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Interview mit Oliver Perau
Von Frauke Rauner

Vor fünfzehn Jahren der Anfang als Sänger und Frontmann von Terry Hoax, vor sechs Jahren überraschte er mit jazzigem Repertoire als "Juliano Rossi", es folgte das deutschsprachige Debut als "Perau". Dann wurde es ruhig um Oliver Perau. Heute macht der hannoversche Musiker mit seiner Band Grand Hill – nach eigener Aussage einer "ganz normalen Rockband"- wieder auf sich aufmerksam. Am 19. April werden sie bei "Hannover rockt" im Musikzentrum dabei sein.

Rockszene.de: Wie hat bei Grand Hill alles angefangen?

Oliver Perau: Am 23. Dezember 2000 hatten wir die erste gemeinsame Bandprobe im "Unterwasserstudio" hier im Béi Chéz Heinz. Zuvor hatte ich mir von Freunden Leute für die Gründung einer neuen Band empfehlen lassen. Die lud ich dann alle in meine Küche ein. Christian Decker war damals am Bass. Irgendwann brachte er dann auch Gitarrist Jens Nickel mit. Jens ist ein absoluter Glücksgriff. Wir verstehen uns musikalisch hervorragend. Ich bin abhängig von ihm, spiele ich doch kein Instrument. So komme ich dann mit Text und Melodie zu ihm und er sucht dann die Akkorde und findet die, die ich finden würde, wenn ich´s könnte.

Rockszene.de: Grand Hills erstes Konzert war beim Altstadtfest am 1. Juni im letzten Jahr zusammen mit Fury in the Slaughterhouse. Ich erinnere mich an durchnässte Mützen und erfrorene Zehen, aber nicht minder gute Stimmung bei guter Musik.

Perau: Die äußeren Bedingungen waren tatsächlich katastrophal. Fury hatte uns gefragt, ob wir mitspielen wollen. Ich war vorher ziemlich nervös. Aber eigentlich konnten wir nichts verlieren und wir haben die Leute dann ja auch überzeugt, denke ich.

Rockszene.de: Wie ging es dann weiter?

Perau: Einige Tage nach dem Altstadtfestgig rief Wolfgang Sick vom Pepermint Park Studio an und lud uns ein, ein paar Songs mit Jens Krause aufzunehmen. Eine Woche war geplant.Daraus wurden vier Wochen und vierzehn Songs entstanden, von denen ich später allerdings nicht mehr ganz so überzeugt war. Fünf Songs überlebten letztlich. Das war das Demo. Die Platte soll folgen. Dafür arbeiten wir jetzt hier im Unterwasserstudio von Jens. Die Arbeit hier ist ganz anders, viel lockerer. Bis wir nicht hundertprozentig von den Aufnahmen überzeugt sind, wird das mit der Veröffentlichung der CD nichts. Ich denke jedoch, neunzig Prozent haben wir schon erreicht. Also dauert es wohl nicht mehr lange.

Rockszene.de: Inzwischen ist schon eine "Best of Terry Hoax" Platte auf den Markt gekommen – Konkurrenz für Grand Hill? Beim Altstadtfest hast du ja auch zusammen mit Fury den Terry- Hoax- Song "Live all" gespielt. Ist das auch mit Grand Hill zu erwarten?

Perau: Auf keinen Fall. Die Sache mit "Live all" war Fury´s Idee. Ich habe keine Lust, die gleichen Songs noch einmal zu singen. Und die "Best of"- Platte ist keine Konkurrenz. Eher im Gegenteil. Sie ruft mich den Leuten wieder in Erinnerung und das ist auch gut für unsere Band. Ich habe auch nie- zumindest nicht lange- Gram gehegt. Wir haben uns glücklicherweise getrennt, bevor es unangenehm wurde. So ist das Kapitel Terry Hoax ohne bitteren Beigeschmack abgeschlossen.

Rockszene.de: 1996 hast du einen Ausflug in die Jazzszene als "Juliano Rossi" gewagt.

