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Interview mit Steve Lukather von der Band Toto - Teil 2
geführt von Manfred M.Schuster am 14.09.2002

Hier der 2.Teil des Rockszene.de-Interviews mit Toto-Gitarrist Steve Lukather.
Zum 1.Teil des Gespräches geht es hier entlang

Im 2. Teil spricht Steve Lukather über den 1992 verstorbenen Jeff Porcaro, sein Projekt Los Lobotomys, weitere Solo-Pläne, seine Einflüsse, die erste Gitarre und die aktuelle Musikszene. Außerdem gibt er Tipps an den Nachwuchs....

(...)
Rockszene.de:
Seit 1992, als Simon Philips in die Band kam, habe ich das Gefühl, dass der Sound immer homogener geworden ist. Wie ist Dein Eindruck und welche Erfahrungen habt ihr in dieser Zeit gemacht ?

Steve Lukather:
Wie du weißt, verloren wir Jeff Porcaro - und es war ein gewaltiger Verlust. Er war jemand, den man nie ersetzen kann.

Rs.de:
Ich konnte es damals kaum glauben, als ich von seinem Tod hörte...

Lukather:
... wenn es dich schon berührt hat, was meinst du, wie es erst für mich war: ich hab meinen Bruder verloren, mein Seelenbruder. Er war das Herz und die Seele der Band. Und ich dachte, wir können nicht weitermachen. Durch Gottes Gnade haben wir Simon gefunden - er ist jetzt auch schon 10 Jahre in der Band, kannst du das glauben ? ...
Er machte sich zu einem festen Mitglied der Band - und ist mit der Band gewachsen.
Er respektiert Jeff und versucht nicht, wie Jeff zu spielen - niemand kann wie Jeff spielen - Jeff ist einzigartig.

Rs.de:
Es war ein anderer Stil, oder ?

Lukather:
... es war ein anderer Stil. Aber weißt du, mir mussten weitermachen. Wir dachten darüber nach, uns zu trennen - aber warum ? Letztlich kann jeder jede Nacht die Musik von Jeff Porcaro hören.
Wir widmen alles Jeff, denn er ist für uns keinesfalls vergessen - ich vermisse ihn jeden Tag und sende meine Gebete und Liebe zu ihm und weiß, dass er uns nah ist.
Ich glaube, dass es so in Ordnung ist, wie wir es gemacht haben. Wenn wir es nicht gewollt hätten und ich das Gefühl gehabt hätte, mit seinem Andenken Schindluder zu treiben, dann hätte wir es nicht getan.

Rs.de:
Was ist eigentlich mit den Los Lobotomys ? Ich erinnere mich an das Album "Candy Man" und das Konzert in Hannover im Jahre 1994...

Lukather:
Sie haben gerade ein Video herausgebracht von uns, als wir in Baden-Baden live in einer TV-Show gespielt haben. Ich hab damit nichts zu tun, es war schon vor 10 Jahren.
Ich hab es noch nicht gesehen - die Band existiert nicht mehr.
Wir sind immer noch Freunde, wir sehen uns ab und zu - aber wir gehen verschiedene Wege.

Rs.de:
Planst du ein neues Solo-Album ?

Lukather:
Ich mache ein Weihnachtsalbum - es kommt nächstes Jahr raus - es ist ziemlich verrückt und irgendwie fusionmässige Weihnachtsmusik mit Eddie van Halen, Steve Vai, Slash - mein Sohn Gerrald spielt Gitarre ...
Rs.de:
Wie alt ist dein Sohn ?

Lukather:
Fünfzehneinhalb ! Er hat schon seinen eigenen Textschreiber.

Rs.de:
Und Du bist sein Lehrer ?

Lukather:
Nicht ganz. Ich lass ihn sein eigenes Dings machen. Natürlich zeig ich ihm Sachen.
Er spielt Gitarre und singt - er schreibt großartige Texte - er spielt irgendwie moderne Rocksachen. Er ist kein großer Solist - er kann sehr melodische Sachen spielen - aber er versucht nicht, ein Gitarrenvirtuose zu werden - er sagt: "Warum, Dad - du bist der Mann für sowas ...".
Ich sagte "So darfst du das nicht sehen - du wirst deinen eigenen Weg finden ..."
Er kommt dann immer zu mir und fragt mich nach meiner Meinung über seine Musik und um ihn bei den Arrangements zu helfen. Er ist mein bester Freund.
Er war Trauzeuge bei meiner Hochzeit vor vier Monaten. Wir sind uns sehr nah.
Wir sind uns so nah, wie sich ein Vater und ein Sohn sein können.

Rs.de:
Wenn Du die Musik der Achtziger mit der von Heute vergleichst - wie ist dein Eindruck der Trends im Musikgeschäft ?

Lukather:
Ich denke, dass die Leute nicht gut spielen können müssen, um Musik zu produzieren.
Damals musste man gut spielen können.
Man musste ein exzellenter Musiker sein, heute reicht es, wenn man ein guter - oder ein "es-geht-so"-Musiker ist - dank professioneller Werkzeuge und Computer - du musst nicht im Takt singen und spielen können - es kann alles hinterher behoben werden werden.

Damals klangen Aufnahmen prima und ordentlich - aber nicht so glatt und aufpoliert wie heute. Und wenn du Bands dann live siehst, sind die Scheiße - die können gar nicht richtig spielen.
Und die können auch nicht richtig singen - und du überlegst, warum klang das Album so gut - warum sind die live so schlecht ? Wer hat eigentlich das Album aufgenommen ?

Rs.de:
Das gleiche Problem findet man auch bei Tanzbands ...

Lukather:
... alles Scheiße - jeder verlässt sich auf Maschinen - und da meinen einige noch, dass wir zu glatt und perfekt spielen würden - wir waren zusammen in einem Raum und haben die Sachen richtig gespielt.

Rs.de:
Gibt es einige Newcomer-Bands, die Dir gefallen ?

Lukather:
Mir gefällt Radiohead von den verhältnimäßig neueren Bands, obwohl sie ja keine Newcomer im eigentlichen Sinn mehr sind. Da sind noch einige Sachen - aber mir fällt da im Moment nichts mehr ein - Du hast mich überrumpelt - ich kann nicht richtig nachdenken ...
Das ist sehr schwierig - es gibt so viele Bands - so viele verschiedene Künstler - da gibt es so viel ...
Ich hab eine Tochter - sie ist 17 ... und sie hört diesen ganzen Rockscheiß - ich hör diesen ganzen HipHop-Kram - wenn ich ehrlich bin - ich höre lieber Bebop ... und Miles Davis und John Coltrane.

Rs.de:
Hören Deine Kinder Musik von TOTO ?

Lukather:
Klar - sie mögen unsere Musik - besonders cool finden sie auf unserem neuen Album den Bob Marley Song, ich hab mich echt darüber gefreut ...
Sie kommen zu unseren Konzerten, sie lieben ihren Vater und sie kennen auch alle unsere Songs - aber es ist nicht ihre Musik.
Ich denke, jede Generation hat ihre eigene Musik.

Rs.de:
Welche Musik gefällt dir am Besten und wer hat dich am Meisten beeinflusst ?
Ich habe gehört, du magst die Musik von Jimi Hendrix ...

Lukather:
Na klar ! Ich liebe Jimi Hendrix ! Ich liebe die Beatles und den ganzen Kram.

Vor zwei Wochen war ich bei den Rehearsals der Rolling Stones in Toronto. Ich hatte eine Show mit Jeff Healey und dadurch die Gelegenheit, die Rolling Stones beim Rehearsal zu hören - und sie spielten alle meine Lieblingstitel - ich war einer von nur zwölf Leuten im Raum. Ich war eingeladen - und es war fantastisch.
Die sind 60 Jahre alt und hauen mich jedesmal um - die sind großartig - ich möchte genau wie sie sein, wenn ich in dem Alter bin.

Rs.de:
So wirst du auch noch spielen, wenn du über 60 bist ...

Lukather:
Was soll ich denn sonst machen - soll ich dann aufhören ?
Ich werde Gitarre spielen, bis ich umfalle.

Rs.de:
Darf ich dich fragen, welche Marke und welches Modell Deine erste Gitarre war ?

Lukather:
Meine erste Gitarre ...

Rs.de:
Erinnerst du dich ?

Lukather:
Selbstverständlich ... ich hab sie immer noch - es war eine K-Akustikgitarre - meine Eltern hatten geschenkt zusammen mit dem Album "Meet the Beatles" im Jahr 1964.

