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01. März 2010
Deliver Baby!
Luxuslärm spielten im Musikzentrum
Klaus Meine, Sänger und Frontmann der Hannoveraner Kultband Scorpions würde über den Auftritt von Luxuslärm wahrscheinlich Folgendes sagen: „They deliver!“ Was soviel bedeutet wie „Sie liefern ab“, „Sie funktionieren“, oder auch „Es läuft“. Ein Fachjargon, den wahrscheinlich all jene Profimucker irgendwann entwickeln, wenn es weniger um Musik, sondern mehr darum geht wie viel tausend Menschen zusätzlich in die Halle passen, auf welchem Platz die neue Single eingestiegen ist und ob der schwarze Nightliner eigentlich auch rektale Sitzheizung eingebaut hat.
Luxuslärm haben das Musikzentrum in Hannover heute gut gefüllt und blasen pünktlich um kurz nach Neun zum Angriff. Über zwei Stunden will man spielen, auf eine Vorband wird deshalb verzichtet. Ihr Album ist vor kurzem auf Platz 14 gechartet, einen Grund zum Feiern gibt’s also sowieso immer. Und genau das tun die Besucher heute Abend auch. Der altersmäßige Querschnitt liegt zwar erstaunlich hoch für eine junge, angesagte Band, doch das scheint die Musiker nicht zu stören. Sehr routiniert und professionell startet man mit den ersten Songs des Sets durch. Titel wie „Sag Es Wie Es Ist“, „Sie Sieht Es Nicht“ und „Du Weißt Nicht Wie Das Ist“ knallen durch die Halle. „Wirf den ersten Stein“ rechnet genau mit den Kritikern ab, die die Band am Arsch lecken können, wie Sängerin Janine undamenhaft der Menge mitteilt.
Auch auf die Gefahr hin, dass sich meine Zunge in naher Zukunft am Hinterteil irgendeines Bandmitglieds wieder findet, sollte man aber ein paar Dinge gleich zu Beginn klarstellen:Luxuslärm liefern keinerlei neue Impulse für den Musikmarkt und werden wahrscheinlich kein Meilenstein der deutschen Musikgeschichte werden. Aber: Die Band unterhält. Frontfrau Janine beherrscht die Meute verdammt gut. Bei fast jedem Song wird das Publikum animiert, es wird mitgesungen und auch die obligatorische Frage „Seid ihr alle gut drauf?“ darf nicht fehlen.
Luxuslärm liefern insgesamt eine perfekte und auf den Punkt abgestimmte Show. Man merkt deutlich, dass die Wurzeln der Combo im Stadtfestband-Bereich liegen und ihnen diese Erfahrung jetzt zu Gute kommt. „Indie“, „angesagt“ oder der „heiße Scheiß“ ist das nicht, hier werden die klassischen Rockklischees bedient wie schon vor 20 Jahren.
Ob das schlimm ist? Nö, zumindest nicht, wenn man nichts anderes erwartet. Mit erstaunlicher Rockröhre, intoniert Janine die straighten Rocksongs der Band. Musikalisch ist alles „oberamtlich“ und auf hohem Niveau, vom künstlerischen Gesichtspunkt her leider trotzdem etwas uninteressant. Ihr „Stadtfesttimbre“ kann die liebliche Rampensau nie so ganz ablegen, es haftet so hartnäckig an ihr, wie Hämorriden am Allerwertesten, wenn man halt gerne auf kalten Steinen sitzt.
Bei all der Krittelei kommt man aber nicht umhin zu bemerken, dass man heute auf dieser Bühne eine Band erlebt, die wirklich alles gibt. Für ihre Fans und sich selbst. Und bei solch einfühlsamen Balladen wie „Regen“ verliebt sich dann auch der härteste Musikkritiker ein wenig in die kleine Dame dort vorne am Mikro.
Wie weit denn alle so gereist seien, will Janine von den Anwesenden wissen. „Wir kommen aus Frankfurt“ ruft eine Gruppe von Teenies, andere sind der Band offensichtlich die gesamte bisherige Tour hinterher gefahren, solch eine Fanbindung muss man erstmal entwickeln. Man betrachtet das tatsächlich über zwei Stunden andauernde Konzert -ob man will oder nicht- mit zwei Seelen. Die eine sagt: „Uninteressant und langweilig, Pop-Scheiß eben.“ Die andere denkt: „Perfekt gemacht, unterhaltsam und charmant.“ Für welche Seite man sich entscheidet, muss letztendlich jeder Besucher selbst für sich herausfinden. Unter dem Strich habe ich heute jedenfalls eine verdammt gut aufspielende Band gesehen, die ihrem Publikum das gegeben hat, was es wollte: Spaß.
Jan Hagerodt Fotos: Peti Schmidt
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