Perau: Olaf Heine, der Fotograf der seine ersten Bandfotos mit Terry Hoax machte, fragte mich, ob ich für seine erste Fotoausstellung in der Spalterhalle vom Schädelspalter ein paar Songs zum Besten gebe wolle. Ich liebe Jazz, Leute wie Frank Sinatra und Sammy Davis Jr.. So lag es nahe, mal einen derartigen Ausflug zu machen. Die Reaktionen darauf waren ziemlich gut.

Rockszende.de: So folgte auch eine euphorische Kritik in der HAZ. Doch im selben Jahr hast Du dann in den Pepermint Studios erste Aufnahmen für deine Soloplatte "Perau" gemacht...

Perau: Ja, im Sommer 1997 war die CD mit diesmal deutschen Texten fertig. Es war eine Mischung aus Hip Hop, Soul, Jazz und Pop. Ich bin mit dieser Platte zwei Jahre hausieren gegangen. Doch sie war den Plattenfirmen zu ungewöhnlich, der soulige Gesang war nicht erwünscht. Dann kam Xavier Naidoo, verkaufte eine Million Alben und ich bekam endlich meinen Plattenvertrag. Dann musste ich mir anhören meine Musik klänge wie Xavier Naidoo. Das war schon dumm gelaufen und die Platte war auch kein großer Erfolg. Da stand ich plötzlich völlig frustriert vor der Frage, ob ich überhaupt weiterhin Musik machen will.

Rockszene.de: Als Folge hast du dich für ein Jahr zurückgezogen und dann kam Grand Hill.

Perau: Ja, ich verspürte wieder Lust auf eine Band. Grand Hill ist eine ganz "normale" Rockband mit ausschließlich englischen Texten. Ich bin wieder zu meinen Wurzeln zurückkehrt. Die englische Sprache passt besser zur Musik. Ich höre eben mehr oder fast ausschließlich englischsprachige Musik. Außerdem macht es Spaß in einer Sprache zu texten, in der ich zum Beispiel nicht träume. Ich entferne mich ein paar Schritte von mir selbst und habe so die Distanz die ich zum Texten brauche.

Rockszene.de: In welchen Momenten bist Du am kreativsten?

Perau: Mittlerweile, wenn ich gut gelaunt bin. Die Texte und auch die Musik sind viel positiver geworden. Damals bei Terry Hoax versuchte ich, das Texteschreiben neu zu erfinden und glaubte, dass zu guter Musik traurigeTexte gehören.

Rockszene.de: Welchen Einfluss hast Du als Musiker auf dein Publikum? Spielt eine politische Stellungnahme eine Rolle?

Perau: Als Mensch bin ich politisch interessiert. Als Musiker weniger. Ich kann auch mit unpolitischen Texten die Leute bewegen, vielleicht auch verändern. Man sollte sich und seinen Einfluss jedoch nicht überschätzen.

Rockszene.de: Bemerkst Du beim Konzert die Leute in den ersten Reihen?

Perau: Ja und nicht nur die. Ich bin viel zu sehr abhängig vom Publikum. Mich beeinflussen sehr stark Reaktionen im Publikum und ich bin auch viel zu schnell irritiert.

Rockszene.de: Ein Grund dafür, dass man euch so selten live erlebt?

Perau: Hm, ich bin wirklich nicht heiß auf Live-Konzerte, aber man kommt ja nicht drum herum. Ich bin jedoch stets so verdammt nervös, dass ich mich immer wieder frage, ob das wirklich sein muss. Vielleicht fehlt bisher aber auch einfach ein Erfolgserlebnis. Die Platte muss erst mal veröffentlicht werden. Bisher müssen wir die Leute noch von unserer Musik überzeugen. Es ist schwierig, auf der Bühne zu stehen mit Songs, die die Leute noch nicht kennen. Aber irgendwann bekomme ich hoffentlich wieder mehr oder zumindest genau so viel zurück, wie ich gebe und dann spielt auch die Nervosität keine Rolle mehr.
Am liebsten aber arbeite ich im Studio. Die Aufnahmen zurzeit hier im Unterwasserstudio mit Jens Nickel verlaufen sehr entspannt und machen großen Spaß.

Rockszene.de: Die Zukunft sieht also wie aus?

Perau: Ich mache Musik, verdiene viel Geld und gehe... gerne auf Tour (grinst)