, spielten vom Jugenzentrum über die kleine Live-Kneipe bis zu den größeren und großen Club-und Festivalbühnen so ziemlich alles, was in dieser Stadt und auch darüber hinaus geht und das mindestens einmal vor und wieder zurück.
Venus In Pain zählt seit Jahren zu den Speerspitzen der progressiven Alternative-Rockbands Hannovers. Ihr wieder einmal energisch-engagierter, fesselnder und packender Auftritt im Rocker unterstrich dies deutlich. Die Band drückte und groovte wie eh und je, zeichnete mal düstere mal etwas hoffnungsvollere Bilder und hatte als ziemlich eingängige Nummer noch „Open Your Eyes“ von Alter Bridge als Cover im Gepäck. Venus In Pain feiern im Oktober im Béi Chéz Heinz ihr fünfjähriges Bandjubiläum. Wer im Rocker auf den Geschmack gekommen sein sollte…
Ursprünglich waren Kadosh als zweite Band neben Grove für den „Stagelive“-Start geplant, hatten aber ihre Show hier abgesagt. Da man sich in der Szene aber über ein, zwei Ecken seit langem kennt und schätzt, hatte Grove-Sängerin Eve einfach mal Rolf, den Gitarristen von Venus In Pain zwecks Einspringen angefragt, schließlich hatte man vor Jahren gemeinsam in der Band Mobstar zusammengewirkt. Und schnell stand das Alternativ-Programm, dass in dieser Konstellation gut zusammen passte.
Während Venus In Pain eher auf schwer rollenden Groove setzten, gingen Grove ein Stück weit leichter groovend zu Werke, packten aber dann und wann aber auch schon mal ein ziemlich dickes Alternative-Rockbrett aus. Ab und zu durften es bei Eve, Grobi & Co. auch mal leicht poppige Hooks über straighte Rocknummern sein. Grove setzten im Verlauf ihres Sets auf sehr viel Abwechslung, was sich auch in den teils deutschen, teils englischen Texten widerspiegelte. Beiden Bands sehr gemein sein dürfte die stetige Spielfreunde im Rocker und das Herzblut, dass sie im Verlaufe ihrer Shows hier gleich literweise vergossen. Dementsprechend positiv waren auch die Publikumsreaktionen. Ganz zum Abschluss zollten Grove der Band Rage Against The Machine Tribut, Sängerin und Frontfrau Eve röhrte und growlte wie zu den besten Zeiten ihrer ersten Band Castaway. Das kam an, dafür gab es Extra-Applaus.
Nach dem geglückten Start von Stagelive geht es am kommenden Mittwoch, 8.September mit dem zweiten Konzert der Reihe weiter. Dann werden Zeilenstorno und Buff Monday im Rocker erwartet. Im Sinne der besonders auch in puncto Live-Rock sehr engagierten Clubbetreiber und der Musikszene bleiben die Daumen gedrückt, dass die Reihe„Stagelive“ in den kommenden Wochen und Monaten ähnlich weiterläuft, wie sie gestartet ist.
Andreas Haug Fotos: Miriam Rosin
Copyright: Die Texte und die Fotos in diesem Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum |