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Interview mit Vera Beier-Lüdeck (LAG Rock)
Die Fête de la Musique 2002

Von Frauke Rauner

Die Landesarbeitsgemeinschaft Rock (LAG Rock) in Niedersachsen veranstaltet am 21. Juni 2002 die Fête de la Musique. Damit findet die Party, die mittlerweile über die Grenzen Europas Bedeutung hat und jedes Jahr am Sommeranfang gefeiert wird, erstmals auch in Niedersachsen statt. In zahlreichen Clubs und auf Open-Airs in Hannover, Göttingen und Osnabrück wird ein vielfältiges Live-Programm geboten. Im Vordergrund steht die Präsentation der lokalen Musikkultur. Wichtig aber ist vor allem eins: Spaß am Sommerbeginn!
Frauke Rauner sprach mit LAG Rock Projektleiterin Vera Beier-Lüdeck über die Hintergründe des großen Musikfestivals und über weitere Projekte und Aufgaben der LAG Rock.

Rockszene.de: Die aus Frankreich stammende Idee eines Musikfestivals zum Sommeranfang – "Fête de la Musique" hat inzwischen europaweites Interesse gefunden. Wie kam die Fête nach Niedersachsen?

Vera Beier-Lüdeck: Im Vorstand des Rockbüros Göttingen sitzt der Franzose Pascal Barret und der kannte die Fête de la Musique noch aus Frankreich, wo sie vor 20 Jahren das erste Mal stattfand. Als im letzten Jahr das Festival mit etwa 80 000 Besuchern in Berlin sehr erfolgreich lief, kam der Vorschlag, die Fête nach Niedersachsen zu holen. Ursprünglich war geplant sie in Wilhelmshaven, Braunschweig, Osnabrück und Göttingen durchzuführen. Jede Stadt musste einen finaziellen Anteil bringen, leider vermochten das weder Wilhelmshaven noch Braunschweig. So entschloss man sich für Hannover als weiteren Austragungsort. Pascal kümmert sich um den Kontakt zu Frankreich, denn es werden ja auch einige französische Bands spielen.

Rockszene.de: Ansonsten wird man in Hannover viele lokale Bands hören ?

Beier-Lüdeck: Ja, schließlich soll die lokale Szene gestärkt werden. In Hannover steht auch die Hauptbühne der Fête. Die Bands spielen ohne Gage, das ist ein Teil der Philosophie der Fête de la Musique. Da auch die Kooperationspartner auf Eintrittsgelder verzichten, haben die Besucher die Möglichkeit, in viele verschiedene Programme hineinzuschnuppern. Wir haben uns zur Vorbereitung mit Jürgen Press von Radio Flora zusammengesetzt und überlegt, welche guten Bands es in Hannover gibt. Und da gibt es so einige. Eine stilistische Vielfalt zu haben, war uns wichtig. So ist von Pop bis Folk alles dabei.

Rockszene.de: Diese Vielfalt zu zeigen, gilt als Aufgabe der Fête de la Musique?

Beier-Lüdeck: Ja, als damals vor 20 Jahren der französische Kultusminister die Idee zur Fête hatte, wollte er sehen, wie viele Leute in Frankreich musikinteressiert sind. Mittlerweile ist das dort ein richtiges Volksfest für die ganze Familie. Der Chansonier spielt eben neben der Rockband. Das ist das Bestechende. Es soll so die gesamte Bevölkerung angesprochen werden. Und für die Bands ist das eine gute Möglichkeit, sich einem breitem Publikum zu präsentieren.

Rockszene.de: Was erhofft sich die LAG Rock als Veranstalter von der Fête de la Musique?

Beier-Lüdeck: Dass diese Veranstaltung zu einer festen Einrichtung wird und von Jahr zu Jahr expandiert. Natürlich erhoffen wir uns, eine stärkere und engere Zusammenarbeit zwischen den Bands und Rockbüros der verschiedenen Städte. Letztlich sind wir aber auch einfach für solche Festivals zuständig, es gehört also in unseren Aufgabenbereich so etwas zu organisieren.

Rockszene.de: Wie lange gibt es die LAG Rock schon und was gehört sonst noch zu euren Aufgaben?

Beier-Lüdeck: Die LAG Rock gibt es seit 1988 und versteht sich als dezentrale Rockakademie.Wir bieten Workshops in den verschiedensten Bereichen an, wie zum Beispiel Gesang oder Tontechnik. Wir stellen dafür die Dozenten. Außerdem organisieren wir Konzerte und unser Hauptaugenmerk liegt hierbei in der Förderung des Austauschs der Bands zwischen den Städten. So wird dann der lokale Act als Headliner angesetzt und weiterhin spielen Bands aus anderen Städten Niedersachsens. So können kleinere, nicht so bekannte Bands an Popularität gewinnen.

Rockszene.de: Vom 24.-28. Juli laufen beispielsweise in Lüneburg die Niedersächsischen Frauenmusiktage. Welche weiteren Projekte organisiert die LAG?

Beier-Lüdeck: Ein neues mobiles Angebot, das diesen März erstmalig stattfand, ist das Projekt "MädchenOnline on tour". Hierbei wird Musik als Medium für multimediale Anwendungen und Vernetzungen benutzt. Das bedeutet eine Gruppe macht Musik während die andere Grundlagen des Internets kennen lernt. Nach einem halben Tag werden die Gruppen getauscht. Vernetztes Denken wird somit gefördert. Auch das Projekt "MädchenKulturWelten" verläuft nach ähnlichem Prinzip.

Rockszene.de: Seit dem Jahr 2000 wird die LAG Rock durch institutionelle Förderung vom Land Niedersachsen unterstützt. Ein Beweis für den Erfolg eurer Arbeit ?

Beier-Lüdeck: Auf jeden Fall. Bis dahin hatten wir lediglich Projektförderung. So war es immer schwierig weitläufig zu planen, da man nie wusste, wann und wie viel Geld zur Verfügung steht. Deshalb haben wir großes Glück, dass wir nun diese sichere Förderung genießen können. So ist die Planung sicherer. Das Land akzeptiert unsere Arbeit. Auch die stets sehr gut besuchten Workshops ermutigen und bestätigen uns in unserem Tun.

Rockszene.de: So wird hoffentlich auch die Fête de la Musique dazu beitragen.

Beier-Lüdeck: Ja, wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf die Fête und sind gespannt.

Weitere Informationen zur Fête de la Musique unter: http://www.fetedelamusique-nds.de