Rs.de:
War in der Gitarre schon ein Tonabnehmer drin ?

Lukather:
Nein, es war eine Akustikgitarre - ich hatte in den ersten zwei Jahren keine elektrische Gitarre bekommen - ich musste meinen Eltern erst zeigen, dass ich richtig spielen kann. Und es war richtig schwer, auf dieser Gitarre zu spielen.
Ich hab sie immer noch - ich hab aus ihr eine Lampe gemacht, sie steht im Zimmer von meinem Sohn.

Rs.de:
Weißt du noch, welches dein erstes Album war, das du besessen hast ?

Lukather:
Ja, das war das besagte "Meet die Beatles". Es hat mein Leben für immer verändert.

Rs.de:
Hast Du es noch ?

Lukather:
Nein - aber ich wünschte, ich hätte es noch. Ich weiß nicht, wo es geblieben ist - es war das Original von 1964 ... es war ein Geburtsgsgeschenk von meinem Vater.

Rs.de:
Du bist seit vielen Jahren ein erfahrener und erfolgreicher Musiker.
Hast du einige gute Ratschläge für jüngere Musiker, um erfolgreich ihren Weg ins Musikbusiness zu gehen ?

Lukather:
Ich weiß nicht, ob jemand mir zuhören wird ... aber - jeder will möglichst schnell ein Rockstar werden - und es ist so einfach - mit ein wenig Glück und ein paar guten Titeln - aber niemand will mehr Mühe und viele Jahre investieren, ein richtig guter Musiker zu werden - sowas kann man nicht in kurzer Zeit erreichen.
Man muss Zeit investieren und üben. Man muss lernen, soviel man kann - die Finger müssen bluten ... - sowas macht heute keiner mehr ... das ist offensichtlich.
Das würde die nächste Musikergeneration besser machen. Die Jungs müssen jahrelang viele Stunden investieren, wenn sie nicht nur Durchschnitt sein wollen, sondern richtig gut werden wollen. Das ist der Unterschied.

Rs.de:
Du musst also Talent haben und hart arbeiten ...

Lukather:
Man muss besessen sein - unheimlich motiviert sein ... man muss Musik leben, atmen - und essen ... das haben wir gemacht.
Ich bin jetzt älter und gealtert (... schlimmer Fluch ...) - ich hasse das - aber ...
Ich höre immer noch die alten Sachen und mag sie noch immer.
Man kann nicht sagen, dass die Beatles schlechte Musik gemacht haben. Wo sind die neuen Beatles ? Der neue Jimi Hendrix ? Alles ist (heute) auf gleichem Niveau.
Du hörst es Dir an und denkst "Klingt ganz gut" - aber es ist nicht so, dass du einen Luftsprung machst und sagst "das ist es". So ein Gefühl hatte ich seit Jahren nicht mehr.

Rs.de:
Ganz andere Frage. Auf einem Michael Jackson Album spielst Du auch Bass - welche Instrumente kannst Du außer Gitarre noch spielen ?

Lukather:
Ich spiele Keyboards - eigentlich sogar recht passabel. Ich spiele oft Keyboards auf den TOTO-Alben.

Rs.de:
Was sind Deine persönlichen Pläne für die nahe Zukunft ?

Lukather:
Für die nahe Zukunft ist in den nächsten anderthalb Jahren alles schon verplant.
Aber ich plane immer verschiedene Projekte - ich bin ein Workaholic - ich liebe es, Musik zu machen - mit einigen gute Akkorden macht alles mehr Spaß.
Ich kaufe jetzt ein neues Haus - bin gerade frisch verheiratet, ziehe meine Kinder groß - ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Die Dinge sind in Ordnung:

Rs.de:
Und wann kommt wieder ein neues Album mit neuen Toto-Songs ?

Lukather:
Wir werden jetzt erstmal längere Zeit auf Tour sein, vielleicht in zwei Jahren

Rs.de:
So, jetzt hab ich nichts mehr auf meiner Liste ...

Lukather:
... O.k. - danke vielmals für deine Zeit - und ich hoffe, dass wir uns im Konzert sehen.

Rs.de:
Danke für das Interview ...

Lukather:
Gern geschehen, ich danke dir.

Rockszene.de bedankt sich bei Nick Webb für die Unterstützung bei der Übersetzung.