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| Interview mit Too many Cooks
Die Band Too many cooks gründete sich in den späten Achtziger Jahren in Montreal und machte sich vor allem in ihrer kanadischen Heimat einen Namen als heißer Live-Act. Aber auch in Frankreich und in der Schweiz spielte man auf bedeutenden Festivals, 1999 gab es eine Tour durch Brasilien. Nur in Deutschland, einem der weltweit wichtigsten Märkte für Rock und Popmusik galten Sänger Richard d´Anjou und Gitarrist Dan Georgesco bislang als eher unbeschriebenes Blatt. Das wird sich aber mit Sicherheit bald ändern, denn kürzlich nahm die hannoversche Plattenfirma Coastland Records Too many cooks unter Vertrag und dreht fortan kräftig am Promotion-Rad.
Dan: Wir sind überall herumgefahren und hoffen, auch in Deutschland bald berühmt zu werden. Nein, im Ernst. Wir sind aus dem Flieger ausgestiegen, kurz hier ins Büro zu Marco hallo sagen und mussten dann gleich zu einer Probe mit unser Band, die uns in Hannover auf der Bühne begleitet hat.
Rockszene: Da standen Euch ja mit Lars Lehmann, Mathias Meusel und Dominik Decker gestandene Session-Musiker zur Verfügung. Dan: Ja, das war klasse. Die Jungs waren unheimlich motiviert. Sie hatten sich gut vorbereitet und es ging gleich richtig zur Sache. Rick: Ich will mich da Dan anschließen. Die haben nicht nur Ihren Job heruntergerissen, das hat richtig Spaß gemacht. Rockszene: Ich habe von Lars Lehmann gehört, dass es ihm auch gefallen hat und er nur darauf wartet, dass ihr bald wieder nach Deutschland kommt, damit er und seine Kollegen wieder mit Euch spielen können. Rick: Wirklich? Das fänden wir auch gut. Mal sehen, vielleicht klappt es ja. Rockszene: Plant ihr eine Tour ? Rick: Was genau passieren wird, wissen wir noch nicht. Aber es wäre schon toll, in Deutschland zu touren oder ein paar Konzerte zu spielen. Das muss aber finanziell auch sorgfältig kalkuliert werden. Nicht zu vergessen ist die Organisation, die dahinter steht. Aber dafür haben wir ja mit Coastland eine sehr engagierte Plattenfirma gefunden. Die kümmern sich hervorragend um uns und strecken schon mal ihre Fühler aus wegen einer Tour in 2001. Aber ich bin zuversichtlich, dass die was auf die Reihe kriegen, nachdem was Marco und seine Leute in der vergangenen Woche alles organisiert haben. Rockszene: Da waren wir stehengeblieben. Dan, Ihr hattet die erste Probe hinter Euch und dann? Dan: Dann haben wir ein paar Biere getrunken. Das Sixpack ist in Deutschland wesentlich günstiger als in Kanada. (lacht) Spaß beiseite. Wir waren bei verschiedenen TV-und Radioshows eingeladen, wo wir auch ein paar Songs vorgestellt haben, u.a. bei NBC-Giga. Ja, das war eine schöne Fahrerei. Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Hannover. Aber wie gesagt, Marco und die Leute bei Coastland haben das gut organisiert. Wirklich coole Leute. Rockszene: Mir hat Eure Show in der Faust auch sehr gut gefallen. Sehr engergiegeladen... Rick und Dan: Oh danke, das freut uns. Rockszene: Legt ihr viel Wert auf´s live spielen? Seid ihr eine typische Live-Band? Dan: Wir sind den letzten Jahren wirklich viel aufgetreten. Die Konzerte können wir kaum zählen, es waren eine Menge. Es macht uns auch am meisten Spaß, mit dem Publikum in direktem Kontakt zu stehen. Wir lieben diese Atmosphäre bei Gigs. Rockszene: In Kanada habt ihr auch Gastmusiker. Die Band Too many cooks besteht demnach ausschließlich aus Euch beiden. Dan: Rick und ich sind die Band. Wir schreiben die Songs und kümmern uns um das Geschäftliche. Dann haben wir aber schon unseren festen Stamm an Gastmusikern. Rockszene: Viele Journalisten haben Euch das sicher schon gefragt und auch wir kommen nicht drum herum. Ihr habt für so bekannte Acts wie Aerosmith und Bryan Adams als support in riesigen Stadien gespielt. An dieser Stelle nochmal die Frage zum Thema Tour und Finanzen... Dan: Wie meinst Du das ? Rockszene: Es ist in Deutschland ein offenes Geheimnis, dass sich Bands in ein Vorprogramm mit horrenden Summen einkaufen. Dan: Wie bitte? Rockszene: Ja, und wenn die Plattenfirma die Kosten nicht voll übernimmt, nehmen die Musiker privat Kredite auf um vielleicht fünfzehn Konzerte vor jeweils 2000 Zuschauern zu spielen und hoffen auf die Erlöse aus Merchandising und die Promotion. Dan: Nein, das kennen wir nicht. Als wir die großen Acts supportet haben, wurden wir bezahlt. Wir haben Gage für die Gigs bekommen. In Kanada erhältst Du als Musiker auch eine zusätzliche finanzielle Unterstützung als Förderungsmaßnahme. Da zeigt sich die Staat von seiner guten Seite. Du musst halt nur nachweisen, das Du was kannst und gewisse Perspektiven aufzeigen, dann bekommst Du Geld. Rockszene: Ihr habt einen Song zum neuen Kinofilm mit Dan Akkroyd beigesteuert und sollt sogar in diesem Streifen zu sehen sein. Wie heißt der Film? Dan: Der Film heißt "Stardom" und soll bald in die Kinos kommen. Wir sind mit dem Song "Follow me" aus unserem aktuellen Album "Hungry" vertreten. Es gibt zu diesem Song auch ein Video. Rick: Und das Video wird auch gezeigt. Das ist dann so ein Typ, der das sogar laustark ankündigt : "Ladies and Gentleman. Too many cooks." Cool was?Rockszene: Um was geht es in dem Film? Rick: Er handelt von einem jungen Mädchen, das Hockey spielt, irgendwelche Manager kennenlernt und zum Star gemacht wird. Ein ganz normales Leben entwickelt sich rasend schnell. Der Film hat auch jede Menge Tempo. Man kommt sich vor, als säße man im Fernsehsessel, vor sich die Fernbedienung und man zappt ständig von einem Programm ins andere. Witzig gemacht. Ich habe allerdings nur Ausschnitte sehen können. In diesem Moment betritt Marco Heggen den Raum und gesellt sich zu unserer lockeren Plauderrunde. Rockszene: Eure aktuelle Single heißt "All I want".... Rick: Ja, ein verrücktes Ding was die Jungs von Coastland da gemacht haben. Ich war total überrascht, als ich die verschiedenen Remix-Versionen gehört habe. Ich habe gedacht: Was ist das für ein Song? Das ist nicht unser Song. Was ist das um alles in der Welt? Bis dann die Gitarre einsetzte, die ich dann sofort wiedererkannte. Absolut verrückt und genial. Dan: Mir sind auch fast die Ohren weggeflogen. Es ist wahnsinnig interessant zu hören, wie Aussenstehende mit deinem Material umgehen, man selbst ist ja irgendwie von Anfang an involviert und sicher auch viel zu voreingenommen.
Marco Heggen: Wir haben "All I want" in fünf verschiedenen Versionen remixt. Christian Fleps war daran beteiligt, Marcus Wichary war dabei und auch ich hatte meine Finger da mit drin. Habt ihr schon über den Songtext gesprochen?
Rockszene: Nein, was gibt es darüber Spezielles zu berichten? Rick: Der Text ist sehr zweideutig. Ich liebe es Songs zu schreiben, die genug Raum für Interpretationen lassen. Wir wollen uns nie ganz festlegen und die Dinge platt zur Sprache bringen. "All I want" ist ein gutes Beispiel. Oberflächlich betrachtet, könnte man es für einen ganz normalen Song halten. Ein Kind würde sagen "Oh ja toll, ein schönes Liebeslied", dabei kommt im Ausdruck "Chasing the dragon" heftigster Drogenkonsum zur Sprache. Ein sehr zweideutiges Stück.
Rockszene: Angenommen, ihr müsstet Euch selbst im wahrsten Sinne des Wortes verkaufen: Was würdet ihr den Leuten sagen, warum sie eure Platten kaufen und in eure Konzerte kommen sollen? Was ist das Einzigartige an Too many cooks?
Dan: Wir sind wir selbst, wir sind ehrlich. Kein künstliches Produkt. Das kommt bei den Leuten an, glaube ich. Unsere Songs handeln von unseren persönlichen Erfahrungen. Unsere Konzerte leben von ihrer Spontanität. Wir stehen nicht auf der Bühne und präsentieren den Menschen irgendeine Show. Wir haben gemeinsam Spaß, wir sind sehr nah am Publikum. Rick: Unsere Gigs sind auch häufig ziemlich verrückt. Andere Bands würden sagen "Die sind total verrückt. Die haben einen verrückten Sänger. Schmeißt diesen verrückten Sänger raus." Wir jammen viel, unsere Setlist verändert sich mit den jeweiligen Gegebenheiten. Wir lassen uns auf der Bühne entsprechende Freiräume. Dan: Wir schreiben vor allem auch Songs die uns gefallen, wo wir uns selber wieder finden, die unser Leben respräsentieren. Wir machen nicht Musik für die Plattenindustrie, sondern für uns und unser Publikum. Rockszene: Solange man sich das leisten kann.... Wenn Geld fließt, reden die Plattenfirmen meist gehörig mit, oder? Marco: Wenn ich mal was dazu sagen darf. Bei Coastland und den Too many cooks liegt das anderes. Wir haben die Band unter Vertrag genommen, weil wir sie und ihre Musik mögen. Wir wollen und werden sie nicht ändern. Das Konzert in der Faust am letzten Samstag hat mir auch sehr gut gefallen. Ich habe lange kein Konzert mehr gesehen, dass mich so beeindruckt hat. Rockszene: Dann seid stolz auf Eure Plattenfirma. Morgen geht es dann nach Hause. Dan: Ja, wir müssen um vier Uhr morgens raus. Fliegen zunächst nach Frankfurt und von dort nach Montreal. Rockszene: Vier Uhr morgens ist keine Zeit für Musiker, es sei denn, man ist noch wach. Dan: Es ist keine Zeit für niemanden. Aber es war wirklich toll in Hannover. Rockszene: Dann viel Glück, danke für das ausführliche Gespräch und gute Heimreise. Rick und Dan: Wir haben zu danken. Es war schön, dich kennengelernt zu haben. Weitere Informationen zur Band unter www.toomanycooks.com |